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Aktuelle Nachrichten | Kast, Ingrid | 14.08.2020

Ein kühner Versuch gelingt

Oskar von Miller, ein Pionier mit zukunftsweisenden Ideen, machte Lauffen im 19. Jahrhundert berühmt

Wer kennt sie nicht, die Monumentalfigur der „Bavaria“ auf der  Münchner Theresienwiese.  Zum Oktoberfest 1850 wurde sie enthüllt, entstanden ist sie in der königlichen Erzgießerei von Ferdinand von Miller, dem Vater von Oskar von Miller, dem Gründer des Deutschen Museums in München und Technikpioniers, nach dem in Lauffen eine Straße benannt ist. 14 Kinder hatten die von Millers und der Jüngste, Oskar, geboren 1855, fiel während der Schulzeit und dem Bauwesen-Studium nicht durch besonderen Fleiß, sondern durch ein ausgeprägtes Talent zum Feiern und durch seine Unruhe auf. Eine Unruhe, die ihn wohl auch als Erwachsenen nicht verlies und Motor für viele seine Projekte und Initiativen war. Projekte, die ihn berühmt machen sollten. Wie die Drehstromübertragung von Lauffen nach Frankfurt im Jahr 1891.

 

 

Bildunterschrift: Infostele an der Oskar-von-Miller Straße

 

 

Schon zuvor, 1882, nach einem Besuch der ersten internationalen elektrotechnischen Ausstellung in Paris, organisierte er eine solche Ausstellung in Deutschland. Im Rahmen dieser Ausstellung gelang  die erste Starkstromfernübertragung über 57 km von Miesbach nach München, damit war der Weg zu einer ortsunabhängigen Stromversorgung geebnet.

1883 gründete er mit Emil Rathenau die Deutsche Edison-Gesellschaft, die spätere Allgemeine Elektricitäts-Gesellschaft (AEG) und die beiden waren bis 1889 deren Direktoren. Vizedirektor Felix Deutsch urteilte damals wenig freundlich über von Miller: „Sein unstetes Wesen sein Interesse für angeblich künstlerische Dinge, sein kompletter Mangel an Ordnung erzeugten viele Differenzen“.

 

Strom Stadtführung

Foto: Zementwerk Lauffen a.N.

 

Von Miller wagte dann 1890 den Schritt in die Selbstständigkeit und gründete ein Ingenieurbüro in München, das auf dem Gebiet der Energiewirtschaft führend wurde.

1891 organisierte er als Leiter der Internationalen Elektrotechnischen Ausstellung in Frankfurt am Main die 20.000 Volt-Kraftübertragung Lauffen-Frankfurt, die einen wichtigen Durchbruch für die Energieübertragung von Wechselstrom darstellte.

169,93 Kilometer galt es zu überwinden. Benötigt wurden 3182 Telegrafenstangen, jeweils acht Meter hoch, 60 Tonnen Kupferdraht und 9546 Porzellanisolatoren. Acht Arbeitskolonnen arbeiteten gleichzeitig und stellten die Stromleitung in sechs Wochen fertig.  Am 24. August abends um 20 Uhr kam der Strom aus Wasserkraft vom Portland Cement-Werk  in Lauffen, wo damals 60 Prozent über Bedarf produziert wurde, in Frankfurt an. Bald leuchteten dort 1000 Glühlampen, plätscherte ein künstlicher Wasserfall.

Doch der umtriebige Münchner hatte noch einiges vor: 1903 gründete er das Deutsche Museum. Didaktisch war Oskar von Millers Museumskonzept damals völlig neu: Das Museum sollte für alle etwas bieten und Technik und Naturwissenschaft zum Allgemeingut machen. Miller wollte ein technisches Museum zum Anfassen, ein Museum, das Spaß macht. Legendär ist Oskar von Millers Ausspruch zum Deutschen Museum: „In diesem Haus darf jeder machen was ich will“. Von  1918 bis 1924 war Oskar von Miller Projektleiter des Walchenseekraftwerks, des damals größten Wasserkraftwerks der Welt. 1934 starb er an einem Herzanfall in seinem Deutschen Museum.

 

Oskar von Miller zur Drehstromübertragung Lauffen-Frankfurt: „Gelingt dieser Versuch, und ich glaube an ihn, weil er allzu kühn ist – so hat die Frankfurter Ausstellung sich ein Ehrenblatt in der Geschichte der Elektrotechnik gesichert“.

 

 

Text: Ulrike Kieser-Hess