Virtueller Lauffener Bote

Archiv: Aktuelle Nachrichten

Dieser Artikel befindet sich im Archiv!

Aktuelle Nachrichten | Kast, Ingrid | 06.08.2018 – 06.12.2018

12 Lauffener: Die rote Karte musste er nur einmal ziehen

Ralf Schneider ist einer der qualifiziertesten Kampfrichter des Deutschen Ringerbundes und damit fit für die Olympischen Spiele

Logo 12 LauffenerZwölf Lauffener

Im Jahr 2018 stelle der Lauffener Bote jeden Monat jeweils einen bzw. mehrere Menschen aus Lauffen a.N. mit ihren besonders interessanten Hobbies, Berufen oder Hintergründen vor. Ulrike Kieser-Hess führt hierzu zwölf Interviews. Lesen sie in diesem Boten das achte Porträt:

 

1896 wurde in Athen die erste olympische Goldmedaille im Ringen verliehen. Ein Ringer aus Deutschland hat es damals geschafft, ganz oben auf dem Treppchen zu stehen: Carl Schuhmann. Ganz oben aufs Ringer-Kampfrichter-Treppchen hat es 120 Jahre später ein Lauffener geschafft: Ralf Schneider. Seit 2016 ist er auf der obersten Kampfrichter-Qualifikationsstufe angekommen und darf damit bei Weltmeisterschaften und Olympischen Spielen pfeifen.

 

Ralf Schneider 12 Lauffener

 

Papa Bernd und Onkel Hermann, beide aktive Ringer in der Oberliga,  waren für den kleinen Jungen aus der Neckarstraße die ersten Ringer-Idole. Mit sechs Jahren ging es dann auch für ihn zweimal in der Woche zum Training auf die Matte in die TVL-Halle, „gut, dass wir so quasi ums Eck gewohnt haben, da war der Weg zum Sport nicht weit“. Die auch heute noch gute Jugendarbeit des Kraftsportvereins Lauffen, kam Ralf Schneider damals zu Gute und „natürlich auch die Förderung durch meine Eltern“.

 

Dass er immer zu den Kleineren in der Klasse gehört hat, war für ihn Ansporn für den Kampf-und Kraftsport, der den ganzen Körpereinsatz fordert, „vor uns Ringern hatte man schon Respekt, wir konnten uns auch auf dem Schulhof behaupten“. Und was die kleinen und großen Ringer alles trainieren müssen weiß Ralf Schneider: Beweglichkeit des gesamten Körpers, Fitness, Koordination, Ausdauer, Technik und Taktik, „Ringen ist echt vielfältig und schafft Selbstvertrauen“. Talent und Fleiß braucht es natürlich auch, und der junge Ralf Schneider hatte wohl genug davon, denn schon nach zwei Jahren gab es bei den Bezirksmeisterschaften die ersten Medaillen. Diese Erfolge und der Zusammenhalt in den Jugendmannschaften, der auch im Freizeitbereich gepflegt wurde, gehören zu Ralf Schneiders Erinnerungen an seine Ringer-Jugendjahre, „das war klasse und weckte natürlich auch den Ehrgeiz“. Bis zu seinem Ende als aktiver Ringer ist die Trophäensammlung auf über 40 Medaillen und Urkunden angewachsen.

 

Schon mit 16 Jahren zeigte sich bei ihm die Tendenz Richtung Laufbahn als Kampfrichter. Lehrgänge wurden absolviert und mit 18 Jahren hatte er die erste Kampfrichter-Lizenz des Württembergischen Ringerverbandes in der Sporttasche. Mit 22 hat sich Ralf Schneider aus dem aktiven Ringen verabschiedet und sich ganz für die Kampfrichterkarriere entschieden. Lehrgang auf Lehrgang, Prüfung auf Prüfung national und international folgte, heute gehört er zu den drei Kampfrichtern des Deutschen Ringerbundes, welche die höchste Qualifikation (Kategorie 1S) erreicht haben und er kann, wenn er berufen wird, was er natürlich hofft, im Jahr 2020 bei den olympischen Spielen in Tokio pfeifen. 45 Kampfrichter aus der ganzen Welt werden dafür nominiert. „Als Kampfrichter muss man einen Kampf so quasi lesen können“. Und man muss sich verständlich machen können, Englisch und teilweise Französisch sind da Pflicht. Ringen ist für ihn eine absolut faire Sportart. In seiner ganzen bisherigen Laufbahn musste der heute 49Jährige nur einmal die rote Karte ziehen.

 

Ralf Schneider - Weltmeisterschaft Paris

Rund um den Erdball führen ihn seine Einsätze, in Länder Brasilien, USA, Kanada, Azerbaijan oder Russland, bzw. Städte wie Tiflis, Baku, Salvador de Bahia oder Colorado Springs, „man lernt Länder und Städte kennen, wo man sonst wahrscheinlich nie hinkommt.“

Die Weltmeisterschaften 2017 in Paris waren für den Schiri aus Lauffen, der 16 Jahre lang auch der Vorsitzendes des KSV Lauffen mit seinen rund 70 Mitgliedern war, bisher der Höhepunkt. Sorgen macht er sich ein bisschen um den Nachwuchs, dabei macht dieser Sport, der so viele Facetten hat, „doch richtig Spaß, hält fit, fördert die Kameradschaft und bringt Kraft und Ausdauer“.

 

Text und Foto: Ulrike Kieser-Hess

Foto (1)  Marion Stein

 

 

 

teilen