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Aktuelle Nachrichten | Keßler, Bettina | 23.04.2019 – 21.05.2019

Der Tod gehört zum Leben

Josef Brustmann, Marianne Sägebrecht und Andy Arnold gestalteten mit „Sterbelieder fürs Leben“ einen bewegenden besinnlichen Abend im Museum

Josef Brustmann und Marianne Sägebrecht im Klosterhof (Foto: Ulrike Kieser-Hess)

 

Ganz schnell wird sie heimelig, die Atmosphäre im Museum. Obwohl ganz viele gekommen sind, um Josef Brustmann, Marianne Sägebrecht und Andy Arnold zu sehen und zu hören, meint man mit den dreien fast allein zu sein, vielleicht in einer bayerischen Lichtstube, es wird erzählt, sich erinnert, Musik gemacht, man ist ganz einfach beieinander.

 

Eine Atmosphäre, in der man auch ruhig über den Tod reden kann, Sterbelieder singen, ein wenig traurig sein darf, immer lebensbejahend, sehr gefühlvoll ohne je auch nur ein bisschen kitschig zu sein. Die Drei aus Bayern haben das mit ihrem Programm „Sterbelieder fürs Leben““, mit dem sie seit neun Jahren pro Jahr zweimal, immer in der Karwoche und im November auf Tour sind, perfekt hinbekommen. Der Kabarettist, Musiker und Lyriker Josef Brustmann hat es zusammengestellt, mit eigenen Texten und Liedern ergänzt und er hat mit Andy Arnold einen einfühlsamen Musikbegleiter und mit der Schauspielerin Marianne Sägebrecht eine mitreißende und trotzdem zurückgenommene Interpretin der Gedichte und Sentenzen als Mitakteure gewonnen.

 

Ein ruhiges, besinnliches, trauriges und gleichzeitig tröstendes  Programm wird gelesen, gesungen, gespielt, immer wieder den Tod umkreisend, mal ernst und mal augenzwinkernd heiter. Perfekt wird es von Marianne Sägebrecht gelesen, von Andy Arnold mit Klarinette, Querflöte und Saxophon überzeugend unterstützt und interpretiert, und absolut perfekt von Josef Brustmann an der Zitter in Noten gesetzt. Da beherrscht einer ein Instrument, das so nahtlos zu den Texten passt, dass es die besinnliche Stimmung zum Klingen bringt. Wer bis jetzt mit der Zitter nur Dirndl und Bayern in Verbindung gebracht hat, staunte nicht schlecht bei „Sound of Silence“ oder „Auld Lang Syne“, was übrigens viele im Publikum zum Mitsummen animierte. Rilke, Heine, Trakl, Eichendorff, Bergengruen, Brentano, Gernhardt, Brecht und Hüsch kommen zu Wort, spenden Trost und Zuversicht, beziehen den Tod ins Leben mit ein, „wer Angst vor dem Sterben hat, fängt nie zu leben an“ klingt das als Entree.

 

Es sind leise Texte, die vom Tod, Texte, die von den letzten Rosen ebenso berichten wie von Abschied, von enteilender Zeit, von Lücken, die der Krieg gerissen hat, von denen, die zurückbleiben. Aber es gibt auch die Texte, die sich dem Tod aufmüpfig, frech, ironisch und heiter entgegenstellen, die ihm das Leben abtrotzen wollen, es wie bei Brecht „in vollen Zügen schlürfen“. Manchmal, wie bei dem Kindertotenlied „Wenn ick mal tot bin“ von Friedrich Hollaender muss man sich erst mit dem heiteren, zufriedenen Ton anfreunden, aber man lernt es schließlich an diesem berührenden Abend: Der Tod gehört zum Leben.

 

Text und Foto: Ulrike Kieser-Hess

 

Bildunterschriften:

Abb. 1: Entschleunigung und Besinnlichkeit ließen die zahlreichen Besucherinnen und Besucher aufatmen mit Josef Brustmann (li.) an der Zither und Marianne Sägebrecht als Rezitatorin.