Virtueller Lauffener Bote

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Aktuelle Nachrichten | Kast, Ingrid | 08.10.2018 – 30.11.2018

12 Lauffener: Ein Haus mit 33 Zimmern wäre toll

Annette Deutschmann ist eine leidenschaftliche Sammlerin, schwärmt für Naturwissenschaften und arbeitet als Bühnenmalerin in Stuttgart

Logo 12 Lauffener

 

 

Zwölf Lauffener

Im Jahr 2018 stellt der Lauffener Bote jeden Monat jeweils einen bzw. mehrere Menschen aus Lauffen a.N. mit ihren besonders interessanten Hobbies, Berufen oder Hintergründen vor. Ulrike Kieser-Hess führt hierzu zwölf Interviews. Lesen Sie in diesem Boten das zehnte Porträt:

 

 

 

Ein Haus mit 33 Zimmern zu haben, das ist ein Traum für die Lauffenerin Annette Deutschmann. Doch nicht für ihren eigenen Komfort möchte sie die Zimmerflucht, sondern für ihre Sammlung, die mittlerweile rund 10.000 Exemplare umfasst und im Wohnhaus Deutschmann/Storck kaum mehr Platz findet.

 

Annette Deutschmann 12 Lauffener

 

„Sammler sind glückliche Menschen“ wusste schon Geheimrat Goethe und wenn man mit Annette Deutschmann durch ihr Haus geht, sieht, wie sie mit ganz viel Strahlen in den Augen, Zuneigung im Blick und unermüdlich im Erzählen ihre kleinen und großen Schätze zeigt, dann ist sie die Personifizierung dieses Zitates.

 

 

Kinderzimmer Annette Deutschmann 12 Lauffener

Schon als Kind hat die in Schwaigern Geborene die Sammelleidenschaft gepackt. Damals allerdings noch hauptsächlich aushausig, „die Natur, unser Garten, war mein Terrain, meine heimliche Leidenschaft und da habe ich alles gesammelt, was ich finden konnte, von Insekten bis zu Blättern, von Molchen bis zu Salamandern. Die Vielfalt hat mich fasziniert. Die Liebe zur Naturwissenschaft ist bis heute geblieben“. Mit Puppen spielen war nicht ihr Ding, Handarbeiten hat sie gehasst. Das hat sich gründlich gewandelt. Heute hat Annette Deutschmann eine riesige Sammlung von Puppenstuben und ist permanent auch mit Handarbeiten beschäftigt, gerade entstehen, in kleine Schachteln gepackt, Miniaturen, die Geschichten erzählen und selbst gestaltetes Geschenkpapier.  Davor fertigte sie Schmuck aus Naturmaterialien, hat sie Porzellan bemalt. „Ich hätte noch tausend Ideen, was man machen könnte, aber leider hat der Tag zu wenig Stunden“. Die schöne Tradition Briefe zu schreiben lässt sie gerade mit einer Freundin wieder aufleben.

 

 

Nach dem Abitur hat Annette Deutschmann Bühnenmalerin gelernt. Seit 30 Jahren arbeitet sie am Staatstheater in Stuttgart. Im größten Theatermalsaal Europas ist ihr Arbeitsplatz und wie beim Sammeln fasziniert sie auch bei ihrem Beruf die Vielfalt. „Wir müssen sämtlich Malstile beherrschen, lernen mit den unterschiedlichsten Menschen zu arbeiten, ihre Ideen umzusetzen und das auf Flächen bis zu 200 Quadratmetern“.

Sammeln steht auf Annette Deutschmanns Prioritätenliste natürlich ganz oben. Und man hat in ihrem Haus den Eindruck, dass es nichts gibt, was man nicht in irgendeinem Eckchen findet. Das sitzt eine afrikanische Nagel-Fetisch-Figur auf einem Schrank, auf dem Sofa lümmelt ein Stoff-Pinocchio , elegant gekleidete Schaufensterpuppen schauen auf Schränke voller Blumen-Porzellan, Maritimes baumelt an der Wand, morbide Radierungen schmücken das Treppenhaus, in dem ein alter Flohzirkus auf Besucher wartet.

„In einem leeren Haus würde ich eingehen“ gesteht die Sammlerin lächelnd und eilt weiter von den Sake-Tässchen, die beim Trinken Vogelstimmen abgeben, von Teppichen und Stoffen zur Sammlung religiöser Darstellungen, von Jagdtrophäen über Keramikvasen, von Instrumenten über Glas-Karaffen bis zur Kalligrafie und Tabakwaren: „Jedes Stück hat eine eigene Geschichte“. Auch das Bett im Gästezimmer, schlief darin doch einst die letzte österreichischen Kaiserin Zita im Exil.

Von ihren Reisen hat Annette Deutschmann Kurioses, Seltenes und Kostbares mitgebracht, aber auch Flohmärkte und das Lauffener Montagslädle sind ihr Sammelrevier.  Ein unerschöpfliches Reservoir bieten ihr Zeitungen, „ich sammle Artikel fast zu jedem Thema. Es gibt einfach so viel, das mich interessiert“.  Beim Rundgang im Deutschmannschen Haus versteht man immer mehr: Das mit den 33 Zimmern wäre wirklich notwendig und Annette Deutschmann hätte Material genug, sie alle toll zu gestalten.

                   

 

Text und Foto (1) Ulrike Kieser-Hess

Foto (1) privat

 

 

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