Virtueller Lauffener Bote

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Aktuelle Nachrichten | Kast, Ingrid | 30.09.2019

Jäger des verborgenen Schatzes

Christian Müller ist Rektor der Hölderlin Werkrealschule und seit 2018 Geschäftsführender Schulleiter in Lauffen

 

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Zwölf Lauffener

 

Auch im Jahr 2019 stellt der Lauffener Bote jeden Monat jeweils Menschen aus Lauffen a.N. vor. Dieses Jahr geht es um Menschen, die sich für und in der Stadt engagieren. Ulrike Kieser-Hess führt hierzu zwölf Interviews. Lesen sie in diesem Boten das zehnte Porträt des Jahres 2019.

 

Schon deutsche Dichterfürsten haben sich Gedanken über die Schule gemacht. Bei Goethe klingt das so: „Lehre tut viel, aber Aufmunterung tut alles“. Würde man noch Wertschätzung, individuelle Betreuung und Belohnung dazu nehmen, wäre man ganz nah an Christian Müllers pädagogischer und menschlicher Haltung dran. Seit 2004 ist Christian Müller, geboren 1973 in Stuttgart und aufgewachsen in Heilbronn, an der Lauffener Hölderlin Werkrealschule Lehrer und er hat: „großen Spaß“ an seiner Arbeit, „jeden Tag sogar ein bisschen mehr“. 2014 wurde er Rektor an seiner Schule und seit 2018 hat er noch das Amt des Geschäftsführenden Schulleiters inne. „Das ist oft eher eine organisatorische Aufgabe“ erläutert er, „man ist das Verbindungsglied zwischen Schulträger und den einzelnen Schulen“.

 

12 Lauffener - Christian Müller  - Oktober 2019 Foto: Ulrike Kieser-Hess

 

Sechs Schulen, die beiden Grundschulen, die Realschule, die Werkrealschule, das Gymnasium und die Erich-Kästner-Schule gehören zum „Kollegium“ des Geschäftsführenden Schulleiters. Die Beobachtung und Weiterentwicklung der Schullandschaft in Lauffen stehen ganz oben auf der Agenda von Christian Müller und seinen Kolleginnen und Kollegen. „Natürlich werden die Bedürfnisse der einzelnen Schulen immer berücksichtigt“. Neben den eher strukturellen Fragen, bestimmt auch Organisatorisches die Aufgaben. In Absprache muss zum Beispiel geklärt werden, wann man die beweglichen Feiertage einschiebt, wie die Sporthallennutzung geregelt wird, Versicherungsprobleme einheitlich löst oder wie Mittel des Digitalpaktes einsetzt werden. „Gut ist es dabei, dass wir in Lauffen kurze unkomplizierte Wege haben, sowohl geografisch wie kommunikativ“. Zweimal im Jahr trifft man sich zur Schulleiterkonferenz und Christian Müller berichtet, „wir sind ein harmonisches Team und finden immer schnelle und gute  Lösungen. Jeder möchte natürlich das Optimum für seine Schule, aber es gibt keine Eifersüchteleien“.

 

Christian Müller, Vater von zwei Kindern, lebt gerne in Lauffen. Der studierte Grund- und Hauptschullehrer, Fächer Sport und Deutsch, mag es, „mit Menschen zusammen zu sein“. Für das Berufsfeld Werkrealschule hat er sich entschieden, weil „er zu den älteren Schülerinnen und Schülern ein besseren Draht hat“ und in der Hölderlin Werkrealschule kennt er jeden der 137 Schüler mit Namen, mit einer kleinen Einschränkung: „die neuen Fünftklässler kenne ich noch nicht alle“, gesteht er lachend. In seiner Freizeit werkelt er gerne im Schrebergarten oder geht mit seinen zwei Hunden spazieren.

 

18 Kolleginnen und Kollegen umfasst sein Werkrealschul-Kollegium. Den Umstand, eine kleine Schule zu sein, sieht er als absoluten Vorteil. „Viele Kinder bei uns brauchen viel Aufmerksamkeit und Hilfe. Daraus entwickelt sich ein Schulmotto: „nah am Kind sein“. Die persönliche fast familiäre Atmosphäre der Schule und das Eingehen auf den Einzelnen „fördert viel an Talenten zu Tage“, so Christian Müller, „manchmal komme ich mir vor wie der Jäger des verborgenen Schatzes“. Dass die Schülerzahlen der Hölderlin Werkrealschule steigen, zeigt für den Schulleiter, „dass wir in der Öffentlichkeit akzeptiert und angenommen werden. Was er und sein Kollegium dafür tun? Sie wollen das Selbstwertgefühl jedes Kindes stärken, das Zutrauen zum eigenen Können fördern, die persönliche schulische Laufbahn so erfolgreich wie möglich gestalten.  „Solche Grundwerte wie Verlässlichkeit, Ordnung, Pünktlichkeit, Hilfsbereitschaft“ stehen ebenso, wie eine gut funktionierende Schulsozialarbeit auf dem Stundenplan, ein ausgeklügeltes Belohnungssystem fördert auch gezielt Dinge, die nicht unbedingt mit guten Noten zusammenhängen.

 

Inklusion wird in der Hölderlin Werkrealschule in Zusammenarbeit mit der Erich-Kästner-Schule schon lange und erfolgreich praktiziert. „Viele der Kinder konnten nach einer gewissen Zeit in die Regelklasse übernommen werden, um einen Abschluss zu machen“.

Was erträumt sich Christian Müller? „Eine stabile Zweizügigkeit für unsere Schule und Stabilität in der Bildungspolitik“.

 

Text und Foto: Ulrike Kieser-Hess