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Aktuelle Nachrichten | Kast, Ingrid | 23.10.2020

Neuer Gasbehälter Blockheizkraftwerk Kläranlage

Kläranlage kann nun 25 % ihres benötigten Stroms und über 90 % ihrer Wärme selbst erzeugen

Bereits 2015 wurde in einer Studie zur energetische Zustandsbewertung der Kläranlage Lauffen am Neckar verschiedene Möglichkeiten zur Senkung des Energieverbrauchs aufgezeigt. In der Folgezeit wurden in Zusammenarbeit mit dem Ingenieurbüro Weber-Ingenieure GmbH daraus konkrete Maßnahmen geplant und umgesetzt. Als letzte dieser Maßnahmen wurde dieses Jahr das Blockheizkraftwerk (BHKW) erneuert und ein neuer Gasbehälter installiert.

BHKW

Bildunterschrift:   Gasbehälter mit 300 m³ Klärgasvolumen. Abb. mit Planer und Kläranlagenbetriebsleiter Bernd Modjesch

 

Das alte BHKW war bereits in die Jahre gekommen und entsprechend störanfällig geworden. Aufgrund der für den vorhandenen Gasanfall zu groß ausgelegten Leistung musste das bestehende BHKW-Modul in einem ineffizienten Teillastbetrieb gefahren werden. Darüber hinaus war die Ersatzteilversorgung nicht mehr sichergestellt und der unterirdische Aufstellungsort erschwerte stets die Zugänglichkeit bei Wartungs- und Reparaturarbeiten.

Auch der fast vierzig Jahre alte Gasbehälter war sanierungsbedürftig. Jedoch hat sich sein Nutzvolumen in der Vergangenheit als zu klein erwiesen, um eine ausreichende Pufferung von Gasanfallschwankungen gewährleisten zu können. Aus diesem Grund entschied man sich für einen Austausch zugunsten eines größeren Behälters. Weiterhin ist der neue Behälterstandort im Falle eines Notfalls für die Feuerwehr deutlich besser zugänglich als der alte Aufstellungsort.

 

Im Rahmen des Abwasserreinigung fallen jährlich erheblich Mengen Rohschlamm in der Vorklärung der Kläranlage, die sich am Beckenboden absetzen und in den Faulbehälter gepumpt werden. Unter stetigem Umwälzen und Temperieren wird rund ein Drittel der organischen Inhaltsstoffe mikrobiologisch in Klärgas umgewandelt. Dieses wird im Gasbehälter zwischengespeichert und im Blockheizkraftwerk in Strom und Wärme umgewandelt. Die Kläranlage kann somit 25 % ihres benötigten Stroms und über 90 % ihrer Wärme selbst erzeugen. Die produzierte Wärmemenge von ca. 360.000 kWh thermisch pro Jahr (das entspricht umgerechnet ca. 36.000 Liter Heizöl) wird als Prozesswärme zur Beheizung des Faulbehälters sowie zur Gebäudebeheizung eingesetzt. Die elektrische Energie wird weitestgehend in der Kläranlage für die Tropfkörperanlagen und Pumpen selbst genutzt. Das bedeutet, dass ca. 200.000 kWh Strom pro Jahr nicht eingekauft werden müssen.

BHKW

 

Bildunterschrift: Die stolzen Betreiber des BHKWs auf der Kläranlage, der Leiter der Kläranlage, Abwassermeister Bernd Modjesch und sein Kollege Abwassermeiter Thomas Hammer

 

Durch die etwas geringere Leistung des neuen BHKWs (40 kW elektrisch und 80 kW thermisch) in Kombination mit dem größeren Volumen des neuen Gasspeichers wird ein ca. 12-stündiger BHKW-Betrieb ermöglicht (bisher nur ca. 6 Stunden) und das anfallende Klärgas gleichmäßiger abgewirtschaftet. Gleichzeitig ist der Gesamtwirkungsgrad mit ca. 90 % höher als bei seinem Vorgänger.

Das neue BHKW ist zentral im Schlammentwässerungsgebäude aufgestellt und kann durch den ebenerdigen Zugang deutlich leichter als bisher gewartet werden. Generell bedeutet das neue BHKW aufgrund seiner verbesserten Software und zusätzlicher Fernwirktechnik zukünftig weniger Betreuungsaufwand für das Betriebspersonal.

Mit der Inbetriebnahme des BHKWs Mitte Oktober dieses Jahres können die Maßnahmen zur energetischen Optimierung der Kläranlage abgeschlossen werden. Die Gesamtbaukosten für die Erneuerung der BHKW-Anlage belaufen sich auf rund 1,0 Mio € brutto.