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Aktuelle Nachrichten | Keßler, Bettina | 28.11.2018

Musikalische Glanzleistung mit solistischen Edelsteinen

Aufführung des Paulus-Oratoriums mit hochkarätigen Solisten, Chor und Orchester in der Stadthalle

Paulus-Oratorium (Foto: Bettina Keßler)

 

Das „Paulus-Oratorium“ von Felix Mendelssohn-Bartholdy (1809-1847) gehört zu den großen Werken der Musikgeschichte, geriet aber nach seiner Glanzzeit im 19. Jahrhundert in Vergessenheit. Erneut zum Leben erweckt wurde Wirken und Mission des Apostels Paulus durch das Lauffener Kulturprogramm „bühne frei“, in Kooperation mit der evangelischen Kirchengemeinde und der städtischen Musikschule. Die Lauffener Premiere der musikalisch anspruchsvollen und inhaltlich komplexen Auseinandersetzung zwischen weltlicher Finsternis und göttlichem Licht füllte die Stadthalle fast bis auf den letzten Platz. Das erstklassige Ensemble erfüllte die hoch angesetzten Erwartungen.

 

Harmonie

Kantor Andreas Willberg führt mit pointiertem Dirigat durch den liturgisch geprägten Ablauf. Der generationenverbindende Chor und das Orchester der Regiswindiskirche, mit begabtem Streichernachwuchs der Musikschule, begleiten die Handlung aus Bibelworten nach der Luther-Übersetzung im exzellenten Zusammenspiel. „Wachet auf, ruft uns die Stimme“ bildet als Meistersinger-Choral das Zentrum des zweiteiligen Oratoriums, dessen Spannungsbogen von der Verfolgung des Stephanus über die Wandlung des Saulus zum Paulus bis zu seinen Missionsreisen und dem Märtyrertod reicht.

 

Paulus-Oratorium (Foto: Astrid Link)

 

Brillanz

„Gott, sei mir gnädig nach deiner Güte“ intoniert der Saarbrücker Professor Frank Wörner (Bass), ausgebildeter Konzertsänger mit internationalen Engagements, der zum hervorragenden Solisten-Quartett gehört. „Lieber Bruder Saul, der Herr hat mich gesandt“, führt Christian Wilms (Tenor) das Geschehen voran. Der aus Waiblingen stammende, studierte Konzert- und Oratoriensänger, beeindruckt in Rezitativen und vereint sein Stimmpotenzial in variantenreichen Duetten mit seinem Kollegen Wörner. „Und alsbald fiel es wie Schuppen von seinen Augen und er ward wieder sehend“, greift der klare Sopran von Johanna Zimmer in die Handlung ein. Die erste Sopranistin der Neuen Vocalsolisten Stuttgart brilliert in Rezitativen und Arien.

 

Edelsteine

„Die wenigen Arien bilden Ruhepunkte und sind gewissermaßen die Edelsteine des herrlichen Werks“, formuliert Andreas Willberg in seiner Einführung zum Oratorium. Zu den Solisten gehört auch die Berliner Opernsängerin Natalie Jurk (Alt), die sich unter anderem beim klangstarken vierstimmigen Choral „Erleuchte, die da sind verblendet, bring her, die sich von uns getrennt“ facettenreich einbringt. In imposanter Vereinigung erklingen Chor und Orchester: „Die Götter sind den Menschen gleich geworden und sind zu uns hernieder gekommen.“

 

Paulus´ Entsetzen über seine und seines Gefährten Barnabas Verwechslung mit römischen Göttern nach einer Krankenheilung äußert sich eindeutig in einer Arie Frank Wörners. „Gott wohnet nicht in Tempeln, mit Menschenhänden gemacht.“ „Hier kommen sich die paulinische Lehre und Errungenschaften der Aufklärung, wie Menschenwürde und Gewaltverzicht, ganz nahe“, erläutert Andreas Willberg im Begleitheft. Zuletzt stirbt Paulus einen Märtyrertod, der mit ausgeprägter Melodik von Chor- und Solistenstimmen und instrumentaler Dramatik einen fulminanten Abschluss unter eine erstklassige Darbietung setzt. Der Schlusschor resümiert den Kern der Botschaft des Werks, dass nämlich neben Paulus alle die Gerechtigkeit Gottes erfahren sollen. Anhaltende, stehende Ovationen nach der über zweistündigen Glanzleistung der Mitwirkenden sprechen für sich.

 

Text: Astrid Link

 

Bildunterschriften:

Abb. 1: Chor und Orchester der Regiswindiskirche vereinen zahlreiche herausragende musikalische Talente aus Lauffen a.N.: Unter dem Dirigat von Andreas Willberg zeigten sie eine beeindruckende Gemeinschaftsleistung. (Foto: B. Keßler)

Abb. 2: Für Ruhepunkte und Glanzlichter im Musikfluss sorgten die herausragenden Solistinnen und Solisten, wie hier die Sopranistin Johanna Zimmer. (Foto: A. Link)

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