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Aktuelle Nachrichten | Kast, Ingrid | 11.03.2020

Verwalten hat auch immer etwas mit gestalten zu tun

Das Hölderlinhaus soll ein Ort der Begegnung werden, das wünscht sich Bürgermeister Klaus-Peter Waldenberger zu Hölderlins Geburtstag am 20. März

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Zwölf Lauffener

 

Auch im Jahr 2020 stellt der Lauffener Bote jeden Monat jeweils Menschen vor, die in Lauffen a.N. aktiv sind. Dieses Jahr geht es um Personen, die sich rund um den 250. Geburtstag von Hölderlin engagieren oder einen Beitrag zur Lese- und Literaturförderung in unserer Stadt leisten. Ulrike Kieser-Hess führt hierzu zwölf Interviews. Lesen Sie in diesem Boten das dritte Porträt des Jahres 2020.

 

 12 Lauffener: Klaus-Peter Waldenberger Foto: Ulrike Kieser-Hess

 

Der Leistungskurs Deutsch kann von Vorteil sein, wenn man einmal Bürgermeister von Lauffen am Neckar wird. Das kann Klaus-Peter Waldenberger, seit 1999 Chef der Stadtverwaltung, bestätigen. Denn am Nikolaus-Kistner-Gymnasium in Mosbach hatte der viel lesende Schüler mit der Vorliebe für Gedichtinterpretationen den ersten Kontakt zum berühmtesten Sohn unserer Stadt.  

 

Als er sich um den Posten des Bürgermeisters in Lauffen bewarb wusste er: „Wer sich in Lauffen um das Amt des Schultheißen von Stadt und Dorf bemüht, sollte sich für Wein interessieren, idealerweise für Baudenkmale, aber unverzichtbar für Literatur“.

Denn schon um die Jahrtausendwende war dem Verwaltungsteam klar, es muss nicht nur der Weinbau gefördert und viel historische Bausubstanz saniert werden, 2020 steht ein runder Geburtstag ins städtische Haus und jetzt sogar ins Hölderlin Haus an der Nordheimer Strasse 5., der

250. Geburtstag des Dichters. Für alle Verantwortlichen galt es nun dem  Geburtstagskind einen würdigen Rahmen für seine Feier zu bereiten, die Voraussetzungen zu schaffen „für eine starke, eindrucksvolle Präsentation“.

 

Einiges hat Lauffen da schon zu bieten, ein Hölderlinkunstwerk, das 2003 von dem Künstler Peter Lenk gestaltet wurde, Beschriftungen mit Hölderlin Sentenzen an Häuserwänden, ebenso wie einen Hölderlin Freundeskreis, der 2011 auf Initiative des Bürgermeisters gegründet wurde, eine Hölderlinbeauftragte der Stadt, ebenso wie Bürger, die die Vorhaben zu Ehren des Dichters ideell und auch finanziell unterstützen. „Immerhin haben wir in Lauffen den einzigen komplett authentischen Ort, an dem Hölderlin gelebt hat. Alle anderen Bauwerke in den anderen Städten sind Nachbauten“.

 

Seine Stärken zum Wohle der Stadt einzusetzen ist für Klaus-Peter Waldenberger immer Ziel seiner Kommunalpolitik. Die Finanzierung, die Beschaffung von Fördergeldern für die Renovierung des Hölderlinhauses gehören da dazu, aber auch der Antrag das Haus und seine Umgebung ins Sanierungsprogramm des Landes einzubinden. Alles hat geklappt und nun kann zusammen mit dem Klosterhof ein Begegnungsort entstehen, der neben dem Gedenken an den Dichter „wir wollen uns besonders dem Menschen Hölderlin nähern“, auch eine Anlage für Konzerte, Lesungen, Trauungen, Sitzungen und vieles mehr bietet.

An die Zeit, als für ihn mit Lauffen auch die Sache mit Hölderlin immer mehr ins Blickfeld rückte, erinnert sich der Rathauschef gut, „Hölderlin wurde mir damals immer mit dem Vornamen verrückt vorgestellt“. Das wollte er so nicht stehen lassen, hat sich und seine Familie ins Hölderlinverstehen eingebunden, „wir haben im Urlaub gemeinsam schon mal das eine oder andere Gedicht auswendig gelernt“ und rät er schmunzelnd, man sollte sich einfach eines heraussuchen und hinterfragen, wie er es vor einigen Jahren mit dem Gedicht „Andenken“ gemacht hat. Es spielt in Bordeaux, wo der Dichter einige Monate als Hauslehrer tätig war, und man erlebt Landschaften, Menschen, Freundschaften, ohne dass man den letzten Sinn verstehen muss – wer sind die „braunen Frauen daselbst, auf seidenem Boden“? Ist das wirklich wichtig? Große Freude hat der Schultheiß von Dorf und Stadt Lauffen an der gekonnten Fabulierkunst des Dichters, an seiner Fähigkeit durch Sprache Bilder zu erzeugen, „oft bin ich berührt von der Tonalität Hölderlins. Ich habe eine Nähe zu ihm gefunden“.

 

Mit den verschiedensten Aktivitäten und Angeboten will die Stadt auch weiterhin die Annährung an Hölderlin fördern. Musical, Lesungen, Konzerte, Poetry Slams, Theateraufführungen, Vorträge und Feste sind geplant. Dem Dichter will man eine Plattform schaffen, das sieht Klaus-Peter Waldenberger als Aufgabe der städtischen Verwaltung, wobei für ihn klar und wichtig ist: „ verwalten hat auch immer etwas mit gestalten zu tun“. Lauffen ist Hölderlins Geburtsstadt und dem gilt es Rechnung zu tragen, „seine Stärken für den Dichtern und das Gemeinwesen einzusetzen.“

"Ein Kulturprojekt dieser Größe ist im Gegensatz zu einer Sporthalle, einer Mensa oder einem Kindergarten in jeder Stadt in der Diskussion und kommunalpolitisch heikel", so der Bürgermeister. Er schlägt vor, sich das bei Veranstaltungen und im Bürgerbüro kostenlos verfügbare Jahresprogramm Hölderlin 2020 zu besorgen. Auf 280 Seiten werden über 600 Veranstaltungen in ganz Deutschland vorgestellt. "Dann kann man sich ein eigenes Urteil bilden, ob sich die Geburtsstadt Lauffen in diesem Jahr zu viel oder zu wenig engagiert".

 

Text u. Foto: Ulrike Kieser Hess