Virtueller Lauffener Bote

Aktuelle Nachrichten

Aktuelle Nachrichten | Keßler, Bettina | 17.07.2017

Theaterautor zeigt Luthers Theologie mit Humor

Backhausplatz bot dem Freilichttheaterstück SOLA GRATIA eine überaus malerische Kulisse – Begeistertes Publikum am Premierenwochende

Logo bühne frei 2016 

 

SOLA GRATIA - Foto Premiere (Foto: Ines Franzke, 14.7.17)

 

Der Backhausplatz vor der steil aufragenden Mauer an der Regiswindiskirche bot den Schauspielern und ihrem Publikum eine malerische Kulisse. Heimelig anmutende Bühnenbilder, Alltagsgegenstände einstiger Zeiten, Schauspieler in historischem Gewand taten ein Übriges, um das neue Theaterstück des CVJM, das im Rahmen des städtischen Kulturprogramms "bühne frei..." präsentiert wurde, am vergangenen Wochenende in Szene zu setzen. Mit SOLA GRATIA servierte das 35-köpfige Schauspielerensemble dem Publikums eine humorige Variante von Luthers 95 Thesen zur Reformation. An den insgesamt drei Aufführungen von Freitag- bis Sonntagabend war Petrus den Laienschauspielern des CVJM Lauffen auf dem voll gefüllten Backhausplatz wohlgesonnen. Zum Einstieg blendete das Geschehen kurz auf die Wartburg: „Zecko hat einen Menschen ans Messer geliefert, der für seine Überzeugung einsteht“, klärte Melanchton das Publikum auf. Er sprach von Martin Luther. Doch der Reihe nach.

 

Ausgangspunkt war der Markt in Eisenach. Händler boten Gürtelschnallen feil und anderes Gut. Mitten ins bunte Treiben der Frauen, Männer und Kinder mischte sich ein Priester: „Kauft Ablass! Kauft euch frei vom Fegefeuer und seinen Höllenqualen.“ Er war nicht der einzige, der den Gutgläubigen Heil versprach. Eine Gauklerin schnitt einem Mann einen Dummheitsstein aus dem Kopf. Doch der, so betonte die Gauklerin nach geglückter Operation, sei der erste, der ohne den Stein – der nicht mehr war als ein gewöhnlicher Kieselstein – klüger geworden war als vorher.

Das Szenario skizzierte das begrenzte Denken der Gesellschaft, auf die Luthers Ideen der Reformation damals stießen. Freilich wäre die Saat nicht aufgegangen, hätte in der damaligen Gesellschaft nicht schon ein Keim von Freiheitswunsch begonnen auszutreiben. Dem stand die Macht und Obrigkeit entgegen, das zeigte die Kasperleszene: „Vorhang auf liebe Kinder, für die hohen Herren auf dem Throne.“ Kaiser Karl und Papst Leo unterhielten sich über die Folgen von Luthers Forderungen: Der Ablasshandel sollte ein Ende haben: „Wovon sonst bezahlst du deinen Palast?“, meinte Kaiser Karl zum Papst. Luthers Thesen, die er gegen den Ablasshandel richtete, stellten die Machenschaften der Obrigkeit öffentlich zur Diskussion.

 

SOLA GRATIA - Premiere: rechts Melanchthon (Foto: Ines Franzke, 14.7.17)

 

Während Melanchton sicher mit Fritz in seiner Studierstube über die neuesten Ereignisse plauderte, wurden auf dem Markt draußen immer noch Todesurteile vollstreckt. Entlaufene Nonnen, Andersdenkende waren als Ketzer ausgemacht. Frauen wurden als Hexen verbrannt. Eines ihrer Vergehen: Sie hatten einen Kranken durch Kräuter geheilt. Die nächste Szene schwenkte zu zwei Mönchen, eine Anspielung auf die historischen Figuren - Mönch Abaelardus und Nonne Héloise -, die um 1100 durch Klostermauern getrennt, einander Liebesbriefe schrieben.

 

Die Wirren dieser Umbruchzeit führten zu manchen Turbulenzen. So kam es zum Vertauschen wichtiger Bücher – Luthers Previer, Marlenes Kochbuch und die Bibel. Eine überglückliche Marlene erhielt ihr Kochbuch zurück, mit dem Rezept der Herrgottsbescheißerle. Zwischen ihr und Fritz entspann sich ein Dialog über die gefüllten Teigtaschen aus Nudelteig, in dem Fritz sinnierte: „Die stopfen die Menschen sich ins Maul.“

 

Das war nicht die einzige Stelle, an der Jürgen Reiner, der Schreiber des Stückes, Humor in die 90-minütige Aufführung gebracht hatte. Auf Wunsch hatte er auch für ein Happy End für alle im Schauspiel Dargestellten gesorgt. Natürlich, betonte Regisseur Gottfried Buck, wissenschaftlich sei dies alles nicht bewiesen. Dennoch: „Es könnte so gewesen sein.“ Seit Februar, so berichtete er, probten die Laienschauspieler unermüdlich ihre Rollen sowie die einzelnen Szenen, bevor sie SOLA GRATIA als Ganzes aufführten. Der Regisseur lobte – wie auch manch einer der Zuschauer nach der Vorstellung: „Der Zusammenhalt der Schauspieler kommt bei dem Stück richtig gut rüber.“ Bereits am Samstagmorgen war der Vorverkauf der weiteren Vorstellungen kräftig in Schwung gekommen. Fürs kommende Wochenende gibt es noch Restkarten für 12 €, erm. 8 € (Schüler/Stud.) im Bürgerbüro und an der Abendkasse.

 

Text und Foto:  Ines Franzke

 

Bildunterschrift:

Abb. 1: Ins alltägliche Leben der Menschen in Eisenach brechen umwälzende Ereignisse herein.

Abb. 2: Melanchton (rechts: Achim Thein) berichtet von den weltbewegenden Ereignissen, die von der Wartburg ausgehen.

 

teilen