Virtueller Lauffener Bote

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Aktuelle Nachrichten | Kast, Ingrid | 05.11.2018

12 Lauffener: Ein Lauffener, der beim Einparken hilft

Anton Lill - geistiger Vater des Parkhilfe-Sensors nach dem Ultraschall-Prinzip

Logo 12 LauffenerZwölf Lauffener

 

Im Jahr 2018 stellt der Lauffener Bote jeden Monat jeweils einen bzw. mehrere Menschen aus Lauffen a.N. mit ihren besonders interessanten Hobbies, Berufen oder Hintergründen vor. Ulrike Kieser-Hess führt hierzu zwölf Interviews. Lesen Sie in diesem Boten das elfte Porträt:

 

 

 

Anton Lill gilt als geistiger Vater des Parkhilfe-Sensors nach dem Ultraschall-Prinzip, wie er heute für die Einparkhilfe in fast allen PKWs eingebaut ist.  Wer hat schon einen goldenen Sicherheitsgurt? Der Lauffener Anton Lill zum Beispiel. Er wurde ihm symbolisch vom Motor Presse Club e.V. in diesem Jahr verliehen. Er bekam die Auszeichnung für seine Erfindung des Ultraschallwandlers für Parkhilfe-Systeme. Eine Erfindung, die heute kaum ein Autofahrer mehr missen möchte: Das akustische und/oder optische „Achtung“, wenn beim Parken oder Rückwärtsfahren ein Hindernis auftaucht.

 

12 Lauffener: Anton Lill

 

Viel Blech wurde durch Anton Lill geschont, viele Menschen leben sicherer und viele trauen sich auch in kleine Lücken einzuparken. Ihm hat die Entwicklung neben ordentlich Kopfzerbrechen auch viel Freude gebracht. Seit 2015 ist der Lauffener im Ruhestand, früher war er Design Engineer beim Bietigheimer Autozulieferer „Valeo“, dem Nachfolgebetrieb von SWF. Er war Kopf eines Teams, das sich, auf Anfrage von BMW, die damit eines ihrer Nobelautos ausstatten wollten, mit eben dieser Einparkhilfe beschäftigt hat. Anfang der 80er Jahre war das, 1991 ging das erste Auto, der 7er BMW, mit Parksensoren an den Start.

Das Tüfteln hat Anton Lill schon früh gepackt. Opa und Vater waren Zimmermänner, das Handwerk hatte also in der Familie Tradition und „mit meinem Opa habe ich viel gebastelt, gesägt, geschraubt“. Aber auch rund ums Elternhaus unterhalb der Sandgrube gab es für Anton und die Nachbarsjungen, „wir waren immer so sechs Kerle“, viel zu spielen, zu entdecken, zu gestalten, auszuprobieren. Aus alten Brettern entstanden Hüttle, die Umgebung „war unser Revier, wir hatten die totale Freiheit“.

 

Nach der Schulzeit, „Mathe, Physik und Chemie, das hat mich wirklich interessiert“ lernte Anton Lill Radio- und Fernsehtechniker.Kataloge eines Anbieters von Bausätzen für Kommunikationsgeräte hatten ihn auf die Idee gebracht, „da waren immer Schaltpläne dabei und bald kannte ich die auswendig“. Sich in Schaltungen „reindenken“, sich überlegen, was hat sich der Konstrukteur dabei gedacht, war für ihn eine „super gute Schulung“.

An der Fachhochschule in Esslingen hat Anton Lill dann Elektrische Informatik studiert, seine Fachrichtung: Die Digitaltechnik. „Die ersten Mikroprozessoren fand ich super interessant“.

Testprogramme für integrierte Halbleiterschaltungen bei Telefunken zu entwickeln war einer der nächsten Schritte. Ab 1979 entwickelte er Elektronik für Kraftfahrzeuge bei der SWF in Bietigheim.

 

Irgendwann war die „Zeit reif für was Neues“ und da kam die BMW-Anfrage gerade recht. Die Autos wurden vorne immer tiefer, das Heck wurde höher gezogen, alles wurde für den Fahrer unübersichtlicher.  Zeit war es also für die Einparkhilfe, für einen Schritt in Richtung intelligentes Fahren. Drei Optionen gab es für die Tüftler in Bietigheim, Radar, Infrarot oder Ultraschall. Schnell war klar, Kosten- und Gerätegröße sprachen gegen Radar und Infrarot . Also versuchte man es mal mit der Ultraschall-Technik, die ja schließlich auch die Fledermäuse perfektioniert haben.

 

Bisher hatte man als Einparkhilfe nur automatisch ausfahrende Peilstäbe, jetzt machten sich Anton Lill und sein Team daran, das Einparken und Ausparken mit einem „aktiven System“ leichter zu machen, ein System, das auf Echolot-Prinzip beruht und heute in fast allen Autos serienmäßig eingebaut ist und auf das der Fahrer tunlichst hören sollte.

50 Millionen solcher Sensoren verlassen heute jährlich die Fertigung von Valeo im bayerischen Wemding. „Diese Fertigung damals aufzubauen hat viel Zeit und Energie gekostet“ erinnert sich der Lauffener Ingenieur. „An der Entwicklung und Fertigung hat ein ganzer Stab von Fachleuten der verschiedenen Fachrichtungen gearbeitet“.

Parken geht also seither leichter, wenn man denn einen Parkplatz findet. „Was wirklich fehlt“ kommentiert Anton Lill lachend, „ist ein Auto, das seinen aufklappbaren Parkplatz gleich mitbringt“.

 

An dieser Entwicklung ist der Lauffener, dem es im Ruhestand nie langweilig wird, „ich habe in Haus und Garten immer was zu tun“, nicht mehr beteiligt, aber wenn es was zu reparieren gibt, fragt man ihn gerne um Rat und er selbst hat sich seine Neugierde bewahrt, „dahinter zu kommen, wie etwas funktioniert oder nicht“. Wie zum Beispiel die LED Leuchte überm Esstisch, die immer geflackert hat.

 

 Text und Foto: Ulrike Kieser-Hess

 

 

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