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Aktuelle Nachrichten | Kast, Ingrid | 20.10.2020 – 20.11.2020

Karl Schäffer

Am 19. Oktober wäre Karl Schäffer 90 Jahre alt geworden. Vier Tage später, am 23. Oktober 2020 jährt sich sein Todestag zum nunmehr dritten Mal.

 

Karl Schäffer  

Karl Schäffer entstammte einer alteingesessenen Lauffener Familie; sein Elternhaus stand auf der Insel (Mühlbergstraße 7), also mitten in Lauffen. Kurz vor dem Tod der Eltern im Zweiten Weltkrieg wurden Karl und seine Schwester Maria zu Verwandten in der Schulstraße 8 in Sicherheit gebracht. Für die Lauffener war die Schulstraße 8 später "Schäffers Haus", im Erdgeschoss lagerte ein Teil der von ihm ergrabenen Schätze.

 

Wie viele seiner Altersgenossen hatte Schäffer David Friedrich Weinlands "Rulaman" gelesen, was ihn zu der Frage führte: "Was war früher?" Aber vorerst galt sein Interesse anderem: Der Landwirtschaft, vor allem der Pomologie; die Kirschbäume seiner Anlage im Rottland hatte er zum Teil aus Frankreich importiert, im Kirrberg wuchsen verschiedenste von ihm gepflanzte Zwetschgensorten und an seinem Lauerhäuschen gediehen Lauffens erste Melonen. Seine Liebe galt dem Reisen; mit seiner Schwester Maria fuhr er bis in die Antarktis. Mit Maria teilte er auch die Liebe zur Musik - fast bis zuletzt war Karl Schäffer Mitglied des Lauffener Kirchenchors, den er immer wieder im Lauerhäuschen zu Gast hatte.

 

1969 wurde Schäffer in Ilsfeld auf Verfärbungen im Boden aufmerksam - es handelte sich um drei ovale Grabenringe der Michelsberger Kultur, das "Ilsfelder Erdwerk". Von nun an widmete er sich der Archäologie, und zwar nicht nur den großen Grabungen, sondern auch den kleinen Lesefunden auf Lauffener Markung. Hier, in Lauffen, gelangen ihm seine wichtigsten Entdeckungen: der 1978 ausgegrabene Römische Gutshof im Konsten und 1979 ganz in der Nähe zwei frühalamannische Frauengräber. Dank seines Einsatzes ließen sich die Lauffener Weingärtner dazu überreden, 0,9 ha ihrer wertvollen Rebflur für eine Freilichtanlage zur Verfügung zu stellen; der "Römische Gutshof" über dem Neckar ist heute Ziel zahlreicher Ausflügler.

 

1969 kam es zur Gründung des Heimatvereins Gesellschaft Alt-Lauffen e.V. Karl Schäffer gehörte nicht nur zu den Gründungsmitgliedern, sondern er stellte auch einen Teil seiner Sammlungen zur Verfügung und unterstützte die Arbeit des Vereins durch einschlägige Beiträge wie die Bestückung von Ausstellungen und die Aussaat alter Getreidesorten längs der Zaber gegenüber dem "Museum". 1994 wurde Karl Schäffer Ehrenmitglied des Vereins; die Stadt Lauffen a.N. verlieh im 1998 ihre Medaille für besondere Leistungen in Gold.