Virtueller Lauffener Bote

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Aktuelle Nachrichten | Keßler, Bettina | 13.03.2018 – 09.04.2018

Lieder die Geschichten erzählen

Die Lauffener Klezmer-Gruppe „Homentaschn“ begeisterte fast 200 Besucher in der Martinskirche

Homentaschn "Ojfn Veg - Auf dem Weg" (Foto: U. Kieser-Hess, 9.3.2018)

 

„Erfindet eine schöne Melodie, und eure Musik, welcher Art sie auch sei, wird schön sein und gefallen“, formulierte einst Joseph Haydn und die Klezmorim, die Musiker im ostjüdischen Stetl, haben dies eindrucksvoll schon in den früheren Jahrhunderten in die Tat umgesetzt. Dass diese Volksliedtradition auch heute noch berührt, bewegt und begeistert, hat jetzt die Gruppe „Homentaschn“ bewiesen, die auf Einladung des städtischen Kulturprogramms "bühne frei..." und der Volkshochschule Unterland in der bestens besuchten Martinskirche  ihr neues Programm „Ojfm Veg – Auf dem Weg" präsentierte. Und wie die Vier ihre Lieder und Instrumentalstücke präsentierten: intensiv, stimmungsvoll, mal heiter, mal melancholisch, oft mit knitzem Humor gewürzt, perfekt gekonnt, mitreißend und voller Freude an der Musik.

 

Unterbrochen von kurzen Erklärungen schwang sich da ein Melodienreigen durch den Kirchenraum, der einfach mitreißend war. Ursprünglich eine Hochzeits- und Festmusik, ist die dargebotene Klezmermusik ein musikalischer Spiegel all jener Begebenheiten und Umstände, die das Leben im Stetl ausmachen. Da kann man dem Liebeswerben eines jungen Mannes ebenso lauschen, wie den Klagen des alten Müllers, kann auf der Hochzeit von Mesinke mittanzen, bei einem Schüssele Borscht Gastfreundschaft genießen, sich über allzu selbstverliebte Rabbis lustig machen und sogar Melodien am Boden von Wein- oder Schnapsgläsern finden. Starke Stimmungswechsel bestätigen die Homentaschn ihren Liedern, Stimmungsschwankungen, die das Programm extrem abwechslungsreich machen. Da schwingt bei jedem Lied ein anderes Gefühl mit, wird es nie langweilig, wie im richtigen Leben eben.

 

Im zweiten Teil des Programms führte der Weg in die Neue Welt. Die USA und Südamerika, Länder, in die die meisten ausgewandert waren, prägten mit ihrer Musik die „neue“ Klezmer-Musik, die jetzt erstmals auch nicht mehr nur auswendig gespielt wurde, sondern geschriebene Noten bekam. Und dass es nicht immer so leicht war in der neuen Heimat, wie es der Tango „Frühling“ verheißt, beschreibt das traurige Lied des Mädchens, das nach Buenos Aires gelockt wurde und dort zur Prostitution gezwungen wird. Doch man kann auch augenzwinkernd die neue Heimat Amerika erleben, auch wenn man sie nicht so ganz versteht: „Wot ken you mach, es is Amerika“.

 

Dass sich ein kleiner Junge sehnlichst das namensgebende Lied „Homentaschn“ wünschte, war für Roland Wunderlich, Harald Schnabel, Götz Engelhard und Rainer Albrecht  natürlich Ansporn, es als Zugabe zu präsentieren. Und das mit genauso viel Herzblut und Freude wie das gesamte Programm. Die Stimmung in der kleinen Kirche war bestens, mitgesungen wurde eifrig, applaudiert anhaltend  und als die Klezmorim spielend die Kirche verließen, waren alle traurig, sie selbst vielleicht auch ein bisschen, denn dass ihnen ihre Musik Freude macht, das war unüberhör- und unübersehbar.

 

Text und Foto: Ulrike Kieser-Hess

 

Bildunterschrift:

Abb. 1: Die "Homentaschn" begeisterten mit viel Herzblut und musikalischen Glanzlichtern ihr zahlreiches Publikum in der stimmungsvollen Martinskirche. 

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