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Aktuelle Nachrichten | Rutz, Gerald | 25.02.2019

lauffen will es wissen: Die Revolution der smarten Maschinen - überflügelt uns die künstliche Intelligenz?

Die erste Veranstaltung im Jahr 2019 aus der Reihe „lauffen will es wissen!“, in Zusammenarbeit mit Bild der Wissenschaft und freundlich unterstützt von Schunk Spann- und Greiftechnik.

Schunk Logo (Bild: Firma Schunk, 2017-10-04)

 

 

Logo Bild der Wissenschaft neu 2019

 

Mehr als dreihundert interessierte Besucher wollten am Dienstag den 19. Februar um 19.30 Uhr von Dr. Ulrich Eberl, Industriephysiker, Zukunftsforscher, Wissenschaftsjournalist und Buchautor, erfahren, ob wir Menschen in naher Zukunft durch smarte Maschinen und künstliche Intelligenzen überflügelt oder vielleicht ersetzt werden. Seinen eindrucksvollen Vortrag eröffnete Dr. Eberl mit seinem Hausroboter Nao Bluestar, der das Publikum begrüßen durfte und den Gästen zeigte, dass er auch Fußball spielen kann. Für sein Buch, auf das sein Vortrag zurückgeht, recherchierte Herr Dr. Eberl über mehrere Monate in Labors und Forschungseinrichtungen in Europa, Japan und den USA.

lauffen will es wissen 2019 Eberl mit Roboter

Nach der Begrüßung durch Bürgermeister Waldenberger und Wolfgang Hess, Redaktionsdirektor Sonderprojekte der Konradin Medien GmbH, startete Herr Dr. Eberl seinen Vortrag mit seinem Roboter Nao. Dieser durfte das Publikum begrüßen und seine Fußballkünste vorführen. Anschließend präsentierte Dr. Eberl den Anwesenden den aktuellen Stand der Robotik und der künstlichen Intelligenzforschung. Dabei zeigte er beispielsweise bei seiner Präsentation auch einen kurzen Ausschnitt aus Googles Entwicklerkonferenz I/O aus dem Mai 2018. Damals präsentierte der Suchmaschinenriese den Sprachassistenten Google Duplex, der selbstständig Termine vereinbaren kann. Das Spannende an dieser Entwicklung ist, dass das auf einer künstlichen Intelligenz basierende Assistenzprogramm eigenständig Termine, für einen vorgegebenen Zeitraum, vereinbaren kann und zwar in der Form eines Telefonats. Der Nutzer gibt nur noch die Uhrzeit und die Firma vor und das Assistenzprogramm telefoniert eigenständig und vereinbart Frisörtermine oder Reservierte einen Tisch in einem Restaurant. Dabei agiert die künstliche Intelligenz bei Telefongesprächen so geschickt, dass nicht einmal mehr der Angerufene weiß, dass er sich nicht mit einem echten Menschen unterhält.

lauffen will es wissen 2019 Eberl mit Roboter von Frau Keßler

Das Tempo, in dem die Entwicklung smarter Maschinen voranschreite, sei hoch. Bereits heute übertreffen smarte Maschinen den Menschen auf vielen Themenfeldern, so Dr. Eberl. Allen voran in der Mustererkennung und beim Korrelieren und Verarbeiten großer Datenmengen, sind smarte Maschinen und Programme den Menschen weit voraus. Dabei stehen wir erst am Anfang einer Entwicklung deren Ende noch nicht abzusehen ist. Laut Dr. Eberl löst dies Ängste aus, die sich in unterschiedlichen Studien zur Zukunft der Arbeit widerspiegeln. Nach seiner Einschätzung bedroht die zunehmende Digitalisierung und Automatisierung, sowie der zukünftig vermehrte Einsatz künstlicher Intelligenz in Wirtschaft und Verwaltung rund 12 Prozent der heutigen Arbeitsplätze. Vor allem Routinetätigkeiten in Büros oder Callcentern, die Jobs von Bankberatern und Versicherungsvertretern oder einfache technische Berufe, Lagerarbeiter und Logistiker, Bus und Taxifahrer sieht er als betroffen an. Aber Dr. Eberl gab sich auch erstaunlich optimistisch, denn er meinte weiter, dass diese Arbeitsplätze nicht einfach wegfallen, sondern durch andere ersetzt werden würden, z.B. durch Berufe wie: Lehrer für künstliche Intelligenzen.

 

Als Gefahr der zunehmend vernetzten Computerintelligenzen im Alltag, sieht er vor Allem die zunehmende Gefährdung der Privatsphäre durch lückenlose Überwachung, das Erstellen von Persönlichkeitsprofilen und das Regulieren menschlichen Handelns und Verhaltens durch Algorithmen und Computer – wie beim sogenannten und schon praktizierten Citizen Scoring in China. Am Ende seines Vortrags verwies Eberl aber auch auf die Grenzen der maschinellen Möglichkeiten: Maschinen sind nicht kreativ, sie können nichts vollkommen Neues schaffen; Maschinen fehlt der gesunde Menschenverstand, sie besitzen kein Implizites Wissen; Maschinen können Muster erkennen und Korrelationen errechnen, aber sie können ihrem Tun keine Bedeutung beimessen. Dr. Eberls Fazit war deshalb: vor den Maschinen brauchen wir keine Angst zu haben, aber wir alle müssen uns darauf einstellen, zukünftig Hand in Hand mit ihnen zusammenzuarbeiten, sei es in Fabriken, in Kliniken, in Büros, zu Hause oder unterwegs.

lauffen will es wissen 2019 Eberl und Diskutanten

An der anschließenden Diskussion, die von Herr Hess moderiert und auch für Fragen aus dem Publikum geöffnet wurde, nahmen neben Dr. Eberl, Prof. Dr. Ing. Markus Glück, Geschäftsführer Forschung und Entwicklung (Chief Innovation Officer, CINO) der SCHUNK GmbH & Co. KG Spanntechnik und Greifsysteme und Patrik Noller, Student der Mechatronik an der Hochschule Heilbronn, teil.

 

Prof. Dr. Glück erklärte, dass das Thema künstliche Intelligenz für die Firma Schunk schon jetzt eine große Rolle spielt, da smarte Greifer bei Schunk zukünftig mit Hilfe von „Deep Learning“ trainiert und eben nicht mehr umständlich und zeitaufwendig programmiert werden sollen. Herr Noller sprach davon, dass künstliche Intelligenz mittlerweile auch im Lehrplan seines Mechatronikstudiums angekommen sei. Die Fragen des Publikums spiegelten vor allem Ängste wieder, die ihnen die Diskutanten auf dem Podium zu nehmen versucheten und denen Dr. Eberl abschließend mit der optimistischen Forderung begegnete: „zukünftig brauchen wir Lehrer für Maschinen“.  

 

Bildunterschriften:

Bild 1: Hausroboter Nao Bluestar und Dr. Ulrich Eberl zwischen Bürgermeister Waldenberger und Prof.Dr. Ing. Markus Glück

Bild 2: Dr. Ulrich Eberl und Nao unterhalten das Publikum

Bild 3: v.l. Dr. Ulrich Eberl, Wolfgang Hess, Prof.Dr. Ing. Markus Glück, Patrik Noller

 

Fotos: 1 und 3 von Gerald Rutz; 2 von Bettina Keßler

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