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Aktuelle Nachrichten | Keßler, Bettina | 04.02.2019 – 26.02.2019

Ingolf Lücks Abend mit Hölderlin

Das neue Programm von Ingolf Lück „Sehr erfreut!“ hat die Lauffener sehr gefreut

Ingolf Lück im Lauffener Museum im Klosterhof (Foto: Bettina Keßler)

 

„60 Jahre und kein bisschen weise“ sang dereinst Curd Jürgens. Comedian Ingolf Lück ist 60 Jahre und ziemlich weise, denn er weiß, wie man es macht, das Publikum zu begeistern. Das hat er mit seinem neuen Programm „Sehr erfreut“ im vollbesetzten Museum im Rahmen des städtischen Kulturprogramms „bühne frei“ bewiesen. Lück hat sein neues Programm, mit dem er seit Anfang des Jahres tourt, geschickt und charmant gemixt, hat wie ein guter Barkeeper aus vielen Zutaten ein wohlschmeckendes Ganzes geschüttelt oder gerührt, mal süss, mal eher herb, mal bitter, mal eher prickelnd. Er hat Alltägliches mit Politischem, Heiteres mit Nachdenklichem, Freches mit Witzigem kombiniert und seine Zuhörer waren sehr erfreut, auch über die vehemente Bühnenpräsenz des Kölners.

 

Eine der Mixtur-Zutaten war Ingolf Lücks Kindheit, aus der es so viel zu erzählen gab. Kleiner Ingolf, dickes Kind, hatte es nicht immer leicht, auch nicht mit lackierten Fingernägeln und dem Namen "Ingolfina" im Kindergarten. Pädagogisch wenig wertvolle in Bielefeld ausgeteilte Ratschläge haben ihn geprägt, ihn der heute „vintage“ ist, schon „Patina“ angesetzt hat und der jetzt liebevoll augenzwinkernd und schon fast parodistisch auf sein Leben zurückblickt.

 

Aber Lücks Programm ist keine nostalgische Nabelschau, sondern selbst Erlebtes gibt Anstoß, die Vorlage über das große Ganze nachzudenken. Die misslungene Fahrradprüfung eignet sich da ebenso wie „Bauer sucht Frau“, Veggie-Day und das Selfie vom Klo, Fitnesswahn und künstlich angeheizter Ausstattungskonsum, das eigene Versagen am Reck, der Drogenausflug nach Amsterdam und Veit, der erste Freund der Tochter.

 

Lück schaut ganz genau hin, kann es manchmal gar nicht fassen, was er da sieht in dieser unserer Welt, in der man vielleicht erst merkt, dass der Nachbar nicht mehr lebt, wenn „sich 46 Amazon Pakete vor der Tür stapeln“ und sicherlich schon bald „Luft in Dosen“ verkauft wird, light, zero oder bio „garantiert nur Landluft“.

 

Er plädiert für eine persönliche Suboptimierung, „dann verlangen die Leute auch weniger“. Manchmal weiß man nicht so ganz genau, wo der 60Jährige flunkert, manchmal ist es ein klein wenig eklig, was er erzählt. Manchmal hätte man gerne etwas mehr Politisches, etwas mehr Bissiges, denn er lässt immer wieder aufblitzen, dass er das kann, obwohl ihm im Elternhaus „wenig Talent für diesen Beruf“ bescheinigt wurde. Auch Eltern können sich täuschen.

 

Lück reiht Gedanken an Gedanken, springt nicht nur körperlich über die Bühne auch ohne Acro Yoga. Immer wieder scheint ihm Neues einzufallen, so nach dem Motto "was ich noch schnell sagen wollte" und das kommt an. Eindrucksvoll stellt er zudem auch noch seine Literaturaffinität unter Beweis, mit zahlreichen spontan eingestreuten Hölderlin-Zitaten anlässlich des besonderen Ortes. „Sehr erfreut“ hat die Zuhörer in Lauffen sehr gefreut.

 

Text: Ulrike Kieser-Hess

 

Bildunterschrift:

Abb. 1: Literaturkenner Lück spickte sein unterhaltsames Programm spontan mit zahlreichen Hölderlinzitaten. (Foto: Bettina Keßler)