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Aktuelle Nachrichten | Kast, Ingrid | 11.06.2019

Keine Idylle, aber ein spannender, abwechslungsreicher Traum- Beruf

Förster Oliver Muth kümmert sich um die Lauffener Wälder und ist ein absoluter Mischwald-Fan

Logo 12 Lauffener

 

Zwölf Lauffener

Auch im Jahr 2019 stellt der Lauffener Bote jeden Monat jeweils Menschen aus Lauffen a.N. vor. Dieses Jahr geht es um Menschen, die sich für und in der Stadt engagieren. Ulrike Kieser-Hess führt hierzu zwölf Interviews. Lesen Sie in diesem Boten das sechste Portrait des Jahres 2019:

 

Dunkle Wolkenbänke formieren sich, der Wind nimmt Fahrt auf, in der Ferne blitzt es und die Wipfel der Bäume im Wald geraten mächtig in Bewegung: Ein Gewitter zieht auf. Der Wetterbericht hat unwetterartige Regenfälle vorausgesagt, viele bangen um ihre Pflanzen und einer hofft, dass es so richtig kräftig schüttet, der Förster Oliver Muth.

 

12 Lauffener: Oliver Muth Foto: Ulrike Kieser-Hess

 

Denn der Wald hat noch mächtig Durst nach dem Dürrejahr 2018, „er hat so richtig Stress mit der Trockenheit. Eine etwa 80 Jahre alte Buche braucht am Tag zirka 300 Liter Wasser“.

Und für Oliver Muth und seine Kollegen, die die Wälder von Lauffen, Beilstein und Untergruppenbach sowie kleinere Privatwälder betreuen, zusammen zirka 1470 Hektar, ist der Regen auch ein echter Verbündeter, hilft er doch im Kampf gegen Borkenkäfer und andere Schadorganismen, „mit genügend Wasser hätte der Baum einfach mehr Abwehrkräfte“, schildert Oliver Muth, der sich seit fast 18 Jahren um den Lauffener Wald um Lauffen und in Etzleswenden kümmert.

 

Förster sein, war für ihn schon ab der zehnten Klasse der absolute und einzige Berufswunsch. Und wer sich mit Oliver Muth unterhält und erlebt, wie er voller Engagement und Zuneigung von seinem Berufsfeld erzählt, merkt schnell: Da hat einer den absolut für sich richtigen Beruf gefunden.  Als Pfadfinder hat der in Möglingen Geborene seine Liebe zur Natur entdeckt und bis heute faszinieren ihn Flora und Fauna im Wald, „mein Herz schlägt für die Wälder, dort fühle ich mich am wohlsten“. Eine Fachhochschulausbildung mit „einem hohen Praxisanteil“, hat der heute 53Jährige absolviert und schon dabei die „enorme Vielfalt“ seines Berufes kennengelernt. Lösungsorientiert müsse man als Förster arbeiten, oft schnell entscheiden, „manchmal steht man dann auch im Feuer, aber das macht den Job auch spannend“. Von einer Idylle, wie sich manche die Försterei am Waldesrand vorstellen, ist das Arbeitsfeld von Oliver Muth relativ weit entfernt, Betriebswirtschaft, Verkehrssicherung, und ein dezidiertes und fundiertes Wissen um die Natur, ihre Bedürfnisse und Reaktionen gehört dazu. „Von Vorteil ist es, dass man sich den Tag oft selbstbestimmt einteilen kann“.

Welche Bäume und warum gefällt werden sollen oder müssen, auch das gehört natürlich zum försterlichen Entscheidungskanon. 8000 Festmeter (1000 für Lauffen) regulärer Einschlag stehen auf der To-do-Liste und schon jetzt ist das Ziel für 2019 durch planmäßige aber auch zufällige Nutzung, wie Sturm- und Dürreschäden  und Parasitenbefall  fast erreicht, „aber wir haben auch, gemessen am langjährigen Durchschnitt, noch etwas Luft“.

Um Lauffen, wo der Wald stark als Erholungsgebiet genutzt wird, ist auch die Verkehrssicherung ein Thema. Ob Jogger, Walker, Spaziergänger oder Kinder im Naturkindergarten, sie alle sollen sich sicher im Wald bewegen können und da „geht Sicherheit vor Naturschutz“. Also auch Höhlenbäume, die Tieren Unterschlupf bieten dürfen dann gefällt werden, „wenn sie nicht mehr stabil sind“. Der Forchenwald musste da in den letzten Jahren ordentlich dran glauben. „Dadurch, dass wir viel Holz im Wald belassen, schaffen wir dort kleine Totholzbiotope, Waldrefugien und vernetzte Lebensräume“.

Dauerwald ist ein Begriff, der gut ins Oliver Muths Wald-Philosophie passt. Die Philosophie, nach der der Wald „mehr als 50 Prozent Mitentscheidungsrecht hat, bei dem, was mit ihm passiert“. Weniger Bäume zu fällen, aber dafür dickere, das zeichnet den Dauerwald im Vergleich zum früher praktizierten Kahlschlag aus. Ein Gleichgewicht soll im Wald dadurch entstehen, ein Gleichgewicht zwischen Boden und Bäumen, zwischen den verschiedenen Baumarten (Mischwald) und dem verschiedenen Alter der Bäume. Mindestens 40 verschiedene Baumarten gibt es in den Lauffener Wäldern, wobei die Buche der Spitzenreiter ist. „Würden wir allerdings gar nicht in den Wald eingreifen, hätten wir bald keine Vielfalt mehr und die Buche würde alles dominieren.

 

Der Wald ist für Oliver Muth ein Generationenvertrag. „Ich profitiere von der Arbeit meiner Vorgänger“ und „meine Aufgabe ist es auch, den Wald zu schützen“.

Erlebbar machen will er ihn auch für Kinder, darum stehen Waldführungen für Kinder auf seinem Programm und der Lauffener Förster ist überzeugt: „Draußen entwickeln sich Kinder echt weiter. Die Fein- und Grobmotorik kann das Spielen im Wald steigern, ebenso wie die Wahrnehmung und die Kreativität“.

 

Oliver Muth hat auch einen Lieblingsbaum: Die Eibe. „Ein Halbbaum, der leider auch giftig ist, aber er ist ein bemerkenswert zäher Bursche und hat ein wunderbares Holz, das von gelb bis oliv und braun gefärbt ist“.

 

 Text und Foto: Ulrike Kieser-Hess

 

Bildunterschrift: 150 Jahre ist sie alt, die prachtvolle Fichte im Lauffener Stadtwald, die auf Brusthöhe einen Umfang von über 111,5 cm hat.