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Virtueller Lauffener Bote

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Aktuelle Nachrichten | Kast, Ingrid | 06.08.2019

Auch mal Angela Merkel einen Kürbis zum Aushöhlen schicken

Seit vielen Jahren betreut Hans Krauss den Abenteuerspielplatz: Ein kleines Paradies mit ganz viel Platz für eigenverantwortliches Spielen

Logo 12 Lauffener

 

Zwölf Lauffener

Auch im Jahr 2019 stellt der Lauffener Bote jeden Monat jeweils Menschen aus Lauffen a.N. vor. Dieses Jahr geht es um Menschen, die sich für und in der Stadt engagieren. Ulrike Kieser Hess führt hierzu zwölf Intervies. Lesen Sie in diesem Boten das achte Porträt des Jahres 2019:

 

 

Ein Boot und ein Bauwagen, selbstgebaute Hütten, Ställe für Tiere, eine Künstler-Ecke, Fußbälle, Hühner, Gänse und Hasen, Figuren aus Pappmaschee, gerade getöpferte Vogelbäder, mit Sommerblumen bepflanzte Schalen, Tore, gemütliche Ecken zum Sich zurückziehen, Korbballnetze - das alles und noch viel mehr findet man auf dem Lauffener Abenteuerspielplatz. Der Initiator und Betreiber des Ganzen, von ihm „kleines Paradies“ genannt,  ist Hans Krauss. Er lacht, wie meistens, wenn man ihn trifft, „am Anfang wollte ich abends immer aufräumen, aber mit den Jahren habe ich erkannt, das musst du aushalten“. 2012 hat sich der 1964 in Kronstadt geborene Diplom-Sozialpädagoge und Erziehungswissenschaftler seinen Traum verwirklicht: In Lauffen, wo er damals in der JuLe arbeitete, einen Abenteuerspielplatz zu gründen.

 

Zwölf Lauffener: Hans Krauss Abenteuerspielplatz Foto: Ulrike Kieser-Hess

 

Sieben Jahre Mitarbeit an einer solchen Einrichtung in Freiburg-Weingarten inmitten einer Hochhaussiedlung und die Initiative Abenteuerspielplatz Böckingen, sowie sein eigenes, 2003 erschienenes Buch über Planung und Gründung solcher Spielorte, waren die beste Voraussetzung für sein Projekt, das den Kindern die grösstmögliche Freiheit bieten soll.

Mit viel Rückhalt und Unterstützung von der Stadt, einem großen Platz, vielen Ideen und einem „großen Herz für Kinder“ hat Hans Krauss sich, im sicheren Glauben, dass „das was wird“, ans Werk gemacht, „ich bin halt ein Aus-dem-Nichts-was-Macher, ein Zocker eben, aber ein smarter“, erklärt er, mal wieder gewinnend lachend. Mit Hilfe der Hölderlin Hauptschule ging es los und auch heute noch sind fünf regelmäßige wöchentliche Besuche der Schulen ein fester Bestandteil des Abenteuerspielplatzbetriebes. Für Kinder das schaffen, was sie sich zum Spielen wünschen, war und ist für Hans Krauss immer Antrieb. „Mit den Kids möchte ich etwas verwirklichen, sie erfahren lassen, wie man die Welt auch im Kleinen verändern kann. Das macht sie stolz, selbstsicher und fördert die Kreativität“. Rund 40 Stammkinder von sechs bis zirka 14 Jahren hat der Platz, der jeden Tag geöffnet hat und für den Betreuer ist es super, wenn die Kinder gerne kommen und sich schon heute auf den morgigen Tag freuen. „Die Gemeinschaft wird bei uns groß geschrieben“. Der Abenteuerspielplatz ist „wie ein Magnet, ein geradezu magischer Ort“ freut sich Hans Krauss und dort übermittelt er auch etwas von seiner persönlichen Lebens-Haltung, „ich gehe immer voller Mut und Zuversicht ans Werk, wenn es nicht klappt, versuche ich es auf einem anderen Spielfeld.“ Als „Insel der Glückseligen“ sieht er seinen Platz gerne, „die Arbeit hier ist für mich vollkommene Lebensfreude, Tag für Tag“. Fußball spielen, das wünschen sich Jungs wie Mädchen ganz besonders, wenn sie auf den Abenteuerspielplatz kommen, „aber für viele ist es auch schön, einfach für ihr Pflegetier dazu sein, es zu füttern, zu pflegen, zu streicheln“. Aus ganz coolen, rauen Jungs werden da ganz zarte Tierpfleger, beobachtet Hans Krauss.

 

Aber auch außerhalb des Platzes motiviert Hans Kraus seine jungen Besucher. So haben sie Angela Merkel einen Kürbis zum Aushöhlen geschickt und „einen netten Dankesbrief bekommen, das hat uns stolz gemacht“ oder bei einem Besuch in Lauffen mal PUR-Sänger Hartmut Englert persönlich begrüßt, „ die Kinder sollten auch mal einen richtigen Star sehen“. Einen Hölderlin-Kalender mit eigenen Texten haben die Kids gestaltet, ein Hölderlin-Musical einstudiert, Gottesdienste gestaltet, Maifeste und Sonnwendfeuer organisiert, im Gemeinderat für ihren Fußballplatz plädiert und sie sind im SWR aufgetreten.

„Wir arbeiten trotz aller Lässigkeit gemeinsam auf ein Ziel hin“ erläutert Hans Krauss seine pädagogische Arbeit, die natürlich ihre Regeln hat, die von den Kindern „auch ganz selbstverständlich eingehalten werden.“

 

Von was träumt ein Abenteuerspielplatz Manager? „Von einem großen Zelt und von einer Hütte, groß wie ein Klassenzimmer, in der man auch richtig Unterricht machen kann“.

„Das war mal wieder ein schöner Tag“: Das ist der perfekte Abschiedsgruß für Hans Krauss und seine Abenteuer-Kids und einen Spruch, den ihnen der Politiker Günther Oettinger mit auf den Weg gegeben hat, „lernet, aber lernet nicht nur“, beherzigen sie eifrig, denn am Hainbuchenweg wird Spielen, Spaß und Freundschaft ja ganz groß geschrieben.

 

Text und Foto: Ulrike Kieser-Hess