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Aktuelle Nachrichten | Kast, Ingrid | 03.02.2020

Rockmusik macht Ideen spürbar

Götz Schwarzkopf ist Autor und Komponist des Musicals „Hölder“ das am 20. Februar uraufgeführt wird

 

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Zwölf Lauffener

Auch im Jahr 2020 stellt der Lauffener Bote jeden Monat jeweils Menschen vor, die in Lauffen a.N. aktiv sind. Dieses Jahr geht es um Personen, die sich rund um den 250. Geburtstag von Hölderlin engagieren oder einen Beitrag zur Lese- und Literaturförderung in unserer Stadt leisten. Ulrike Kieser-Hess führt hierzu zwölf Interviews. Lesen Sie in diesem Boten das zweite Porträt des Jahres 2020.

12 Lauffener: Götz Schwarzkopf   Foto: Ulrike Kieser-Hess

Warum seine Schule Hölderlin-Gymnasium heißt, darüber hat sich der Schüler Götz Schwarzkopf eigentlich keine Gedanken gemacht, „bis nach dem Abitur bin ich Hölderlin eigentlich wenig begegnet“. Der junge Fan von Hesse, Böll und Brecht hatte seine Vorlieben klar auf der musikalischen Schiene, „Musik ist eindeutig die längste Linie in meinem Leben, schon als Kind wurde ich da von meinen Eltern sehr gefördert“. Jetzt hat der Grafik Designer mit Agentur in Kirchheim den von ihm eher spät entdeckten Hölderlin und die Leidenschaft für die Musik zusammengepackt und das Musical „Hölder – Rockmusical“ ist zum Jubiläum entstanden.

 

Eigentlich ist die Entstehung von „Hölder“ eine ganz logische Weiterentwicklung der Schulzeit, denn dort wurde bei Projekttagen durch Musiklehrer Hartmut Clauss der Grundstein gelegt. Er animierte nämlich 1985 sieben Jungs eine Schulband zu gründen, „Profil“ entstand. Beim Neujahrsempfang der Schule traten die Schüler zum ersten Mal auf, drei Lieder im Repertoire. „Die haben wir dann alle immer zwei Mal gespielt, dass es sich nach mehr anhörte“, erzählt Götz Schwarzkopf lachend. „Joseph“ von Andrew Lloyd Webber war zusammen mit dem Chor und anderen Akteuren der Schule das erste Musical-Projekt der neuen Crew. Ein weiterer Faden, der sich durch die Geschichte zieht:  Auch beim neuesten Projekt ist der Schulchor dabei. Die Musicals „Bilder einer wilden Welt“ mit dem Högy, „Albatros“  mit freiem Chor und Tanz-Ensemble, „45“ und „Bitter Sweet“, mit dem Chor Young Chorporation folgten.  Aus „Profil“ wurde, gegründet von Götz Schwarzkopf und Tilman Schoch, „Heimers  Welt“ die seit 2015 zu „Hölders Welt“ mutierte. 34 Jahre miteinander zu musizieren, das empfindet Götz Schwarzkopf als etwas ganz besonderes.

34 Jahre, in denen die Hölderlin-Aufforderung „Komm ins Offene, Freund“ für die Entwicklung der Musiker immer Ansporn war, was Neues zu wagen, auch in neuen Formationen.

 

Seit drei Jahren trifft sich „Hölders Welt“ jede Woche, um die Idee eines Hölderlin-Musicals in die Tat umzusetzen und gemeinsam zu proben, zu diskutieren, auszuprobieren, zu ergänzen, verbessern, „ein solches Projekt ist immer auch ein Gruppenprozess“. Götz Schwarzkopf hat den jungen Hölderlin für sich und für das Musical entdeckt, vor allem „Das älteste System-programm des deutschen Idealismus“, eine Idee, „wie man die Welt für alle Menschen lebenswert gestalten könnte“, die Hölderlin mit Schelling und Hegel entwickelt hat. Götz Schwarzkopf und sein Co-Autor Volker Kießling haben die Gedanken der jungen Tübinger Freunde in die Welt der heutigen Jugend übersetzt, in die Literatur-AG,  die sich mit Hölderlin auseinandersetzen soll, sich dabei auch Gedanken über die sie umgebende Welt machen soll. „Der Dialog alte Zeit – neue Zeit ist spannend und bietet viel Raum für eigene Überlegungen und dazu Parallelen zu finden“. Die Rockmusik, die „kurze Phrasen braucht und die wir richtig gut können“, soll die Ideen und Gedanken der damaligen Zeit ins Heute transportieren, „wir gehen mal wieder ins Offene, wagen was und vertrauen auf Qualität“ resümiert  der Autor und Komponist, „die Botschaft der 18 Lieder heißt bewegt euch, seid mutig“.

 

Hölderlin hat sich natürlich auch im Denken und Fühlen der Musiker eingenistet. „Zuerst habe ich mal einen Lose-Chaos-Ordner eingerichtet“ erzählt Götz Schwarzkopf, „aber mit der Zeit wurde der Dichter mir immer vertrauter, dann haben sich Musik und Lesen verdichtet und ich habe mir gedacht, er stammt ja aus der gleichen Gegend wie Du, er kannte die Wege, die ich heute laufe“. Was ist Hölderlin mittlerweile für den agilen, sportlichen, kreativen Grafik-Designer, Vater von drei Kindern und Vorstand des Kirchheimer Posaunenchors? „Er ist mir ein Begleiter geworden, der anregt Parallelen zu finden, als Wanderer ist er mir ein Vorbild, ein Vorbild auch für die Empfindsamkeit der Welt gegenüber“.

 

Text und Foto: Ulrike Kieser-Hess