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Aktuelle Nachrichten | Kast, Ingrid | 08.05.2019 – 08.07.2019

Die große Trockenheit und ihre Auswirkungen

Klimawandel im Stadtwald Lauffen

Das Thema des Waldbegangs hätte nicht konträrer zum Wetter sein können. Bei kühlen 3 Grad und Regen waren Bürgermeister Klaus-Peter Waldenberger, 12 Stadträte und Mitarbeiter der Stadtverwaltung am vergangenen Samstag im rund 25 Kilometer entfernten Stadtwald bei Etzleswenden unterwegs, um sich ein Bild von den Auswirkungen der Trockenheit im vergangenen Sommer zu machen. Revierförster Oliver Muth und der Leiter des Kreisforstamts Christian Feldmann zeigten dem Gemeinderat bei einem 2,5 stündigen Rundgang die sichtbaren Veränderungen des Waldes durch den Klimawandel.

Waldbegang Mai 2019

Dabei wurde mit unterschiedlichen Blickwinkeln die Fragen erörtert, wie sich die Wälder an die Veränderungen des Klimas anpassen und was in der Waldbewirtschaftung verändert werden muss. Begleitet wurde die Gruppe von Otto Weber, der seit vielen Jahren als Waldarbeiter im Stadtwald Lauffen tätig ist und die Besonderheiten der Flächen kennt.

Zu Beginn der Tour zeigte Revierförster Muth entlang des Waldrands Richtung Farnersberg die Aufforstung einer Fläche, die durch ihren tonhaltigen Boden und die Hanglage besonders schnell von der Trockenheit betroffen ist. Der Boden kann durch die Tonschichten das Wasser bei Starkregen nicht schnellgenug aufnehmen und somit auch nicht speichern. Bei Trockenheit bilden sich im Oberboden Risse, die die feinen Wurzeln der Bäume beschädigen. Bäume mit einem großen Wasserbedarf kommen daher mit diesen Standorten bei längerer Trockenheit nicht zurecht. Eine mittelgroße Eiche beispielsweise hat an einem Sommertag mit 30 Grad einen Wasserbedarf von ca. 300 Litern. „Die Unterversorgung der Bäume zeige sich an der Reduzierung der Blattmasse und Schäden an den Wurzeln“, erläuterte Kreisfortamtsleiter Feldmann. „Man habe sich daher entschieden die Fläche mit einer Bauart, die mit der Trockenheit besser zurechtkomme auf zu forsten.“ Die Elsbeere, auch bekannt als Schweizer Birnbaum, ist hier aus Sicht der Forstfachleute eine geeignete Baumart und trage zum Artenreichtum beim. Der Waldrand selbst hat sich durch den trockenen Standort bereits verändert. Der Rückgang der Bäume habe anderen Arten wie Schlehen, Weißdorn und Heckenrosen Platz gemacht. Die Elsbeere selbst blüht in Dolden und ist somit auch beliebt bei Bienen und anderen Insekten.

 

Im Rahmen des Forsteinrichtungswerks 2012 -2021, das die Planungsgrundlage für die Waldwirtschaft darstellt, gab es im Stadtwald Lauffen bereits 900 Festmeter an zufälligen Nutzungen durch Sturmschäden, Borkenkäfer und Trockenheit. Im Jahr 2018 waren dies allein 500 Festmeter. Neben den Stürmen zu Beginn des Jahres waren dies vorallem die Auswirkungen des Eschentriebsterbens und die Schäden durch Borkenkäfer. Die Eschen werden durch einen Pilz, der ursprünglich aus dem asiatischen Raum stammt, geschädigt und sterben im Kronenbereich ab. Im Rahmen des Waldbegangs wurde dies auf einer Fläche an der auch vom Borkenkäfer befallene Fichten stehen. Diese Fläche wird sich daher in den nächsten Jahren deutlich verändern. Der Borkenkäfer kann sich auf Grund der Trockenheit gut vermehren und ausbreiten. Der Buckdrucker, als größere Art des Borkenkäfers, vermehrt sich bei guter Witterung jeweils im Faktor 10 und verbreiten sich daher rasend schnell. Die Käfer legen zwischen der Rinde und dem Stammholz Gänge an, die die Wasserzufuhr des Baumes schädigen und den Baum so zum Aufgeben zwingen. Ein gesunder und gut mit Wasserversorgter Baum könne sich gegen den Befall der Käfer wären. Wenn die Bäume aber durch die Trockenheit bereits gestresst sind fehlen die Kräfte um sich gegen die Käfer zu wehren. Eine wichtige Aufgabe der Waldarbeiter und der Förster ist es daher, befallene Bäume frühzeitig zu erkennen und aus dem Wald zu entfernen. Die Fichte ist als Baumart besonders durch den Käfer betroffen und wird sich in ihrem Bestand deutlich reduzieren. Daher werden in den kommenden Jahren andere Baumarten wie die Buche oder der Bergahorn die Bestände im Stadtwald Lauffen verändern müssen. Das durch den Hitzesommer nun anfallende Käferholz wirkt sich auch auf den derzeitigen Holzmarkt und die Preise aus, da durch die zusätzlichen Einschläge deutlich mehr Nutzholz auf den Markt kommt.

 

Aus Sicht der Forstleute gilt es Baumarten zu fördern, die mit längeren Niederschlagspausen besser zu Recht kommen. Die Douglasie, eine Nadelbaumart die ursprünglich aus Nordamerika stammt, ist eine dieser Arten. Sie ist eine sehr klimaverträgliche und klimastabile Baumart, die vor allem an lichtdurchfluteten Flächen sich wohl fühlt. Der Forst hat eine  lange Erfahrung mit der Douglasie, die sich auch als Bauholz immer stärkerer Nachfrage erfreut. Zum Abschluss des Waldrundgangs führt Revierförster Muth die Gruppe auf eine Versuchsfläche, die auf Grund ihrer Artenvielfalt an Bäumen eine Besonderheit im Stadtwald darstellt. Auf ca. 0,5 Hektar wachsen 13 verschiedene Bauarten. Darunter auch eine Bergulme. Durch den vorhandenen zweischichtigen Boden können viele Baumarten den Standort gut Nutzen. Das „totale Chaos“ an Baumarten, die unterschiedlich wurzeln (Flachwurzler, Tiefwurzler und Herzwurzler) trage zur Stärke der Fläche bei. Dies zeigt sich daran, dass 11 Baumarten zur Naturverjüngung auf der Fläche beigetragen haben uns somit keine zusätzlichen Aufforstung erforderlich waren. Die Bäume haben durch die reine Naturverjüngung eine bessere Wurzelbildung. Aus Sicht des Försters stellt die Fläche die nachhaltige Waldwirtschaft der Zukunft dar. Die Minderheiten an Baumarten gilt es langfristig zu fördern, da sie zum Artenreichtum und zur Stärkung der Flächen beitragen. Monotone Baumbestände, die durch Aufforstungen entstehen sind bei Stürmen oder Käferbefall deutlich mehr betroffen. Der gute Boden dieser Fläche dient derzeit auch dem Waldmeister, der trotz der niedrigen Temperaturen mit dem Blühen begann.

 

 

Waldbegang Mai 2019

Christian Feldmann nutzte diese Gelegenheit dem Gemeinderat neben den Eindrücken des Waldrundgangs auch sein Rezept für einen Maibowle mit auf dem Weg zu geben.