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Aktuelle Nachrichten | Rutz, Gerald | 19.11.2019

Haben wir aus der Geschichte gelernt?

Schülerinnen und Schüler der Hölderlin-Realschule Lauffen gedenken Gefallenen des Ersten Weltkrieges

Im Rahmen der Projekttage, im Juli dieses Jahres, haben Schülerinnen und Schüler der Hölderlin-Realschule Lauffen, zusammen mit Bürgermeister Klaus-Peter Waldenberger, Verdun besucht. Drei Tage waren sie zusammen auf den Schlachtfelder des ersten Weltkriegs unterwegs. Ihre Eindrücke präsentierten die Schüler jetzt beim Volkstrauertag.

 

Volkstrauertag 2019

Die Schüler haben, wie die Soldaten des ersten Weltkrieges, Postkarten aus Verdun an ihre Familien geschrieben und beim diesjährigen Volkstrauertag auf dem alten Friedhof in Lauffen a.N., vorgelesen. Um die unterschiedlichen Lebenswelten damals und heute, aufzuzeigen, haben sie aber nicht nur die Texte der eigenen Postkarten vorgetragen, sondern auch Postkartentexte von Soldaten des ersten Weltkriegs verlesen.

 

Natürlich unterschieden sich die Inhalte drastisch voneinander. Die Folgen der Kriege sind aus dem Bewusstsein und dem Selbstverständnis der Schüler 100 Jahre nach dem ersten und 74 Jahre nach dem zweiten Weltkrieg lange verschwunden. Einen direkten Bezug zu den Leiden des Krieges gibt es nicht mehr. Das machten nicht nur die Schüler selbst, mit ihren Postkartentexten deutlich, sondern Bürgermeister Klaus-Peter Waldenberger griff dies auch in seiner Rede zum Volkstrauertag auf.

 

Damit die Leiden und der Schrecken, die Kriege mit sich bringen, nicht vergessen werden, wird Bürgermeister Waldenberger den Schülern der Hölderlin Realschule auch im kommenden Jahr, wieder das Angebot machen, an den Projekttagen im Juli 2020, die Schlachtfelder in Frankreich an der Somme oder die die Maginot-Linie zu besuchen.

Aber am diesjährigen Volkstrauertag wurde in Lauffen a.N. nicht nur der Gefallen gedacht, sondern der Tag stand auch im Zeichen des Protests. Protestiert wurde mit einer roten Mohnblume am Revers, die normalerweise Anfang November von britischen Politikern und Bürgern getragen wird und an das vergossene Blut der Gefallenen des ersten Weltkriegs erinnern soll.

 

Diese sogenannten „Poppies“ wurden dieses Jahr auf dem alten Friedhof in Lauffen verteilt, nicht nur um der Gefallenen zu gedenken, sondern auch um gegen den Austritt der Briten aus der EU, also gegen Nationalismus und Kleinstaaterei, zu protestieren. Denn auch bei den „Brexiteers“ könne man den Eindruck gewinnen, dass sie nichts aus der Geschichte gelernt haben, meinte Bürgermeister Waldenberger als er erklärte weshalb er die Mohnblumen verteilen ließ, die Pfarrer Gunter Bareis über einen britischen Kollegen beschafft hatte.

 

Volkstrauertag 2019

Auch an die Opfer des Nationalsozialismus wurde dieses Jahr wieder gedacht. Bürgermeister Waldenberger betonte dabei, dass wir nicht wieder Nationalismus und Extremismus Vorschub leisten dürften, wenn wir unseren Kindern vermitteln wollen, dass wir aus der Geschichte gelernt haben. „Vor allem aber müssen wir achtsam sein“, schloss Bürgermeister Waldenberger seine Rede zum Volkstrauertag, denn „es begann und beginnt immer mit dem kollektivierten Hass auf Fremde, Andersartige, überall auf der Welt.“