Virtueller Lauffener Bote

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Aktuelle Nachrichten | Kast, Ingrid | 07.06.2018

Einmal im James-Bond-Film spielen, das wäre toll

Der Lauffener Ivan Jurcevic ist ein echtes Multitalent – Vom Kickboxer zum Musicaldarsteller

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Zwölf Lauffener

Im Jahr 2018 stellt der Lauffener Bote jeden Monat jeweils einen bzw. mehrere Menschen aus Lauffen a.N. mit ihren besonders interessanten Hobbies, Berufen oder Hintergründen vor. Ulrike Kieser-Hess führt hierzu zwölf Interviews. Lesen Sie in diesem Boten das sechste Portrait:

 

Eine Sportlerehrung ohne Ivan Jurcevic und seine Goldmedaille, das konnte man sich in Lauffen viele Jahre überhaupt nicht vorstellen. Ein Leben ohne Volldampf, das kann sich der ehemalige Kickboxer, der jetzt Schauspieler, Musicaldarsteller und Chef einer Sicherheitsagentur ist, wohl kaum vorstellen. Seine Jobs bringen ihm ein globales Arbeitsfeld, aber in Lauffen ist er immer wieder gerne, „tausendmal lieber als in einer Großstadt wie Köln“. Dort hat er auch einen Wohnsitz, aber mehr als am Rhein fühlt er sich am Neckar zu Hause, „hier sind die Menschen total freundlich, grüßen und würdigen die Leistung anderer“.

 Jurcevic

Mit sechs Monaten kam Ivan Jurcevic nach Lauffen, geboren ist er 1971 in Kroatien. Was ihn als Schüler des Hölderlin-Gymnasiums ärgerte, nämlich, dass er ein eher schwächlicher dünner „Spargeltarzan“ war, motivierte ihn, mit 12 Jahren, sich dem Sport zuzuwenden und bald dem Kickboxen. „Ich bin viermal in der Woche mit dem Rad nach Heilbronn zum Training gefahren, mein Ehrgeiz war geweckt.“ Mit Nebenjobs hat er sein Training finanziert, der Erfolg gab ihm Recht, seine Meisterbilanz: Deutscher Meister (7 Titel), Europameister (3 Titel) und Weltmeister (5 Titel). Und aus dem eher schlaksigen Schüler wurde ein kraftstrotzender muskelbepackter Zwei-Meter-Mann. In der Alten Ziegelei hat er seine erste Kickboxing Schule eröffnet, weitere in der ganzen Republik folgten.

 Jurcevic Kickboxen

Doch es gab beim kleinen Lauffener noch eine zweite Leidenschaft, das Theaterspielen. Auf einer verlassenen Bühne eines Gasthauses, das seine Eltern eine Zeit lang gemeinsam mit einem Onkel in Bergisch Gladbach betrieben, infizierte er sich mit diesem Virus. Der Blick in den Zuschauerraum, der Duft im Raum von alten Kostümen, Staub und verflossener Schminke hat ihn bezaubert und für sein nicht anwesendes Publikum verwandelte er sich in einen Ritter, einen Abenteuer. „Die Zeit der großen Abenteurer und Entdecker, das wäre sicher meine Zeit gewesen“, resümiert Ivan Jurcevic, aber gleich lächelt er, „eigentlich war mein Leben bisher auch schon ganz schön abenteuerlich“. Die Liebe zur Schauspielerei ist geblieben und sein Talent wurde für Film und Fernsehen entdeckt, allerdings „pflastern da aufwendige und harte Castings den Weg“. Nach oder mit dem Sport kam eine Schauspielausbildung, kamen Auftritte in zahlreichen Talk-Shows als Sportexperte, kam die Ausbildung zum Fitnesstrainer, und die Ausbildung zum Personenschützer in den USA.

Daraus entwickelte sich Ivan Jurcevics drittes Stadtbein: Die Sicherheitsfirma, spezialisiert auf Personen und Objektschutz. Wolfgang Joop und Thomas Gottschalk gehören zu seinen Kunden. Der große Mann lacht, „das ist eine coole Sache, die Promis sind eigentlich alle ganz nett und ganz normal“.

 

Acht Shows in der Woche, das steht zurzeit auf der To-do-Liste von Ivan Jurcevic. Seit September 2017  spielt er nämlich auf der Stuttgarter Musical-Bühne den Tony in „Bodyguard“ und resümiert: „Das Musical-Geschäft ist echt knallhartes Business“. Da seine Liebe eindeutig beim Film liegt, weiß er, „das war mein erstes und letztes Musicalengagement“.

Jurcevic

 

Da steckt er seine Zeit lieber in eigene Filmproduktionen wie den Kurzfilm „Der Zeichner“ oder spielt mit, zum Beispiel in „Herrliche Zeiten“ mit Katja Riemann, ergänzt das Team von „Verbotene Liebe“.  2016 wurde er zum besten Schauspieler Kroatiens gewählt.

Wovon träumt er? Von einer kleinen Auszeit zum Nachdenken, vielleicht in einem alten Steinhaus am Meer, zusammen mit seiner Frau, von einer Rolle in einem James Bond Film mit Daniel Craig, mehr Zeit zu haben sich sozial zu engagieren und so zu leben, „dass ich etwas hinterlasse“.

 

Text und Foto (1): Ulrike Kieser-Hess

Foto (2) : privat

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