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Aktuelle Nachrichten | Kast, Ingrid | 13.01.2020

Hölderlin zieht wieder ein ins neu renovierte alte Haus

Seit dem 1.1.2020 ist Eva Ehrenfeld Leiterin des Hölderlinhauses –eine Biografie hat sie für den Dichter begeistert

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Zwölf Lauffener

 

Auch im Jahr 2020 stellt der Lauffener Bote jeden Monat jeweils Menschen vor, die in Lauffen a.N. aktiv sind. Dieses Jahr geht es um Personen, die sich rund um den 250. Geburtstag von Hölderlin engagieren oder einen Beitrag zur Lese- und Literaturförderung in unserer Stadt leisten. Ulrike Kieser-Hess führt hierzu zwölf Interviews. Lesen Sie in diesem Boten das erste Porträt des Jahres 2020.

 

 

Schon als Schülerin hatte die in Leonberg geborene Eva Ehrenfeld eine Vorliebe für Lyrik, „Gedichtinterpretation war immer meine erste Wahl im Aufsatz“. Dass allerdings ihre Arbeitsfelder einmal in einem hochkarätigen Gedichtumfeld liegen würden, kam dann doch überraschend. Denn eigentlich führte sie ihr PH-Studium eher ins Klassenzimmer einer Schule. Ab März wird sie aber nun ihr Büro in einem Zimmer des liebevoll, sachkundig und beeindruckend renovierten Hölderlinhauses an der Nordheimer Strasse beziehen - sozusagen als „Hauptwohnsitz“ in Sachen Hölderlin. Ihren Zweitwohnort in Sachen Hölderlin hat sie in Tübingen, im bald auch renovierten berühmten Turm, wo die Hölderlin Gesellschaft ihren Sitz hat, die fast 900 Mitglieder weltweit hat und deren Geschäftsführerin Eva Ehrenfeld seit 2015 ist.

 

 

12 Lauffener: Eva Ehrenfeld Januar 2020 Foto: Ulrike Kieser-Hess

 

Wird einem das denn nicht manchmal zu viel mit so viel Hölderlin? Eva Ehrenfeld lächelt, „erstens lese ich natürlich auch noch Anderes   aber Hölderlin ist einer, mit dem man, wenn man mal angefangen hat, nie zu einem Ende kommt. Er bleibt einfach interessant.“

Neben den Verwaltungs- und Organisationsaufgaben für die Hölderlin Gesellschaft, deren Jahrestagung 2020 übrigens in Lauffen stattfinden wird, kümmert sie sich: „in Lauffen um alles, was mit Hölderlin zu tun hat“. Sie ist Kuratorin der neuen Dauerausstellung, die ins historische Haus kommt, hat Texte und Audiotexte für die Dauerausstellung geschrieben und die Arbeiten rund um Renovierung und Gestaltung im Haus begleitet.  „Das wird noch eine spannende Zeit, bis wir am 20. März an Hölderlins 250. Geburtstag eröffnen.“

 

In den Räumen wird die Besucher eine Museumskonzeption erwarten, die bisher im Land einzigartig ist. Wie bei einem Puzzle soll sich der Interessierte die Person Hölderlins aus informativen Einzelteilen zusammensetzen können. 16 Facetten werden aufgezeigt und mit Briefzitaten veranschaulicht, von Hölderlin als Freund oder Wanderer, als Liebhaber oder Sohn, als Empfindsamer oder Politischer. Ziel dieser Form der Präsentation, die von Eva Ehrenfeld erdacht und konzipiert wurde und die ein Gestaltungsteam umgesetzt hat, ist es, mehr den Menschen als sein Werk in den Vordergrund zu rücken. Ziel für die Besucher soll der Aha-Effekt sein: „Ja, jetzt versteh’ ich“. Sie erinnert sich: „die erste Idee dazu hatte ich tatsächlich beim Zähneputzen“.

 

Eva Ehrenfeld hat den Dichter 1989 für sich entdeckt, als sie mit ihrer Familie nach Lauffen gezogen ist. „Ich habe die Hölderlin-Biografie von Peter Härtling gelesen und diesen Dichter fand ich gleich interessant“. Doch zunächst hat die rührige Mama von vier Kindern erstmal noch ein Aufbaustudium Kulturmanagement absolviert und eine Theatergruppe in Lauffen gegründet, das „theaterlabor“. Eine kleine Truppe, die sich der Aufführung von modernen Theaterstücken verschrieben hatte. 2003 stand die Gestaltung der Enthüllung  des Hölderlin-Kunstwerks in Lauffen auf ihrem Dichter-Programm, 2007 die inhaltliche Neukonzeption des Hölderlinzimmers im Museum im Klosterhof. 25 Quadratmeter hatte man damals für den berühmten Sohn der Stadt, jetzt zieht er um in sein Vielleicht-Geburtshaus und man kann ihm auf 120 Quadratmetern  näherkommen. Vermittelt „durch  verstehbare Zitate aus Briefen Hölderlins und weitere Informationen im Audioguide“.

 

Seit 2010 leitete Eva Ehrenfeld auch die Bücherei in Lauffen, eine Aufgabe, die sie jetzt an die neue Leiterin Isabel Frank weitergibt.  Was fasziniert die Hölderlin-Beauftragte der Stadt Lauffen am Sohn der Stadt: „Vor allem, wie er mit Sprache umgeht. Als „wilde Wortstellung“ hat man seinen Stil beschrieben, der für die damalige Zeit total modern war, und dass er bis heute immer wieder neu und anders verstanden und interpretiert wird. Das ist schon besonders.“

 

Text u. Foto: Ulrike Kieser-Hess