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Aktuelle Nachrichten | Keßler, Bettina | 13.11.2018

Frieden bekommt man nicht umsonst

Delegation der Stadt Lauffen a.N. und der Gospelchor JUST4YOU besuchten die Gedenkfeierlichkeiten zum Ende des Ersten Weltkriegs in La Ferté-Bernard

Kranzniederlegung am Gefallenendenkmal in La Ferté-Bernard (Foto: Georg Link, 11.11.2018)

 

11. November 2018 – 100 Jahre nach dem Ersten Weltkrieg

Ein großes Spalier winkender Menschen verabschiedet nach den Feierlichkeiten zum 100. Jubiläum des Endes des Ersten Weltkriegs in Frankreich einen Reisebus mit ebenfalls lächelnden und winkenden Menschen – ein Zeichen von Freundschaft, Verbundenheit, Wertschätzung. Im Bus sitzen rund 30 Sängerinnen und Sänger des Lauffener Gospelchors JUST4YOU sowie interessierte Lauffenerinnen und Lauffener. Gerade haben sie mit alten und neuen Freunden aus der Partnerstadt gemeinsam und in Freundschaft der zahllosen Opfer des Ersten Weltkriegs gedacht und ein Zeichen für Frieden und Versöhnung in Europa gesetzt.

 

11. November 1918 – Waffenstillstand nach 4 Jahren Krieg

Von 1914 bis 1918 haben vier Jahre Krieg Europa zutiefst erschüttert und auf allen Seiten Millionen von Menschenleben gekostet. Der Krieg, den junge Männer 1914 noch jubelnd begrüßt hatten, zeigt seine schreckliche Fratze: Nach anfänglichen Erfolgen mal auf der einen, mal auf der anderen Seite frisst sich der Krieg in den stinkenden Schützengräben von Verdun fest. Hier wird gewartet, gelitten, gewartet, verstümmelt, gewartet und gestorben. Das Leben der Soldaten unter permanentem Bombendonner, Dreck, Krankheit, Läusen, Krätze und in ständiger Todesangst können wir uns heute nicht mal mehr ansatzweise vorstellen. 1918 gehen mit der Unterzeichnung des Waffenstillstands von Compiègne vier Jahre unsäglichen Leids und Schreckens schließlich zu Ende. Die Überlebenden, verstümmelt an Leib und Seele, kehren heim in ihre vom Krieg gebeutelten, traumatisierten Heimatländer, in denen nichts mehr so ist, wie es vorher war.

 

2018: Ein Gospelkonzert für den Frieden

 

"Give peace a chance"-Konzert von JUST4YOU in LFB (Foto: Keßler, 10.11.2018)

 

Der Lauffener Gospelchor JUST4YOU unter der Leitung des evangelischen Kantors Andreas Willberg hatte sich für dieses besondere Gedenkjahr ein Friedensprogramm unter dem Titel „Give peace a chance“ erarbeitet. Präsentiert wurde dies zuerst im Juli in Lauffen a.N. im Rahmen des städtischen Kulturprogramms „bühne frei…“, wozu auch eine große Delegation aus La Ferté-Bernard eingeladen worden war. Nun sollte das gleiche Programm nochmals als Geschenk der Stadt Lauffen an die Einwohner von La Ferté-Bernard mit der völkerverbindenden Kraft der Musik die beiden Städte in ihrer Freundschaft bereichern und bestärken. Rund 250 Besucherinnen und Besuchers des Salle Athéna erlebten so auch am Samstag, 10.11.,  ein bewegendes Konzert auf eindrucksvollem musikalischen Niveau. Während der Chor besonders mit mitreißender Sangesfreude überzeugte, brillierte die Jazz-Band um Sängerin Franziska Schuster mit musikalischer Virtuosität und eindrucksvoller Stimmgewalt. Ein beeindruckendes musikalisches Plädoyer für den Frieden, dessen Botschaft in den Herzen der Zuhörer ankam.

 

Besuch aus der englischen und deutschen Partnerstadt

 

Gedenkfeierlichkeiten 100 Jahre Ende Erster Weltkrieg (Foto: Hartmut Wilhelm, 10.11.2018)

 

Das Friedenskonzert war jedoch nur ein Bestandteil der umfangreichen Gedenkfeierlichkeiten, die die Stadt La Ferté-Bernard und die ganze französische Republik mit Gästen aus aller Welt organisiert hatte. In La Ferté-Bernard war unter anderem zu diesen Feierlichkeiten auch eine Delegation aus der englischen Partnerstadt La Ferté-Bernards, aus Louth, angereist. Aus Lauffen nahm neben den Chormitgliedern, Vertretern des Partnerschaftskomitees und der Stadtverwaltung mit Bürgermeister Klaus-Peter Waldenberger zudem auch noch eine Delegation der Lauffener Feuerwehr mit Feuerwehrkommandant Heiner Schiefer und Ehrenkommandant Rolf Friederich ab Freitagabend an den offiziellen Feierlichkeiten teil. Alle Gäste aus Deutschland und England wurden am Freitagabend durch die Stadtverwaltung von La Ferté-Bernard mit Bürgermeister Didier Reveau und durch das Partnerschaftskomitee mit der ersten Vorsitzenden Françoise Pellodi, der zweiten Vorsitzenden Ursula Chevllier und der Schatzmeisterin Jocelyne Duneau im Rahmen eines geselligen Abendessens herzlich zu den Gedenkfeierlichkeiten willkommen geheißen.

 

Kennenlernen der Stadt La Ferté-Bernard und der Region Sarthe

Der Chor aus Lauffen war bereits am Donnerstag angereist, um sich in Ruhe auf das Konzert am Samstagabend vorbereiten zu können. Der Empfang durch das französische Partnerschaftskomitee war wie immer sehr herzlich: Mit einer deutschsprachigen Stadtführung durch La Ferté und einem Besuch in Le Mans mit seiner faszinierenden Altstadt und der eindrucksvollen mittelalterlichen Kathedrale lernten die Chormitglieder die französische Kultur und Landschaft von ihrer besten Seite kennen.

 

Eröffnung der Ausstellung „Wir bauen unser Museum“

 

Austellungseröffnung zu 100 Jahren Ende Erster Weltkrieg (Foto: Bettina Keßler, 10.11.2018)

 

Zu den offiziellen Gedenkfeierlichkeiten gehörte auch die Eröffnung einer Ausstellung zum Ersten Weltkrieg in La Ferté-Bernard, zu der neben den Schulen in La Ferté-Bernard auch Schülerinnen und Schüler des Lauffener Gymnasiums und der Realschule Arbeiten beigetragen hatten. Während sich diese Arbeiten mit den Wirkungen und Lehren des Ersten Weltkriegs heute beschäftigten, waren in der Ausstellung auch zahlreiche Zeitzeugnisse aus den Kriegsjahren zu sehen: Uniformen, Waffen, Ausrüstungsgegenstände. Die Ausstellung wurde von den drei Bürgermeistern aus La Ferté-Bernard und Lauffen a.N. sowie dem stellvertreten Bürgermeister von Louth gemeinsam feierlich eröffnet.

 

Reden der Gastbürgermeister

Im Laufe des anschließenden Festakts, der wegen des großen Interesses der Bevölkerung von der Ausstellung in den Salle Athéna verlegt worden war, bildeten die Reden der Gastbürgermeister einen Hauptbestandteil. Lauffens Bürgermeister Klaus-Peter Waldenberger erinnerte in seiner Rede an den gemeinsamen Besuch von Bürgern aus Lauffen und La Ferté-Bernard in der Friedensstadt Verdun im April 2017. Gemeinsam standen sie vor Tausenden namenlosen weißen Kreuzen gefallener Soldaten, gemeinsam lasen sie die Namenstafeln und Lebensdaten der gerade einmal 17-, 18- oder 19-jährigen Opfer des Krieges – eine maß- und sinnlose Verschwendung menschlichen Lebens, ein gewaltiges Verbrechen an der Jugend eines Landes.

 

Und so schlug Waldenberger vor, dass ein Besuch der Orte der Zerstörung und des sinnlosen Sterbens von Verdun ein Pflichtbestandteil in der Erziehung unserer Kinder werden sollte. Ein Besuch, der ihnen deutlich macht, was die Alternative zu einem versöhnlichen, friedlichen Europa wäre. Europa ist nicht perfekt, die Demokratie ist nicht perfekt, es gibt Meinungsverschiedenheiten und manchmal auch schlechte Kompromisse. Aber, so Klaus-Peter Waldenberger, Europa war und ist ein Friedensgarant und – das muss uns allen klar sein – Frieden bekommt man nicht umsonst. Er kostet im Falle der EU Geld, Nerven und staatliche Souveränität. Aber er ist seinen Preis wert.

 

Und so rief Waldenberger abschließend dazu auf, nicht nur dem Frieden eine Chance zu geben, sondern auch übertriebenem Nationalismus, der extremen Rechten und der Unmenschlichkeit eine ganz klare Absage zu erteilen. (Die komplette Rede kann unter www.lauffen.de > Rathaus > Der Bürgermeister > Reden nachgelesen werden.)

 

11.11.2018 – Kranzniederlegung und Festrede des Staatspräsidenten

Sonntag, der 11. November, gehörte dann ganz dem traditionellen Gedenken an die gefallenen Soldaten. In einem gemeinsamen Festgottesdienst in der katholischen Kirche La Ferté-Bernards wurde an das große Leid der Soldaten und ihrer Angehörigen erinnert, aber auch ein ganz klares Zeichen gesetzt für Versöhnung, Frieden und Völkerfreundschaft. Im Anschluss an den Gottesdienst erfolgte die feierliche Niederlegung der Kränze am Denkmal für die gefallenen Soldaten von La Ferté-Bernard, an der Bürgermeister Waldenberger als Vertreter von Stadtverwaltung und Partnerschaftskomitee Lauffen a.N. und Kommandant Heiner Schiefer für die Lauffener Feuerwehr teilnahmen. Im Anschluss daran verlas Didier Reveau, Bürgermeister von La Ferté-Bernard, die Rede von Staatspräsident Emanuel Macron, der die Menschen ebenfalls zu Frieden und Versöhnung in einem geeinten und starken Europa aufrief.

 

Text: Bettina Keßler

  

Bildunterschriften:

Abb. 1: Als Vertreter der Stadt Lauffen a.N. legte Bürgermeister Klaus-Peter Waldenberger (vorne links) zwei Blumengebinde am "Monument aux Morts" ab. (Foto: Georg Link)

Abb. 2: Das mitreißende Konzert des Lauffener Gospelchors JUST4YOU unter Leitung von Kantor Andreas Willberg erreichte mit seiner Friedensbotschaft die Herzen der Besucher. (Foto: Bettina Keßler)

Abb. 3: Als Symbol für die stetig wachsende Geschwisterlichkeit zwischen den Partnerstädten und den Europäischen Ländern pflanzten die drei Bürgermeister aus Frankreich, England und Deutschland gemeinsam einen Baum. (Foto: Hartmut Wilhelm)

Abb. 4: Gemeinsam eröffneten die drei Bürgermeister bzw. Bürgermeister-Stellvertreter aus Lauffen a.N., La Ferté-Bernard und Louth die Ausstellung, in der auch Arbeiten von Lauffener Schülerinnen und Schülern zu sehen sind. (Foto: Bettina Keßler)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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