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Aktuelle Nachrichten | Kast, Ingrid | 27.07.2020

Bezaubert von Schönheit und Perfektion

Hölderlinporträt des italienischen Künstlers Massimiliano Pironti übergeben

„Dies Bildnis ist bezaubernd schön“ befindet schon Tamino in Mozarts „Zauberflöte“. Ein solch bezauberndes  Bildnis allerdings von keiner Prinzessin, sondern von einem jungen Mann, kann man jetzt im Lauffener Hölderlinhaus entdecken. Der italienische Künstler Massimiliano Pironti hat ein hyperrealistisches Hölderlinporträt  geschaffen, das durch Schönheit des Dargestellten, aber auch durch handwerkliches Können, durch Liebe zum Detail und zur Perfektion, bezaubert und aus jedem Blickwinkel die Nähe zum Dichter spüren lässt. Heinz-Dieter Schunk und seine Tochter Kristina hatten die Idee zu einem solchen Porträt, haben es in Auftrag gegeben und dem Hölderlinhaus geschenkt.

 

Fotos: K.P. Waldenberger u. Ulrike Kieser-Hess

Bildunterschrift: v.l.n.r. Ehrenbürger Heinz-Dieter Schunk, Massimiliano Pironti, Kristina Schunk

 

Sie strahlen beim Installieren des Bildes an der Wand im neuen Anbau des Hölderlinhauses. Das fertige Werk gefällt ihnen ausnehmend gut, genauso wie dem Gast bei der Enthüllung, Landrat Detlef Piepenburg. Auch Bürgermeister Klaus-Peter Waldenberger ist begeistert, komplementiert doch das Porträt auch die Reihe von Hölderlin-Darstellungen im Ort, vom Denkmal am Klosterhof, über das Hölderlin-Kunstwerk am Kreisel von Peter Lenk.

Wie Hölderlin wirklich ausgesehen hat, keiner weiß es genau. Es gibt 13 Zeichnungen aus verschiedenen Lebensphasen und das bekannte Pastell von Franz Carl Hiemer von 1792, das das Hölderlinbild bis heute prägte.

 

 

Fotos: K.P. Waldenberger u. Ulrike Kieser-Hess

Bildunterschrift: v.l.n.r.  Eva Ehrenfeld, Massimiliano Pironti, Frederic Kaminski, Kristina Schunk, Ehrenbürger Heinz-Dieter Schunk, Landrat Detlef Piepenburg

 

„Das Werk von Hiemer hatte ich auch immer im Kopf“, erinnert sich der 38jährige Künstler, der aus Rom stammt und seit fünf Jahren in der Region Stuttgart lebt. Das Gedicht „Hälfte des Lebens“ hat ihn nach vielen Monaten der Beschäftigung mit Hölderlin darauf gebracht, einen Menschen mit Öl auf Aluminium zu bringen, der in der Mitte des Lebens steht, etwas melancholisch auf das eher leichtere Vergangene schaut, aber schon eine Ahnung von der kommenden Düsternis hat. „Eine gute Abbildung eines Menschen muss seine Seele erahnen lassen“, das ist Pirontis Credo. Bis ins letzte Detail, „bis zur letzten Pore, aber immer begleitet von Innerlichkeit“, will er sich dem Gemalten nähern, ihn dem Betrachter näher bringen.

Bleibt das Problem, wie hat Hölderlin ausgesehen. Massimiliano Pironti bedient sich eines Kunstgriffs: Er hat ein Model gesucht, das seiner Vorstellung von Hölderlin, dem Hiemer-Porträt und Hölderlins Vorliebe für die Gestalten der Antike möglichst nahe kommt. So wurde ein römischer Schauspieler ausgewählt, für den „neuen jungen schönen“ Hölderlin, einen Dichter am Schreibtisch sitzend sein Werk in Händen haltend, sich daran festhaltend.

Papst Franziskus, ein ausgewiesener Hölderlinfreund, hat die erste Reproduktion des Lauffener Originals bekommen, sie im Vatikan aufhängen lassen und sich gefreut: „Die Gegenwart und die Zukunft brauchen Stimmen wie die Hölderlins, die uns alle daran erinnern, ‚Wo aber Gefahr ist, wächst das Rettende auch‘“.

 

Text und Foto (1): Ulrike Kieser-Hess

Foto (1) Klaus-Peter Waldenberger