Virtueller Lauffener Bote

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Aktuelle Nachrichten | Kast, Ingrid | 01.04.2019

Wie im echten Kino und sogar direkt vor der Haustüre

Walther Bien hat auch nach 50 Jahren nichts von seiner Begeisterung für den Filmklub verloren

Logo 12 Lauffener

 

Zwölf Lauffener

Auch im Jahr 2019 stellt der Lauffener Bote jeden Monat jeweils Menschen aus Lauffen a.N. vor. Dieses Jahr geht es um Menschen, die sich für und in der Stadt engagieren. Ulrike Kieser-Hess führt hierzu zwölf Interviews. Lesen Sie in diesem Boten das vierte Porträt des Jahres 2019:

 

Als vor fünfzig Jahren Schüler mit der Idee „Wir gründen einen Filmclub“ auf ihn zukamen, hat Walther Bien, Lehrer für Physik und Mathematik ihnen „eher abgeraten“. Heute kann er sich das gar nicht mehr so richtig vorstellen, denn der Filmklub ist zu seiner Sache geworden, ist seit 50 Jahren seine Leidenschaft, sein zeitaufwendiges, mit Perfektion betriebenes und geliebtes Hobby.

12 Lauffener: Walter Bien Filmklub

 

Ein Katalog eines Schmalfilm-Kinoverleihers hatte die Schüler auf die - damals aktuelle – „Filmclub“-Idee gebracht. Schließlich konnten sie den neuen Lehrer für Mathematik und Physik, der in Erlangen studiert hatte und schon im Studium ein leidenschaftlicher Cineast war, dann doch für die neue Idee begeistern.

 

Zunächst gab es eine Kooperation mit dem noch vorhandenen Kino, der „Filmbühne“ am Postplatz. Am Donnerstag, einem spielfreien Tag des kommerziellen Kinos, durfte jetzt der Filmklub – bewusst in der deutschen Schreibweise mit „k“ - das zeigen, was ihm wichtig war und immer noch ist: anspruchsvolle Filme. Als erstes flimmerte „Abenteuer in Rio“ mit Belmondo über die Leinwand, und 200 Besucher füllten den Kinosaal. Doch schon nach „Die Vögel“ von Alfred Hitchcock war die Zusammenarbeit beendet. Die „Filmbühne“ wurde ein Opfer des Kinosterbens und musste schließen. Eine neue Lösung musste gefunden werden. Nicht so leicht, doch machbar, gab es doch im Gymnasium den Physiksaal. Eng, knall-eng ging es dort zu, als der neue Klub am neuen Ort mit Danny Kaye als „Der Hofnarr“ startete: Walther Bien erinnert sich, stolz im Rückblick, „wir haben im Drei-Wochen-Rhythmus mittwochs und donnerstags je drei Vorstellungen gegeben“. Gespannt war man, wenn die Pakete mit den 16-mm-Rollen kamen und hat sich manchmal über „zensiertes“ Material gewundert, in welchem beispielsweise Kuss-Szenen herausgeschnitten waren.

1,50 Mark mussten die Schüler zahlen und „damals waren es wirklich hauptsächlich Schüler, die als Zuschauer und Mitarbeiter kamen. Heute, im Internet- und Privatsender-Zeitalter kommen eigentlich nur noch Erwachsene“, so der unermüdliche Initiator. Und auch viele der Aufgaben, wie Werbung, Plakatgestaltung, Handzettel, Pressearbeit, Auswahl und Vorführung, die in der Anfangszeit von einer Schüler-AG ausgeführt worden waren, hat er im Laufe der Jahre selbst übernommen, „Gott sei Dank hilft meine Familie mit“. Einen treuen Cineastenstamm, der das Angebot von  besonders ausgewählten künstlerischen Filmen aller Genres zu schätzen weiß, hat der Filmklub bis heute. Und Walther Bien ist auch einige Jahre nach seiner Pensionierung begeistert vom „Film, der Form, die Kunst unter die Leute bringt, bei der man die Welt kennenlernen kann“.

 

Mittlerweile muss man natürlich keine Filmrollen mehr zusammenkleben, sondern spielt DVDs oder Blu-rays ab. Auch die Ton-Anlage wurde Zug um Zug von Walther Bien und seinen Schülern selbst gebaut und schließlich zur einer tollen 5-Kanal-Surround-Anlage für „kinoechten“ Ton erweitert. Die Papierstreifen, die die Leinwand bei Breitwandfilmen rechts und links vergrößerten, gehören schon lange ins Filmklub-Museum, heute misst die Leinwand acht Meter und Vorführort ist nicht mehr der Physiksaal, sondern die Aula.

Über 500 Filme hat der Filmklub in den vergangenen 50 Jahren gezeigt. Seit 2001 ergänzte er sein Programm sogar um den jährlichen von Andreas Benz am Klavier begleiteten Stummfilmabend. Manchmal gibt es sogar Popcorn, „wie im echten Kino“, erzählt Walther Bien lächelnd. Auch wenn es ganz schön viel Arbeit ist, den Filmklub am Laufen zu halten, macht es dem Kino-Fan Bien immer noch Spaß: „Wenn ich dann merke, dass meine Auswahl gut ankommt, freut mich das natürlich“. Die Kombination von Kunst und Technik fasziniert Walther Bien immer wieder. Fürs Jubiläumsjahr hat er ein „Best-off“- Programm am Laufen, das die Zuschauer per Abstimmung auch selbst mitgestalten dürfen. Einige der Best-offs von Walther Bien: „Der Hofnarr“, „Die Hochzeit meiner Traumfrau“, „Midnight Run“, „Hair“ und „Tanz der Vampire“.

Vor dem nächsten Filmabend am 12. April wird es ab 19 Uhr anlässlich des Jubiläums einen Stehempfang im Foyer geben, zu dem Filmklub-Fans und alle, die es noch werden wollen, eingeladen sind.

 

Text und Foto: Ulrike Kieser-Hess