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Aktuelle Nachrichten | Keßler, Bettina | 05.08.2020

Von Hogwarts bis Hölderlin: Kultur für alle Lebenslagen

Bettina Keßler, Leiterin des Lauffener Bürgerbüros, hat die Reihe „zu Gast bei Hölderlin“ ins Leben gerufen

Logo 12 Lauffener

 

 

Zwölf Lauffener

Auch im Jahr 2020 stellt der Lauffener Bote jeden Monat jeweils Menschen vor, die in Lauffen a.N. aktiv sind. Dieses Jahr geht es um Personen, die sich rund um den

250. Geburtstag von Hölderlin engagieren oder einen Beitrag zur Lese- und Literaturförderung in unserer Stadt leisten. Ulrike Kieser-Hess führt hierzu zwölf Interviews. Lesen Sie in diesem Boten das achte Poträt des Jahres 2020.

 

 

12 Lauffener: Bettina Keßler, August 2020 (Foto: Ulrike Kieser-Hess)

 

 

Geboren und aufgewachsen in Franken, Anglistik und Romanistik studiert in Würzburg, London und im französischen Caen, begeistert von Jane Austen, Shakespeare und Harry Potter: Kann so jemand ein richtiger Hölderlinfan werden? Bettina Keßler hat es geschafft. Seit 2002 arbeitet sie bei der Stadt Lauffen, erst als Bürgerreferentin und jetzt als Leiterin des Bürgerbüros. In ihren Aufgabenbereich fiel schon immer das städtische Kulturprogramm „bühne frei…“ und für Hölderlin, der „mir sehr ans Herz gewachsen ist“, hat sie schon vor vielen Jahren eine eigene Veranstaltungsreihe ins Leben gerufen, „zu Gast bei Hölderlin“. In dieser Reihe versucht sie, „immer Dinge zu finden, die diesen Mensch und seine Dichtung einem näher bringen. Diesen Menschen, der von kleinen Dingen ausgehend große Weltsichten schafft“.

 

Literaturvermittlung steht beim Hölderlinbesuch auf den Fahnen, denn, so die agile, ideenreiche, kompetente Vermittlerin: „Literatur ist wichtig und bereichernd und ich möchte den Menschen mit den Veranstaltungen Momente ermöglichen, an die sie sich gerne erinnern“. Ihr ist schon klar, „dass man mit Literaturveranstaltungen keine Olympiastadien füllen kann“, Künstler gilt es für sie zu finden, die Literatur zugänglich machen, die literarische Texte mitreißend verpacken. Oliver Steller fällt ihr da spontan ein, der Literatur für Kinder erfolgreich mit seinen Liedern und Geschichten transportiert. „Meine Kinder haben sicherlich auch auf diesem Wege noch mehr Zugang zu Texten gefunden“, erinnert sich die Mutter von zwei Teenagerkindern. Lesen steht natürlich auch im Privaten für die ganze Familie auf der Hitliste ganz oben, Science Fiction und Fantasy bei Ehemann Manuel Keßler und Sohn Felix, Jugendliteratur von Kerstin Gier bis Karen M. McManus bei Tochter Miriam.

Für ihre Künstlersuche zapft Bettina Keßler alle Vermittlungsquellen an, Agenturen, YouTube-Videos, Kulturbörsen, persönliche Empfehlungen und Bewerbungen. „man muss Augen und Ohren offen halten und auch die Trends aufspüren“.

 

Kulturmanagement stand auf ihrem Studienplan und ihr Ziel, „kein exklusives Programm für wenige zu machen, sondern möglichst viele Wege zur Kultur zu öffnen“. Das kann Blasmusik ebenso sein, wie Comedy, irische Lieder ebenso wie Cellokonzerte oder die persönliche Vorstellung von Lieblingsgedichten: „Wir sind eine bunte, lebendige Kulturgemeinschaft“. Dass einige der rund 15 jährlichen „bühne frei“-Veranstaltungen in Lauffen in Kooperation mit Vereinen oder Initiativen veranstaltet werden, darin sieht Bettina Keßler eine tolle Chance der kulturellen Zusammenarbeit mit einer breiten Offenheit, aber auch, „dass die kleineren Veranstalter sich was trauen, wir unterstützen in Werbung und Organisation“.

 

Zur Unterstützung all ihrer kulturellen Aktivitäten hat die Kulturmanagerin den Kulturkreis. „Bei Empfehlungen und Auswahl der Veranstaltungen, bei der Künstlerbetreuung, beim Catering, beim Einlass, immer weiß ich meine engagierten ehrenamtlichen Helfer an meiner Seite, das tut gut und ist enorm wichtig“. Den Künstlern ein liebevolles Willkommen zu vermitteln, auch dafür steht der Lauffener Kulturkreis.

 

In den vielen Jahren Kulturarbeit sind Bettina Keßler natürlich viele Künstlerinnen und Künstler begegnet und ihr Resümee ist klar: „Je bekannter jemand ist, desto professioneller ist er im Normalfall, oft bescheidener, umgänglicher und wertschätzender“. Marianne Sägebrecht, Walter Sittler, Giora Feidmann, Rüdiger Safranski fallen ihr da ein, die nicht nur auf der Bühne glänzten, sondern auch im Umfeld „tolle Personen mit Herzblut und Engagement“ sind.

 

In Pandemie-Zeiten ist die Planung von Veranstaltungen natürlich ein Mega-Thema: „wir müssen in Richtung open-air denken und alle Hygienemaßnahmen penibel einhalten“. Aber es geht auch um Existenzen, „die Kulturlandschaft zu erhalten ist und bleibt Gemeinschaftsaufgabe“.

 

Text und Foto: Ulrike Kieser-Hess