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Aktuelle Nachrichten | Keßler, Bettina | 27.02.2019 – 19.03.2019

Crossover mit Klezmer gewürzt

Jerusalem Duo im Klosterhof: Blütenlese von Barock über Klezmer und Tango bis Pop

Jerusalem Duo (Foto: Leonore Welzin)

 

Harfe und Saxophon, zwei Instrumente, zwischen denen in mancher Hinsicht Welten liegen. Die Harfe, ein Saiteninstrument, war bereits vor 5000 Jahren bekannt. Das Saxofon, ein Holzblasinstrument, wurde 1840 von Adolphe Sax erfunden. Gewitzt, vorlaut und durchdringend ist der moderne Sound, der in Swing und Jazz aufblüht. Im Gegensatz dazu ist die Harfe elegant perlend und voll lyrischen Zartgefühls, selten solistisch, gern im Orchester eingesetzt.

 

Das Jerusalem Duo wurde von der Harfenistin Hila Ofek (1990)  und dem Saxofonisten André Tsirlin (1988) gegründet. Sie, Enkelin von Giora Feidman, stammt aus  Tel Aviv, er aus Irkutsk / Russland. Beide haben an der Jerusalem Academy of Music & Dance ihren Bachelor, danach in Deutschland ihren Master gemacht - Ofek bei Françoise Friedrich in Frankfurt, André Tsirlin bei Wardy Hamburg in Mainz. Im Jerusalem Duo treffen das Harmonieinstrument, das der Legende nach schon König David zupfte, und das Melodieinstrument aufeinander.

 

Gespannt auf das Klangergebnis war das Konzert der beiden Israelis ausverkauft. Nach dem Auftritt im Klosterhof-Museum waren die 180 Besucher um ein besonderes Klangerlebnis und das ausgezeichnete Duo um ebenso viele Fans reicher.

 

Barock der Einstieg, darf sich das Ohr am Schlagabtausch rauschender Klangflächen und melancholischer Einwürfe erfreuen, während man rätselt: Ist das Bach, Corelli, Scarlatti oder Vivaldi? Ist das Original für Laute, Geige oder Cembalo geschrieben? Woher kenne ich diese Musik? Das Verwirrspiel könnte keinen treffenderen Titel tragen als „La Follia“.

 

Die „Verrücktheit“, jene eingängige Mollmelodie aus einfachen Akkordfolgen im Dreiertakt, die sich um 1600 von Spanien aus in Italien, Frankreich und Deutschland verbreitete, wurde immer wieder zitiert, neu instrumentiert und variiert. Das Jerusalem Duo hat, ganz im Sinne dieser Tradition, die Follia-Variationen für zwei Violinen und Continuo von Vivaldi zum Ausgangspunkt ihres Arrangements gewählt und das Ganze mit etwas Klezmer abgeschmeckt. Faszinierend!

 

Abgesehen von Traditionellem wie „Shiri Freilach“ und „Golden wedding“, sowie typisch hebräischen Kompositionen – „Sholem Alekchem“ (Bela Kovac , arrangiert für Klarinette: Rov Feidman), „Erev shel shoshanim“ (Jossef Hadar) oder „Nigunim“ (David Zehavi) – durchzieht die musikalischer Fermentierung mit Klezmer das gesamte Programm. Aus George Harrisons Gitarren-Schluchzen „While My Guitar Gently Wheeps“  wird leises Tränen-Perlen. Sein  „Something“ beginnt andächtig wie das „Ave Maria“ und verflüchtigt sich in schwungvollen Arpeggien.

 

Tsirlins Sopransax ist wandlungsfähig, mal filigran wie eine Flöte, mal singend wie eine Klarinette oder frech und jazzig. Hila Ofeks virtuoses Harfenspiel voll Dynamik und nuancenreichen Klangfarben, kommt in „Asturias“ (Isaac Albéniz) besonders konzentriert zur Geltung. Die, von Amit Weiner für beide maßgeschnei­derten, „Ancient Echoes from Psalms“, tauchen in alttestamentarische Tiefe und erweitern das Klangbild mit kleinen Perkussionsinstrumenten und der menschlichen Stimme, mal summend, mal rezitierend. „Nicht was, sondern wie wir spielen, darauf kommt es an“, so Tsirlin, der das Konzert charmant moderiert. Ob „Czardas“ (Vitorio Monti) oder „Libertango“ (Astor Piazzolla) in der Musik des Duos verschmelzen Tanz und Gebet zu einer Einheit. Das Trennende vergessen, Musik für die Menschheit, oder jiddisch: „Musik für die ganze Mischpoke“ sagt Tsirlin augenzwinkernd und lacht verschmitzt.

 

Text und Foto: Leonore Welzin

 

Bildunterschrift:

Abb. 1: Sie verzauberten das Lauffener Publikum mit ihren faszinierenden Klängen: Hila Ofek und Andre Tsirlin, zusammen das "Jerusalem Duo" im ausverkauften Lauffener Klosterhof.