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Aktuelle Nachrichten | Keßler, Bettina | 19.11.2019 – 10.12.2019

Die November-Tristesse bleibt draußen

Begeisterndes Sonntagskonzert im Pauluszentrum lässt tröstliche Kraft der Musik spüren

Élégie mit Kira Kraftzoff (Cello), Gudrun Ingimars (Sopran) und Hildegund Treiber (Orgel) (Foto: Helga El-Kothany)

 

November. Volkstrauertag. Trübes, nasskaltes Wetter. Trostlos. An diesem Tag lädt „bühne frei“, das Kulturprogramm der Stadt Lauffen, zu einem nachmittäglichen Konzert in das Pauluszentrum ein. „Élégie“ heißt das Programm, passend zum Totengedenken, mit der isländischen Sopranistin Gudrun Ingimars, der Organistin Hildegund Treiber und dem aus St. Petersburg stammenden Kira Kraftzoff, jahrelang erster Cellist beim Württembergischen Kammerorchester Heilbronn und Gründer und Leiter des Rastrelli Cello Quartetts.


Musik könne, so Kulturreferentin Bettina Keßler in ihrer Begrüßung, Gefühlen der Trauer Raum geben, aber sie spende auch Trost. Im warmen, honigfarbenen Licht des außergewöhnlichen Raumes, der Mischung aus Kirche und Gemeindesaal mit der besten Orgel Lauffens, wie Bettina Keßler beiläufig erwähnt, verspricht das erste Musikstück, das Larghetto aus dem Orgelkonzert in F-Dur von  Georg F.  Händel, mehr Trost als Trauer.

Henry Purcells Arie aus „The Fairy Queen“, „The Plaint“, vertreibt jedoch sofort die helle Leichtigkeit der Orgel. Der melancholische Auftakt des Cellos wird vom Sopran weitergeführt, zurückhaltend untermalt von der Orgel. Das Klagen der unglücklich Liebenden wird leidenschaftlicher bis zum kraftvollen, mehrfachen „Never“, vom Cello verstärkend wiederholt.

 

Drei Lieder in mehreren Sprachen über Varianten unerfüllter Liebe folgen aufeinander, nur einmal unterbrochen von einer fast zarten, getragenen Suite von Johann Sebastian Bach: „Lascia ch’io pianga“ aus Händels Oper  „Rinaldo“ – „Lass mich klagen“, bei dem sich Ingimars ausdrucksstarker Sopran in bewundernswerte Höhen schwingt, und nicht minder schwermütig und eindringlich klagend aus Purcells Oper „Dido and Aeneas“ Didos Arie „Thy hand, Belinda.“

 

Drei „Ave Maria“ erklingen als Gebete an die Mutter Gottes: das feierliche „Ave Maria“ von Bach/Gounod, diesmal ohne Gesang, dafür wunderschön gespielt vom Cello, ein weiteres isländisches von Sigvaldi Kaldalóns, das die Sängerin sehr emotional „einer lieben Frau“, der Anfang 2018 verstorbenen "guten Seele der Lauffener Musikschule", Annemarie Gutensohn, widmet. Der innige, gefühlvolle Gesang beim Gebet aus Pietro Masgagnis „Cavalleria Rusticana“ beeindruckt das Publikum so sehr, dass es spontan kräftigen Beifall spendet. Zum zweiten Mal an dem Abend. Auch bei der  Sonate von Adam Khudoyan, mit der Kraftzoff einem kürzlich verstorbenen Freund spontan gedenkt, lässt sich der begeisterte Applaus nicht verhindern. Mit dem Stück zeigt er, was alles in seinem Instrument steckt. Passagenweise wild gezupftes, unruhiges, wenig Melodiöses steigert sich zu klagenden Tönen, die übergehen in zerhackte Dissonanzen. Über ein paar Takte glaubt man, das Cello werde zersägt. Ein schwieriges Stück mit großem Körpereinsatz.

Auf Jules Massenets „Élégie“ holt die Orgel aus zu einem temperamentvollen, fast furiosen Auftakt zu Théodore Salomés „Grand Choeur“ mit rasanten Läufen, schnell wechselnden Stimmungen. Ein Highlight auf der wohlklingenden Orgel.

 

„Wir haben noch was dabei. Ich glaube, ihr kennt es“, verkündet nach dem lang anhaltenden Beifall am Ende Gudrun Ingimars. Rasch schwingt sich Hildegund Treiber wieder auf die Orgelbank zum „Panis Angelicus“ von César Franck, dem „Engelsbrot.“ Ein wunderbar anrührendes Lied schlichter Innigkeit, das das Publikum getröstet entlässt und schon eher auf die Adventszeit einstimmt.

 

Text und Bild: Helga El-Kothany

 

Bildunterschrift:

Abb. 1: Drei virtuose Solisten boten im Lauffener Pauluszentrum ein anrührendes Konzert auf Weltniveau, das das Publikum begeisterte.