Anmelden

zurück zum Stadt‑PortalRubrikenübersichtAktuelle NachrichtenLauffens Partnerstadt Meuselwitz gedenkt dem Erzähler und Lyriker Wolfgang Hilbig

Virtueller Lauffener Bote

Aktuelle Nachrichten

Aktuelle Nachrichten | Rutz, Gerald | 17.06.2019

Lauffens Partnerstadt Meuselwitz gedenkt dem Erzähler und Lyriker Wolfgang Hilbig

Nicht nur in der Stadt Lauffen a. N. wurde einst ein Dichter geboren, der anspruchsvolle und auf den ersten Blick schwer zugängliche Werke geschaffen hat. Auch aus der Stadt Meuselwitz, also der ostdeutschen Partnerstadt Lauffens,  kam ein Mann, dem es in seinem Leben, zumindest abschnittsweise, ganz ähnlich erging wie einst dem Sohn der Stadt Lauffen, Friedrich Hölderlin.

 

Gedenkstein Wolfgang Hilbig Meuselwitz

 

Wolfgang Hilbig, am 31. August 1941 in der Stadt Meuselwitz geboren, war Arbeiter, Monteur, Heizer und Lyriker. Er machte eine Facharbeiterausbildung zum Bohrwerksdreher, arbeitete als Erdbauarbeiter und als Monteur im Braunkohletagebau, während er nach getaner Arbeit Gedichte schrieb. Hilbig schrieb schwer zugänglich und hermetisch dicht – insgesamt schwere Kost. Das bestimmende Thema seiner Arbeiten hatte immer autobiographische Züge, nämlich die Doppelexistenz als Arbeiter und Schriftsteller in der DDR.

 

Hilbig begann 1964 zu schreiben und versuchte vergeblich einen Verlag für seine Gedichte zu finden. 1968 wurde Hilbig nach nur einem Jahr Mitgliedschaft aus dem Zirkel schreibender Arbeiter in Leipzig ausgeschlossen, von der Staatssicherheit zum „feindlich-negativen Nachwuchsschriftsteller“ erklärt und überwacht. Ab 1969 lebte er an verschiedenen Orten bei Freunden und Gönnern aber er kehrte nach ein paar Monaten wieder in sein Elternhaus in Meuselwitz zurück. 1978 wurde er verhaftet und nach kurzer Zeit ohne Anklage wieder entlassen. Daraufhin verließ er Meuselwitz, zog nach Ost-Berlin und machte 1979 sein Hobby, die Schriftstellerei, zum Beruf. 1985 erhielt Hilbig ein Visum nach Westdeutschland.

Hilbig bekam in der Zeit zwischen 1983 und 2007 insgesamt 18 Literaturpreise verliehen, darunter im Jahr 2002 der renommierteste Literaturpreis Deutschlands, der Georg Büchner Preis der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung. Am 2.6.2007 erlag Hilbig einem Krebsleiden. Beerdigt wurde er in Berlin.

 

Jetzt, nach langem Ringen, erinnert ein Gedenkstein mit Bronzetafel an den Dichter. Der Stein wurde von Bildhauer Carsten Theumer gestaltet und gegenüber von Hilbigs Geburts- und Wohnhaus in Meuselwitz aufgestellt. Gestiftet wurde er von der Leipziger Wolfgang-Hilbig-Gesellschaft, aber auch Lauffener Bürger sowie der Hölderlin-Freundeskreis Lauffen haben für Hilbigs Gedenkstein gespendet.