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Aktuelle Nachrichten | Keßler, Bettina | 10.09.2019

Wenn Klarinette auf Streicher trifft

Laura Müller und das JKO Tauber-Franken begeistern im Rahmen von "bühne frei..." in der Stadthalle

Junges Kammerorchester Tauber-Franken: Strings meet Clarinet (Foto: Leonore Welzin, 8.9.2019))

 

Heißer Stoff, üppig synkopiert ist „Swamp Thang“ (Stompin´ the Bayou) ein echter Knaller für‘s Finale. Ein Stück aus der Feder des Amerikaners Richard Meyer (1952 – 2012), das hierzulande zwar kaum bekannt ist, dennoch Erinnerungen an Cajun-Musik und Barbecue-Partys weckt. Mit dieser Zugabe bedankt sich das Junge Kammerorchesters Tauber-Franken (JKO) unter Leitung von Thomas Conrad für den herzlichen Applaus.

 

„bühne frei…“ heißt es wieder. Nach der Sommerpause geht es traditionell in die zweite Runde der beliebten Lauffener Veranstaltungsreihe. „Und die wollen wir mit unserer musikalischen Zukunft beginnen“, begrüßt Bettina Keßler, Referentin für Kultur und Tourismus, das Publikum in der Stadthalle.

 

Die Auftakt-Veranstaltung steht unter dem Motto „Strings meet Clarinet“ („Streicher treffen Klarinette“). Im Mittelpunkt steht das Zusammenspiel des JKO mit der Klarinettistin Laura Müller aus Nordheim. Das Junge Kammerorchester Tauber-Franken, ein künstlerischer Verein mit dem Ziel der Nachwuchsförderung wurde 2016 gegründet. Er umfasst die Landkreise Main-Tauber, Heilbronn und Ludwigsburg. Zugrunde liegt eine Projektidee der Streicherpädagogen Kirsten-Imke Jensen-Huang und Andreas Berge. Geleitet wird das 30-köpfige Streichorchester seit Beginn von Thomas Conrad. Das Programm wird in Orchesterfreizeiten erarbeitet.

 

Die Klarinettistin Laura Müller (Nordheim) erhält seit ihrem neunten Lebensjahr Unterricht an der Musikschule Lauffen. Sie gewann 2018 bei „Jugend Musiziert“ einen zweiten Preis auf Bundesebene, ist Mitglied verschiedener Jugendorchester und wurde in die Begabtenförderung der Musikschule aufgenommen. Technisch souverän und hochkonzentriert fühlt sich die Solistin in die Suite des Kanadiers Jim McGrath (1958) ein. Im Austausch mit den Streichern ergibt sich ein spannungsreiches Klangbild.

 

Atmosphärische Dichte zeichnet das viersätzige Werk aus: „Hannah’s Dance“, einem beschwingten Walzer folgt „Pastoral“, ein Satz im ruhigen 3/2 Takt, der Stille und Tiefe des Wassers erkundet. Im Kontrast dazu das „Andante Misterioso“ voll ausgelassener Kapriolen, bevor es „Veloce“, also  „schnell“ ins Ziel geht. McGrath, geprägt durch seinen Hauptberuf als Filmmusiker, überträgt filmische Stilmittel wie den Cliffhanger aufs Komponieren und erreicht so Brüche mit atemberaubendem Effekt.

 

Auf der Suche nach unbekannten Kompositionen ist Thomas Conrad im Internet auf Jim McGrath gestoßen. In beider Mail-Korrespondenz gesteht der Komponist: „I make my living as a film composer; my concert music career is a labour of love.“ („Geld verdiene ich mit Filmmusik, Konzerte schreibe ich aus Liebe“). Eine Randnotiz: Aus Liebe zum Tanz ist seine Tochter Hannah – ihr ist der erste Satz gewidmet – heute Profitänzerin in Berlin. Die Suite, die er bereits 2000 komponiert hat, scheint eher selten gespielt zu werden, zu Unrecht.

 

Mit MozartDivertimento F-Dur KV 138, komponiert im Alter von 15 Jahren, spielt sich das JKO warm. Das ist Unterhaltung auf höchstem Niveau:  Leicht, aber nicht leichtfertig, kommt es schwungvoll und im Tonfall bestimmt daher. Es folgt ein Zeitsprung zum Impromptu des Finnen Jean Sibelius, in dem sich ruhige, kühle und teils dunkle Stimmungen des Nordens widerspiegeln. Nach der Pause zeigen sich die Talente im Alter zwischen 12 und 25 Jahren,  unterstützt von fünf Dozenten (einer in jeder Instrumentengruppe) mit Antonin Dvoraks Serenade E-Dur für Streichorchester in Hochform. Das Fazit des Leiters:  „Ein Luxus mit solch motivierten jungen Menschen arbeiten zu dürfen“.

 

Text und Bild: Leonore Welzin

 

Bildunterschrift:

Ein spannungsvoller Dialog zwischen Laura Müllers Klarinette und dem spielfreudigem Streichorchster hielt die Zuschauer in Atem.