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Aktuelle Nachrichten | Kast, Ingrid | 24.02.2020

Auf dass ihr großer Plan gewinne – Bestnote für Musical

„Hölder Rockmusical“ war ein Riesenerfolg – Welturaufführung in der Stadthalle - Rund 2000 Besucher waren bei vier ausverkauften Aufführungen begeistert von Hölderlin nach Noten

Schiller hat recht, wenn er im Musical wünscht: „auf dass ihr großer Plan gewinne. Nur in Gemeinschaft wird es gut, ne Menge gibt ne Menge Mut“. Zwar besingt Schiller da den Plan und den Mut der Menschen, sich gegen Obrigkeiten aufzulehnen aber er hat auch den phänomenalen Musical-Erfolg von „Hölder Rockmusical“ im dichterischen Wort genau getroffen.

 

Denn es war ein großer Plan, den die Ideengeber und Autoren Volker Kießling und Götz Schwarzkopf da zum 250. Geburtstag von Friedrich Hölderlin gefasst haben: Ein Musical auf die Bühne zu bringen, das die Ideen des jungen Studenten in Tübingen, die er zusammen mit Schelling und Hegel entwickelt und zu Papier gebracht hat, ins Jahr 2020 transportieren soll, in die Welt der heute jungen Menschen.

 

Wo findet man diese Teenies? Klar, in der Schule. Ein Literaturkurs hat die Aufgabe bekommen, sich zum Schuljubiläum mit dem Dichter zu befassen, vor allem mit der Schrift, die die drei Tübinger Freunde, von den Ideen der französischen Revolution begeistert, verfasst haben, dem „Ältesten Systemprogramm des deutschen Idealismus“ und seiner inhaltlichen die Jahrhunderte überdauernden Essenz, „wie man die Welt für alle Menschen lebenswert gestalten könnte“, so Musical-Komponist und Sinclair-Interpret Götz Schwarzkopf. Schülerin Lotta (Melisa Özel) ist Feuer und Flamme und versucht ihren Freund Robin (Jonathan Wein)von der Idee Hölderlins Gesellschafts-Ethik zum Highlight des Schulfestes zu machen zu überzeugen. Robin, ganz Kind seiner Zeit, ist skeptisch, will eigentlich von dem alten Zeugs nichts wissen, fordert: „man müsste etwas machen, das die Leute vom Hocker reißt“.

 

Genau das ist der Amateur-Musical-Crew gelungen in einer mitreißenden Gemeinschaftsleistung mit den drei Schulchören des Hölderlin-Gymnasiums, mit der Tanzgruppe der Schule, den Tänzerinnen von „LaPassion“ und der Band „Hölders Welt".

Von der kleinsten Sängerin im Schülerchor bis zu den Solisten war da eine Gemeinschaft spürbar, „ne Menge Mut“, wie Schiller formulierte, die über 18 Songs und zweieinhalb Stunden hinweg ganz intensiv spürbar war. Ob die Szenen im 18. Jahrhundert in der Kneipe von Wirtin Charlotte (Carlotta Waldenberger) oder in der Schule im 21. Jahrhundert spielten, da waren immer alle  mit dabei, überzeugt, motiviert, begeistert, mit höchstem stimmlichen und körperlichen Einsatz, Können und Präsenz. Das war alles durchkomponiert, da kam keine Minute Langeweile auf, wurde der Spielraum perfekt genutzt, stimmgewaltig, stimmungsvoll und stimmig.

 

Hölderlin Musical Foto: Ulrike Kieser-Hess

 

Fast 200 Akteure haben sich einem Dichter zugewandt, haben ihn aus vielen Blickwinkeln betrachtet und haben ihn liebgewonnen. Selbst die eher scheue Lehrerin Tanja Landauer (Heike Christine Wanner), die im Zeitreisemodus auf Hölderlin trifft, -eine geschickte Idee, die Vergangenheit mit der Gegenwart zu verknüpfen, - verliebt sich in den Dichter aus vergangenen Zeiten, natürlich auch musikalisch, in einem bezaubernden, berührenden Duett „Wo du hingehst, will ich mit dir gehn, wo immer du die Nacht durchwanderst will ich bei dir sein“. Ein total liebenswerter Hölderlin (Benedikt Immerz) begegnet den Zuhörern. Ein Hölderlin, der davon träumt, „würd’ mein lebendig Wort nur in euch leben fort“ und der Mitmenschlichkeit propagiert, „zwischen den Zeiten will ich euch begleiten so weit es auch ist“.

 

Hölderlin Musical Foto: Ulrike Kieser-Hess

 

Ein Hölderlin ist da präsent, den man eigentlich verstehen kann, auch wenn er, so die Lehrerin, nicht einfach ist. Die Musical-Macher haben es mit überzeugenden Texten, mit einer Song-Mischung aus verschiedenen Musikstilen geschafft, diesen Dichter unserer Stadt, der in diesem Jahr mit unzähligen Veranstaltungen landauf, landab gefeiert wird, verständlich zu machen. Eingebettet in Probleme, Wünsche, Herausforderungen unserer Zeit, die verdeutlichen, wie aktuell so ein Dichter aus alten Zeiten sein kann. Man wundert sich kaum, wenn Hölderlin ins Jetzt tritt, nur er selbst ist ein bisschen perplex, „dass mich hier jeder kennt“.

 

Musikcal Hölderlin Foto: Ulrike Kieser-Hess

 

Gemeinschaft war ein Pluspunkt von „Hölder Rockmusical“, die Stimmen der Solisten ein weiterer. Da blieb nichts zu wünschen übrig, da überzeugten alle klar, pointiert in Höhen und Tiefen, mal rockig, mal balladenhaft. Fazit: Klassenziel absolut erreicht und ein Highlight zum Schul-(Hölderlin) Jubiläum war in Hölderlins Geburtsstadt gesetzt.

Eine Kurzumfrage unterm Publikum: „Nennen Sie eine Schulnote für die Leistung“, ergab ganz eindeutig: Eins mit Stern.

 

Text und Fotos: Ulrike Kieser-Hess