Virtueller Lauffener Bote

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Aktuelle Nachrichten | Kast, Ingrid | 24.08.2020

Wasser für die Katzenwäsche gab es aus einer Quelle

In einer durch Abbau entstandenen Höhle im Weinberg haben 16 Lauffener die letzten Kriegstage verbracht

Kalt war es im April  nachts noch in den letzten Kriegstagen. Aber dennoch hatten sich 16 Lauffener, hauptsächlich Frauen und Kinder entschieden, in einer halboffenen Leberkies-Höhlengrube in den Weinbergen Richtung Hausen Schutz zu suchen. Die provisorische Behausung war durch den Abbau des wärmespeichernden  Markasitgesteins (dem Leberkies) entstanden, das die Wengerter damals zum Temperaturausgleich in den Weinbergen ausbrachten.

 

Die Front kam näher, von Zabergäu näherten sich die französischen Soldaten, Granaten schlugen im Ort ein und im Berg fühlte man sich sicherer.

 

Foto Ulrike Kieser-Hess - Geschichten von früher

 

Rose Schulz, Hans Schneider und Marianne Link, damals Kinder, erinnern sich. „Mit einem Leiterwagen voll Nützlichem und Proviant, machten wir uns im April in der Dämmerung auf den Weg“.  Eine Behausung hoch oben im Weinberg, 15 Quadratmeter groß, sollte ihr schützendes Zuhause für die nächsten Wochen sein. In 60 Zentimeter Höhe war eine Pritsche angebracht auf der alle schliefen, die Decke wurde wegen Tropfwasser mit alten Säcken oder Pferdedecken  abgedeckt, der Höhleneingang mit einer alten Decke verschlossen.

Die Lauffener hatten Proviant mitgebracht, Brot, Dosenwurst und Rauchfleisch, Eier, Zwieback und Kartoffeln sorgten für kleine Mahlzeiten,

 

Foto: Ulrike Kieser-Hess Geschichten von früher

 

Das Wasser für die morgendliche Katzenwäsche und den Zichorienkaffee lieferte eine Quelle in der Nähe. Jeden zweiten Tag gab es Nachschub.  Jean, ein französischer Kriegsgefangener, der zur Hilfe bei der Familie von Rose Schulz eingeteilt war, versorgte die kleine Gruppe mit Lebensmitteln, die auf einem Sparherd gekocht wurden. Die Kinder empfanden die Zeit in und um die Höhle zuerst nicht so bedrohlich. Sie spielten Karten, wenn es draußen ruhig war auch Verstecken oder sie verstopften den Abzug des kleinen Ofens, der in der Höhle stand mit alten Lumpen und warteten, bis die Erwachsenen hustend ins Freie eilten.

 

Die Jungs, zehn und zwölf Jahre alt,  hatten bald die mitgebrachten Zigarren vom Onkel entdeckt und übten schon mal das Rauchen, wie sich Hans Schneider lachend erinnert. Wenn der ungewohnte Genuss ihnen nicht bekam, mussten sie mit dem Spaten zum Toilettengang in die Weinberge eilen. Was alle in der kleinen Behausung nicht wussten: 40 Meter über ihrem Versteck hatten sich in einer Berghohle einige französische Scharfschützen niedergelassen. Deutsche Soldaten erschossen dort einen der Franzosen. Was zu Kampfhandlungen  in unmittelbarer Nähe der Höhle führte, „die  Kinder weinten und die Erwachsenen beteten“. Marianne Link erinnert sich: „Tagelang ging das Schießen zwischen den Franzosen auf der Dorfseite und den Deutschen auf der Städtlesseite weiter“. Als die Waffen schwiegen, machten sich die „Bergleute“ wie sie genannt wurden auf den Heimweg. Rose Schulz hat das Bild noch heute klar vor Augen: „Jean hat uns nach unten begleitet und beschützt und seinen Landsleuten immer wieder zugerufen „sind gute Leut, gute Leut“

 

Text und Fotos: Ulrike Kieser-Hess