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Aktuelle Nachrichten | Keßler, Bettina | 27.07.2020

Umwelttheater mit der Blutbuche als Partner

Der Berliner Schauspieler Peter Trabner gastierte mit "Tod des Empedokles" in Lauffen

Hölderlin.2020 Lauffen am Neckar (Grafik: Ina Bauer)Literatursommer Logo

 

Peter Trabner - Tod des Empedokles im Lauffener Klosterhof (Foto: Ulrike Kieser-Hess)Manchmal ist er ganz schön laut, so richtig total wütend, ereifert sich, schreit alle an, der Peter Trabner, manchmal ist er ganz leise, ergreifend, legt viel tiefes Gefühl in schöne, fließende Worte voller Rhythmik. Der Berliner Schauspieler  und Performancekünstler hat in Lauffen open air aufgeschlagen, ist mit „Tod des Empedokles“ zu Gast, hat die alte Blutbuche im Klosterhof zu seinem Baum-Partner auserwählt und was er treibt, macht ihm sichtlich viel Spaß – dem Publikum auch.

 

Hölderlins Trauerspiel „ Der Tod des Empedokles“, 1797 begonnen und nie vollendet, „er kriegte es nicht auf die Reihe“, dient Peter Trabner als „Grundgerüst“ für eine generelle sprachgewaltige Abrechnung mit Konsumverhalten und Umweltvergehen. Wer befürchtet, damit in eine belehrende Stunde mit erhobenem Zeigefinger geraten zu sein, täuscht sich. In eine Probensituation stolpert man als Zuschauer förmlich hinein: der Mime ist engagiert, den Empedokles zu spielen, hält Zwiesprache mit einem Baum, kann sich aber nicht so ganz auf seine Theaterrolle konzentrieren, schweift ab, weil ihn die aktuelle Situation der Natur doch wohl mehr interessiert.

 

Trabner versteht es, trotz allem Ernst der von ihm gekonnt offen-verhüllt beschriebenen Missstände, von Plastikmüll bis Billigfleisch, vom sinnlosem CO2 Verbrauch bis zu von Geiz gesteuertem Konsumverhalten, von Waldrodungen bis zu Waffenhandel, Wasserknappheit und Wasservergeudung bis zu Tourismus -Ausuferungen, seine Botschaften unterhaltsam zu verpacken. Man bleibt gespannt dabei, was als nächstes kommt, lacht, obwohl man womöglich einen SUV fährt und Wasser aus der Plastikflasche trinkt.

Manche Besucher werden aktiv einbezogen: Reh und Wolf werden im Publikum rekrutiert, ebenso der Jäger, der Tiere schießt, die vom Aussterben bedroht sind.

 

Alles geht in rasantem Tempo rund um den Baum voran, Trabner hat den Schnellsprechgang eingeschaltet, greift in Windeseile neue Umweltthemen auf, beweist viel Fachwissen, drückt aufs Tempo  und wird dann auf einmal ruhig, fast getragen, Hölderlin hat ihn wieder. Und sein immer wieder gebrülltes „Circle of Nature“ wird zum schönen „O, innige Natur ich habe dich vor Augen“.Trabner verknüpft die beiden Sprachformen, modern und klassisch, wechselt gekonnt, lässt erkennen, wie aktuell ein Hölderlin sein kann.

 

„Ich will Theaterspielen, nicht die Welt retten“, berichtet Trabner seinem Publikum, das ihn wohl schon aus dem Dresdner Tatort kennt, und seinem Baumpartner. Aber dem Publikum (und sicher auch der Blutbuche) ist schnell klar, er will übers Spiel hinaus Denkanstöße geben, wie jeder für sich und für viele etwas in Richtung Erhalt und Schonung der Umwelt tun kann. Trotz aller Späße und Gags nimmt man ihm die Botschaft ab.

 

Text und Foto: Ulrike Kieser-Hess

 

Bildunterschrift:

Abb. 1: Mit großer Leidenschaft und vollem Körpereinsatz überzeugte Peter Trabner am Samstag und Sonntag im idyllischen Innenhof des Lauffener Klosterhofs  - eingeladen von der Stadt Lauffen a.N. und unterstützt von der Baden-Württemberg Stiftung.