Virtueller Lauffener Bote

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Aktuelle Nachrichten | Kast, Ingrid | 02.02.2018

Zwölf Lauffener

Karneval in Venedig in Lauffen a.N.

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Die Lauffenerin Ursula Offermann-Walter und der Venezianische Karneval

 

Im Jahr 2018 stellt der Lauffener Bote jeden Monat jeweils einen bzw. mehrere dadurch verbundene Menschen aus Lauffen a.n. mit ihren besonders interessanten Hobbies, Berufen oder HIntergründen vor. Ulrike Kieser-Hess führt hierzu zwölf Interviews. Lesen Sie in diesem Boten das zweite Porträt:

Offermann Walter beim Nähen der venezianischen Kostüme

Wer in Lauffen mit nur einem Schritt über die Schwelle beim Karneval in Venedig sein möchte, der besucht am besten Ursula Offermann-Walter im Städtle. Glitzernde Stoffe, bunte Federn, mit Pailletten besetzte Schuhe, goldene Litzen und silberne Schnallen, Tüll, Taft und Seide, Perlen, Straß, prächtige Fantasie-Kostüme und überdimensionale Kopfputze verwandeln ihre Wohnung in ein Stück Lagunenstadt. Unermüdlich nähte sie diese prächtigen Kostüme, nachdem sie 1997 das „Venedig-Karneval-Virus so richtig angefallen hat“.

 

Zusammen mit ihren Freundinnen Doris und Renate infizierte sich die gelernte Schneiderin bei der Venezianischen Messe in Ludwigsburg. „Das war wie eine Droge“ erinnert sich Ursula Offermann-Walter lachend, „wir waren auf einmal nur noch auf der Suche nach besonderen Stoffen und Accessoires“. Ideen für tolle Kostüme waren schnell entwickelt und dann ging es los mit Nadel und Faden, denn „nach Venedig ist vor Venedig, man hat halt immer nur ein Jahr Zeit für ein solch aufwendiges Kostüm“.

Das alte Kleid nochmal anziehen, das „geht überhaupt nicht“, weiß die Venedig-Karneval-Expertin, „dann lassen einen die Fotografen links liegen und auch die anderen Kostümträger, die aus den ganzen Welt nach Venedig kommen, merken das, wenn man kein neues Outfit hat“.

 

Zehn Tage vor Aschermittwoch geht es los mit dem Flanieren in den schweren, bis zu fünf Kilogramm schweren Kostümen, auf dem Kopf eine gewagte Hut-Kreation, vor dem Gesicht eine zum Kostüm passende Maske, „man darf kein bisschen Haut sehen“.

Haut und Dekolletee dürfen nur die Venezianerinnen in ihren Barockkostümen  zeigen, erzählt die Kennerin schmunzelnd und „je reicher, umso tiefer ist der Ausschnitt“.

Wie ein offenes Museum ist Venedig in den Karnevals-Tagen für die Lauffenerin, die aus Pinneberg stammt,, „einfach zauberhaft“. Zauberhaft sind auch die Fantasie-Kostüme, die Ursulino, so wird sie in Venedig genannt,  näht. Viele Stunden Handarbeit stecken in den prächtigen Roben. Kräftige Farben und auffallende Kontraste zeichnen die bodenlangen Roben aus, die bis ins Detail durchgestaltet sind, da passt einfach alles, bis zu den selbstbezogenen und verzierten Schuhen. Material suchen sich die Damen von überall her zusammen. „Mal kaufen wir ein Abendkleid auf und nähen es um, oder wir bestellen via Internet in Kairo Bauchtanzcapes, je nachdem, welche besondere Idee wir gerade ausbrüten“.

 

Man merkt ihr die Begeisterung an, wenn die 81-Jährige von ihrem Hobby erzählt. Da ist keine Sondernähschicht zu viel, kein Stoffweg zu weit, da wird alles zur Venedig-Ausstattung umfunktioniert von der Weihnachtsdeko und den Turnmatten bis zum Brotkörbchen, „so ein Kostüm muss wachsen, es ist wie ein Baby“. 

 

Venezianische Kostüme Offermann Walter mit Bürgermeister Waldenberger

 

Aber man konnte der prächtig kostümierten Ursula Offermann-Walter nicht nur zwischen Dogenpalast und Markusplatz begegnen. Auch bei der Venezianischen Nacht, die der Lauffener Gewerbeverein etliche Jahre veranstaltet hat, war sie versteckt unter Samt und Seide dabei, brachte italienisches Karnevalsfeeling von der Adria an den Neckar.

 

Text und Foto: Ulrike Kieser-Hess

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