Virtueller Lauffener Bote

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Aktuelle Nachrichten | Kast, Ingrid | 29.05.2020

Schumann und Hölderlin passen perfekt zusammen

Andreas Willberg ist seit fünf Jahren Kantor in Lauffen und liebt das Zusammenspiel von Musik und Lyrik

Zwölf Lauffener

Auch im Jahr 2020 stellt der Lauffener Bote jeden Monat jeweils Menschen vor, die in Lauffne a.N. aktiv sind. Dieses Jahr geht es um Personen, die sich rund um den 250. Geburtstag von Hölderlin engagieren oder einen Beitrag zur Lese- und Literaturförderung in unserer Stadt leisten. Ulrike Kieser-Hess führt hierzu zwölf Interviews. Lesen Sie in diesem Boten das sechste Porträt des Jahres 2020.

 

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1986 beginnt für den in diesem Jahr in Balingen geborenen und in Karlsruhe aufgewachsenen Andreas Willberg seine persönliche Zeitrechnung. Schon vier Jahre später war für ihn klar, dass er mal der sein möchte, der Orgel spielen kann. Nochmal 20 Jahre später entdeckte er bei einem Vortrag über die Elegie „Brod und Wein“ Hölderlin für sich, „das hat mich richtig gepackt“ und als er 2015 als Kirchenmusiker nach Lauffen kam, beschloss er: „Hölderlin auch durch und mit Musik zum Sprechen zu bringen“.

 

Andreas Willberg, Foto Ulrike Kieser-Hess

 

 

Schon als kleiner Junge hat Andreas Willberg sich aus Kartons eine Orgel gebaut, der sich wohl keine Töne entlocken ließen, die aber auch seine Eltern von seinem Orgelspieltraum überzeugt hat. Nach dem Klavierunterricht kamen dann mit elf Jahren die Orgelausbildung und schon bald die ersten sonntäglichen Einsätze als Organist. Nach dem Abi auf dem Eichendorff-Gymnasium in Ettlingen, „bei dem Namen hat schon meine Liebe zur Literatur in der Luft gelegen“, studierte Andreas Willberg in Stuttgart und Wien Kirchenmusik und Musikwissenschaft, widmete sich neben weiteren Schwerpunkten wie Chorleitung dem Instrument, „das über einen unerschöpflichen Reichtum an Klangfarben verfügt, wie ein ganzes Orchester klingen und jeden Musik-Stil transportieren kann und dem Spieler viel Raum für Kreativität bietet .“ Hauptberuflich startete er nach dem Studium mit einem Assistenz-Jahr in Göppingen, dann kam die Anstellung als Elternzeitvertretung bei der evangelischen Kirchengemeinde in Lauffen, „eigentlich für ein Jahr, jetzt sind fünf prägende Jahre daraus geworden“, erzählt er. Der Anblick der Regiswindiskirche hat ihn bei seinem ersten Lauffen Kontakt schwer beeindruckt, dort seinen Arbeitsplatz zu haben, hat er „als Geschenk empfunden, für das ich dankbar bin“. Dass die Regiswindiskirche auch die Taufkirche von Hölderlin ist gefällt ihm besonders gut, denn „Lauffen kann sich kein besseres Idol wünschen als diesen toleranten, genialen Dichter“.  Dessen Sprache ist mit ihrem Rhythmus für den Kantor „kurz davor Musik zu sein“ und er hat es sich in seiner Lauffener Zeit auch vorgenommen „dazu beizutragen mittels der Musik für ihn hier Sympathie zu schaffen“. Das war auch ein Ziel des jüngsten Chor-Orchester-Orgel Projektes von Andreas Willberg, des Konzertes zum Hölderlin Jubiläum „“Es ist eine ganz eigne Stimmung darin“, einer Homage an Hölderlin und Robert Schumann, das wegen der Einschränkungen durch das Corona-Virus abgesagt werden musste.   Zwei Künstlerpersönlichkeiten mit „individuellen Lebensgeschichten“ wollte man mit Musik und Lesung miteinander verknüpfen, „die sich beide auf eine ganz eigene Art mit dem christlichen Glauben auseinandergesetzt haben“.

 

Für Andreas Willberg endet im Sommer seine Zeit in Lauffen. Ein „emotionaler Abschied“ ist es für ihn, das Amt des Bezirkskantors in Marbach steht auf seiner beruflichen Agenda. Was er aus Lauffen mitnimmt, „die Erfahrung, wie gut Kommune und Kirche gemeinsam das kulturelle Leben bereichern können und wie viele Menschen wir in der Gemeinde haben, die sich musikalisch engagieren. „Allein in unseren Chören, im Regiswindis-Kinderchor, im Gospelchor JUST4YOU und im Chor der Regiswindiskirche sind das aktuell rund 200 Personen und das ist bei weitem nicht selbstverständlich“. 150 Gottesdienste im Jahr musikalisch gestalten, vier Chorproben jede Woche leiten und 30 Veranstaltungen im Jahr planen, organisieren und durchführen, sowie 20 Auswärtskonzerte als Organist, Andreas Willbergs Terminkalender ist bestens gefüllt, „ üben sollte man auch noch,“, ergänzt er lachend, und all das „geht ohne Begeisterung und ohne Feuer nicht“.

 

Text und Foto: Ulrike Kieser-Hess