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Aktuelle Nachrichten | Kast, Ingrid | 31.03.2020

Die Ideen gehen ihr nie aus

Seit 2011 ist Gerlinde Endriß 1. Vorsitzende des Hölderlin-Freundeskreises und das mit viel Freude am Amt

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Zwölf Lauffener

Auch im Jahr 2020 stellt der Lauffener Bote jeden Monat jeweils Menschen vor, die in Lauffen a.N. aktiv sind. Dieses Jahr geht es um Personen, die sich rund um den 250. Geburtstag von Hölderlin engagieren oder einen Beitrag zur Lese- und LIteraturförderung in unserer Stadt leisten. Ulrike Kieser-Hess führt hierzu zwölf Inerviews. Lesen Sie in diesem Boten das vierte Porträt des Jahres 2020.

 

12 Lauffener: Gerlinde Endriß Foto: privat

 

Als die Juristin Gerlinde Endriß vor neun Jahren gefragt wurde, ob sie sich denn vorstellen könnte, im neu zu gründenden Hölderlin-Freundeskreis mitzuarbeiten, hat sie kurz überlegt und dann ja gesagt. Ohne zu ahnen, dass sie am Gründungstag im Mai 2011 noch auf eine Zusatzfrage gefasst sein musste, nämlich die von Bürgermeister Klaus-Peter Waldenberger, ob sie denn auch bereit sei, den Vorsitz zu übernehmen. „Ich war zwar total überrascht“, erinnert sie sich heute noch an den Moment. Sie hat damals wieder ein bisschen überlegt und dann zugesagt, „ja das kann ich mir vorstellen, das bekomme ich hin“.

 

Für Gerlinde Endriß, die vor ihrem Ruhestand als Richterin am Landessozialgericht in Stuttgart gearbeitet hat, war klar, „bei einer Vereinsführung nutzen mir meine juristischen Vorkenntnisse, außerdem habe ich in der Nachberufsphase mehr Zeit, bin beharrlich  und habe viele Ideen“. Ganz am Anfang fehlte ihr noch: „der Musenkuss, den viele Hölderlinfans haben“. Sie musste sich behutsam diesem Dichter nähern, „ihn erst mal kennenlernen“. Denn als Juristin, mit dem Hobby Sport und Hunde, sah sie sich in Sachen Literatur zunächst als Quereinsteigerin. Heute ist sie eine große Hölderlin-Bewunderin, „aber ich bin immer noch eine Lernende in Sachen Hölderlin, das hört nie auf“. Aber in Zukunft gesteht sie lächelnd, „muss auch mal Schluss sein mit lernen, dann geht es ans Genießen, denn Hölderlin tut einem gut“. Mit seinen Briefen hat sie ihr privates Literaturstudium begonnen, hat sich mit Marcel Reich-Ranicki  seinen Gedichten  genähert, mit Wolfram Groddeck Hölderlins Elegie „Brod und Wein“ studiert, bei Kursen mit dem Philosophen Christoph Quarch „Tempo in Bezug auf Hölderlin  aufgenommen“ und dabei schnell ein Ziel für ihren Freundeskreis gefunden: „die Bevölkerung anzusprechen und vermitteln, dass man Hölderlin verstehen kann“. Das hat sie im Laufe der Jahre einiges an Kraft gekostet, manches Mal war sie schon gefrustet, „manches geht man mit viel Idealismus an und scheitert dann trotzdem, so ist es uns leider mit unseren didaktischen Zielen ergangen, die nicht so angenommen wurden, wie wir uns das vorgestellt haben“. Aber für  Gerlinde Endriß überwiegt bei weitem  die Freude an ihrem Amt. Denn: „ich habe so viel Neues, so viele interessante Menschen kennengelernt, habe  Ausflüge, Konzerte, Lesungen und Kurse initiiert und durchgeführt und konnte viele Ideen verwirklichen“ - da spürt man auch im Gespräch ihre Begeisterung, ihr Engagement für ihren Freundeskreis. „Allerdings hätte ich das ohne die tatkräftige Hilfe der Vereinsmitglieder nicht geschafft“.

 

Sie weiß gar nicht womit sie anfangen soll zu erzählen von den kleinen und großen Highlights, vielleicht mit: den Leporellos mit Rea Siegel, dem Hölderlinkalender gestaltet von Schülern der Werkrealschule und Hans Krauss mit dem Leseabend mit Büchner-Preisträger Jan Wagner, dem SRW Sprecher Rudolf Guckelsberger oder die Ausflüge zu Hölderlins Orten. Gerlinde Endriß lacht, „am Anfang habe ich noch gedacht, wir müssten unbedingt auf Hölderlins Spuren nach Bordeaux, aber man wird bescheidener“. Wenn sie heute am neuen, super renovierten Hölderlinhaus in der Nordheimer  Strasse vorbei kommt, denkt die Vorsitzende des Freundeskreises sofort an das Kinderfest 2014, als nämlich der Festwagen des Freundeskreises schon der Umzug in das Haus vorweg nahm, unter dem Motto „wir ziehen um“. „Das hat ja jetzt geklappt“ freut sich Gerlinde Endriß, denn „ das Hölderlin Haus und seine Instandsetzung  war eines der Ziele des Freundeskreises“. Fürs Jubiläumsjahr hat der Freundeskreis mit seinen rund 90 Mitgliedern ein weiteres Hölderlin Bonbon im Angebot. Im November wird das Landestheater Tübingen mit seinem „Hyperion“ in Lauffen gastieren, „Wir haben uns für was ganz Besonderes entschieden“, verrät Gerlinde Endriß stolz.

 

Für die Zukunft wird Gerlinde Endriß das Genießen in den Vordergrund schieben, den Freundeskreis-Vorsitz im Frühjahr 2021, nach zehn Jahren,  abgeben, „der Verein läuft“, im Vorstand gerne noch dabei sein, Hölderlintexte als Wellnessprogramm betrachten, sich zusammen mit ihrem Mann Michael um ihre zwei Hunde kümmern und worauf sie sich besonders freut: „öfters mal meinen zweieinhalb Jahre alten Enkel in Köln besuchen“.

 

Text: Ulrike Kieser-Hess

Foto: privat