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Virtueller Lauffener Bote

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Aktuelle Nachrichten | Keßler, Bettina | 21.01.2020 – 11.02.2020

Amüsanter Botschafter der Akkordeonmusik zeigt die ganze Bandbreite seines Lieblingsinstruments

Was man mit einem Akkordeon so alles anstellen kann – Frank Grischek hat es in der Alten Kelter mit Können und Humor unter Beweis gestellt

Frank Grischek: Hauptsache wir sind zusammen (Foto: Ulrike Kieser-Hess, 17.1.2020)

 

Würde er  Geige spielen, der Frank Grischek, würde man ihn sicherlich als Teufelsgeiger bezeichnen. Denn wie der eine seinen Bogen traumwandlerisch sicher und mit absoluter Geschwindigkeit über die Saiten flitzen lässt, so tanzen Grischeks Finger über 120 Bassknöpfe und auf der Tastatur seiner Borsini Superstar. Auf Einladung des Akkordeon -Orchesters Lauffen, das in diesem Jahr seinen 90zigsten Geburtstag feiert und dem städtischen Kulturprogramm „bühne frei“, war der Hamburger Akkordeon- Virtuose zu Gast in der Alten Kelter. Und selbst die versierten Akkordeonistinnen und Akkordeonisten im Publikum waren baff und entzückt, über die Fertigkeiten des musikalischen Gastes.

 

Frank Grischek, der mit seinem abwechslungsreichen, differenzierten und hochkarätigen Programm seinen Zuhörern in knapp zwei Stunden einen Superkurs in Sachen „das alles kann ein Akkordeon“ präsentierte, hatte neben seinem Lieblingsinstrument auch noch eine Taschentrompete und vor allem ganze viele Geschichten mitgebracht. Der Musiker aus dem hohen Norden erwies sich als unterhaltsamer, lockerer, bisweilen ironischer  Unterhalter, der nicht auf billige Gags aus war, sondern sowohl über Musik- und Akkordeon-Geschichte und  Gegenwart plauderte, wie über unsinnige Verordnungen zur Straßenmusik, die therapeutische Wirkung von Musik oder die Auswirkungen der Musik auf kulinarische Angebote. Zwar war die Conference von Frank Grischek meist heiter, mal verschmitzt, mal ein wenig bissig, aber er scheute sich auch nicht, sich in seinem Programm vehement gegen Hetze, Hass und Fremdenfeindlichkeit auszusprechen.

 

Als Botschafter der Akkordeonmusik ist Grischek unterwegs und es ist wirklich verblüffend, wie viele Musikrichtungen er mit seinem Instrument zum Klingen bringen kann. Mal füllte er mächtig, orgelgleich den Raum der Alten Kelter mit Bach Klängen, mal meinte man mit ihm an der Seine zu einer Musette zu tanzen, mal erklangen melancholische russische Volksmusikweisen, so schön zum Mitsingen (das traute sich aber keiner).  Mal war man im Jazzkeller zu Gast, mal im Kino, mal bei Elton John oder, und das besonders ergreifend, in den Straßen und Lokalen von Buenos Aires ganz nah an den Tango-Melodien von Astor Piazzolla.

 

Den Wildecker Herzbuben begegnete man in diesem Gute-Laune-Programm ebenso wie dem Paten, man stolperte durch irische Landschaften auf dem Weg ins Pub, konnte jede Menge Ohrwürmer mitsummen, sogar ein bisschen schunkeln. Und das alles mit einem engagierten, hingebungsvollen, talentierten  Musiker und seinem aus über 16.000 Teilen bestehenden Instrument und der Garantie der „unschädlichen Zerstreuung“.

Auf der Beliebtheitsskale der Instrumente in unserem Land, rangiert das Akkordeon auf Platz 13, nach diesem bezaubernden, schwungvollen, klangreichen Abend rückt es sicherlich ein wenig nach vorne.

 

Text und Foto: Ulrike Kieser-Hess

 

Bildunterschrift:

Abb. 1: Dass das mürrische Gesicht nur zur Verwirrung des Gegners dient, merkte das Lauffener Publikum schnell: Die wunderbaren Melodien und unterhaltsamen Stories des Hamburgers sorgten für strahlende Gesichter.