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Aktuelle Nachrichten | Kast, Ingrid | 14.09.2020 – 30.10.2020

Nachtigallen und Kolibris – Den Vögeln galt ihre Leidenschaft

Lina Hähnle initiiert in Lauffen eines der ersten Naturschutzgebiete in Deutschland

Die Mode, dass Frauen ihre Hüte mit Federn von Reihern, Paradiesvögeln oder Kolibris schmückten, war für die 1851 in Sulz am Neckar geborene Lina Hähnle ein Graus. Denn die „Deutsche Vogelmutter“, wie sie genannt wurde, hatte Zeit ihres Lebens den Vogelschutz zu ihrer Aufgabe gemacht. 1908 kaufte sie die Neckarinsel auf der die Rathausburg steht in Lauffen und schuf dort eines der ersten Naturschutzgebiete in Deutschland, die Vogelinsel, hauptsächlich zum Schutz der dort lebenden Nachtigallen und Laubsänger. Nachtigallen, Reiher, Eisvögel, Wildenten und der Rote Milan haben auch heute noch dort ihren geschützten Raum, jetzt Aufgabengebiet des NABU, der um das Jahr 2000 die Insel von den Hähnleinerben übernommen hat.

 

Lisa Hähnle

 

1899 gründete Lina Hähnle, die nach ihrer Heirat mit Hans Hähnle, einem gut situierten Filzfabrikaten, in Giengen an der Brenz lebte, den „Bund für Vogelschutz“ (BfV) und wurde dessen erste und langjährige Vorsitzende. Für die damalige Zeit war eine Frau als Vorsitzende noch ziemlich ungewöhnlich und Lina Hähnle erinnerte sich:

„Oft muss ich ja hören: ‘Wie kamen Sie denn zu dieser Sache? Es hat Ihnen wohl an Betätigungsmöglichkeiten sonst gefehlt?‘ Sechs Kinder, zwei Hauswesen mit großem Garten und sonstige viele Verpflichtungen gaben Arbeit mehr als genug, ich konnte aber die rücksichtslose Ausbeutung der Natur einfach nicht länger mit ansehen.”

Die Natur und ihre Artenvielfalt zu erhalten war für die bescheidene Frau mit dem anerkannten Managementtalent Lebensaufgabe. Aktiv „reden kann ich nicht, aber arbeiten will ich alles“, ging sie zum Beispiel mit Grundstückskäufen, die für Naturschutzgebiete geeignet waren, ihr Ziel an. Es galt für sie „Lebensräume durch Ankauf von Landstücken zu bewahren“.

 

Um möglichst vielen Menschen den Beitritt zum Vogelschutzbund zu ermöglichen, setzte Lina Hähnle den Jahresbeitrag niedrig an – 50 Pfennige für Erwachsenen, 10 Pfennige für Kinder. Die Schätze und Wunder der Natur sollen allen offenstehen, das war ihr Credo.

Da natürlich die Beiträge nicht ihre Investitionen decken konnten, steuerten die Hähnles Mittel aus ihrem Privatvermögen bei. Für die Lauffener Vogelinsel mit ihren zirka 1,7 ha bezahlte Lina Hähnle immerhin 2380 Reichsmark. 1911 erwarb die taffe Vogelschützerin, die immer mehr den gesamten Naturschutz im Blick hatte, aus eigenen Mitteln 18.5 Hektar Moor- und Wiesenflächen am Federsee und schuf dort ein riesiges Naturschutzgebiet. Das heute mit 3000ha das größte vom NABU betreute Naturschutzgebiet ist.

Doch auch die Menschen, für die sie die den „Reichtum Natur“  erhalten wollte, waren ihr wichtig, so gründete sie in Giengen in einem ehemaligen Wohnhaus der Familie eine Kinderkrippe für die Arbeiter der Filzfabrik.

Von ihren eigenen Kindern machte Herrmann Hähnle noch von sich reden und zwar als „Pionier des Naturfilms“. Schon ab 1904 machte er als einer der Ersten Filmaufnahmen von Vögeln. Lina Hähnle, Ehrenbürgerin von Giengen an der Brenz und Bad Buchau am Federsee starb zwei Tage vor ihrem 90. Geburtstag.

 

 

Kasten

1908 erreichte Lina Hähnle auch durch ihre guten Kontakte zu Abgeordneten des Reichstages, dass das Reichsvogelschutzgesetz verschärft wurde und Vogelfedern auf Hüten als unmodern erklärt wurden.

 

Text: Ulrike Kieser-Hess