Virtueller Lauffener Bote

Archiv: Aktuelle Nachrichten

Dieser Artikel befindet sich im Archiv!

Aktuelle Nachrichten | Keßler, Bettina | 08.05.2018 – 05.06.2018

Klanggemälde mit hypnotischer Wirkung

Rastrelli Cello Quartett begeistert „From Brahms to Beatles“ in der Alten Kelter

Logo bühne frei 2016

 

Rastrelli Cello Quartett: "From Brahms to Beatles" (Foto: Leonore Welzin)

 

„Bühne frei!“ heißt es wieder für das Rastrelli Cello Quartett, das nach vierwöchiger Amerika-Tournee eine Punktlandung am Neckar macht. Mit Applaus von fast 200 Musikliebhabern in der Alten Kelter empfangen, wird es - bei seinem mittlerweile vierten Gastspiel in der Neckarstadt - am Ende des Konzerts noch enthusiastischer gefeiert.

 

Dazwischen liegen gut zwei Stunden eines Epoche übergreifenden, musikalischen Ausflugs „From Brahms to Beatles“ in denen Kira Kraftzoff, Mischa Degtjareff, Kirill Timofeev und Sergio Drabkin nicht nur den Wohlklang des Streichinstruments nuancenreich zelebrieren, sondern mit der Huldigung der berühmten Liverpooler Pilzköpfe auf die Ausstellung „Generation Beatles: Phänomen eines Jahrzehnts“ im Museum im Klosterhof einstimmen. 

 

Erfrischend lebendig ist der Auftakt mit der Tarantella op.33 von David Popper (1843-1913). Der Prager ist ein Cello-Virtuose seiner Epoche, der die Cello-Literatur durch eine Anzahl ansprechender Konzerte, Etüden und Salonstücke bereicherte. Ein  „gefeierter Popstar seiner Zeit“, wie Kira Kraftzoff ihn ankündigt, der unter anderem auch gemeinsam mit Johannes Brahms (1833-1897) musizierte. Sechs von Béla Bartóks (1881-1945) Rumänischen Tänzen steigern die beschwingte Stimmung, bevor das Quartett einen Abstecher nach Norwegen zu Edvard Grieg (1843-1907) macht: „Solveigs Lied“ und „In der Halle des Bergkönigs“.

 

Die Vertonung des dramatischen Gedichts von Henryk Ibsen erfährt in der Interpretation durch vier Celli eine komplett neue Qualität. Geheimnisvoll irrlichtert die Singstimme von Instrument zu Instrument, während die anderen drei Celli aus der originalen Orchesterpartie einen hauchfeinen Klangschleier weben. Zart kristallisieren sich nach und nach Geister aus dem Dunkel der Höhle und kommen mit jeder Wiederholung näher, schließlich scheinen sie das Publikum zu überrennen. Riesenapplaus für ein außergewöhnliches Klanggemälde mit hypnotischer Wirkung des vermeintlich abgedroschenen Evergreens.

 

Den titelgebenden Komponisten Brahms würdigen die vier Cellisten mit einer Bearbeitung der „Ungarischen Tänze“. Zum Dave Brubeck-Renner „Take Five“, den die Rastrellianer schon länger im festen Repertoire haben, stellt Kraftzoff seine drei Kollegen nach Jazz-Gepflogenheit vor. Die revanchieren sich jeweils mit einem improvisier­ten Solo, das die unterschiedlichen Temperamente aufblitzen lässt und Appetit auf mehr macht.

 

Für den zweiten Teil des Programms haben die Musiker Jackett gegen Sakko und Fliege gegen Krawatten getauscht, um ihrem Idol, den Beatles, optisch näher zu kommen. Vor der Huldigung der Pilzköpfe und ihrer „Musik, die Menschen der ganzen Welt verbindet“, so das Credo des Moderators, noch eine Verbeugung vor Peter Tschaikowski (1840-1893) mit seinem „Opus 42, Nr. 3“ und Carl Davidoff (1838-1889) mit dem quirligen Stück „Am Springbrunnen“ – zwei Komponisten aus der russischen Heimat. Die Cellisten stammen aus Sankt Petersburg bis auf Drabkin, der aus Minsk kommt­.

 

Ihm, dem versierter Techniker, subtilen De- und Re-Konstrukteur sind fast alle Arrangements zu verdanken. Auch die atemberaubenden Beatles-Adaptionen, in denen zu "Hey Jude" am Ende alle gemeinsam schwelgen. „Nur wer selbst musiziert, weiß das zu schätzen!“,  lobt die 86-jährige Musikliebhaberin Nähring aus Heilbronn, die selbst Cello, Orgel und Schlagzeug gespielt hat und gesteht: „Im nächsten Leben würde ich dazu gerne noch Saxophon spielen“.

 

Text und Foto: Leonore Welzin

 

Bildunterschrift:

Abb. 1: Entzückten das Publikum mit Ihrem virtuosen und hingebungsvollen Spiel: Kira Kraftzoff, Mischa Degtjareff, Kirill Timofeev und Sergio Drabkin (v.l.n.r.)

teilen