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Aktuelle Nachrichten | Praktikant, Lauffener Bote | 23.10.2020

"Steile Weine" und der Weinjahrgang 2020

 

Frühlingsfrost, Hagel, Sonne – der Lauffener Wein hatte 2020 sehr mit dem Klimawandel zu kämpfen. Vor allem der Steillagenweinbau bekommt durch den Klimawandel zunehmend Probleme. Extreme Temperaturen im Sommer setzen den traditionellen Rebsorten zu. Dazu kommt die sehr hohe Arbeitsbelastung, denn hier müssen die Arbeiten überwiegend von Hand gemacht werden.

 

Weinlese Steillagen

 

Der Klimawandel ist für den Weinbau in terrassierten Steillagen eine große Herausforderung, bietet aber auch Chancen. Diese Chancen sollen in Terassenlagen genutzt werden.  Hierzu wurde das Projekt „Steile Weine“ im Rahmen der Fördermaßnahme „EIP-AGRI“ ins Leben gerufen. Es stellt einen Dreiklang aus Anbau, Ausbau und der besonderen Vermarktung dar.  Es gilt herauszufinden, wie Klima, Boden und Rebsorten zusammenpassen. Ziel ist es, das Kulturerbe der Terassenweinberge zu erhalten, neue und an den Standort angepasste Reben zu schaffen und eine attraktive Marke für Weine aus Steillagen zu schaffen Das Jahr 2020 war somit nicht nur aufgrund der Corona-Pandemie für die Winzer ein etwas anderes Jahr.

 

Um einen Einblick über den Weinanbau 2020 zu erhalten, haben wir hierzu Herrn Dietrich Rembold, den Vorstandsvorsitzenden der Lauffener Weingärtner eG, befragt.

 

1.    Wie lief der Weinanbau 2020?

Der Witterungsverlauf hatte in 2020 doch einiges an Überraschungen auf Lager. Nach einem recht milden Winter kam in der Nacht zum 12. Mai ein kräftiger Frost in alle Weinbergslagen, die zu diesem Zeitpunkt nicht durch kräftigen Nebel geschützt waren. Die kalten Temperaturen richteten an den bereits weit entwickelten Reben erhebliche Schäden von bis zu 100% des Ertrages an. Auch wenn die Weinberge später wieder grün aussahen, und man „vom Weg“ aus keinen Unterschied sah, die Trauben waren weg. Hie und da wuchsen noch nachgetriebene „Herlinge“. Diese konnten wir in den letzten Lesetagen noch ernten. Mehrere Kleinere Hagelereignisse sind vor allem im Juli niedergegangen, waren aber, verglichen zum Frost, eher als geringfügig einzuordnen. Ausgesprochen gut hingegen war das Wetter im Reifeverlauf, also sozusagen auf der Zielgeraden, und gerade hier wird ja die Traubenqualität maßgeblich beeinflusst. Die lang anhaltende Trockenheit hat die Träubchen klein und locker bleiben lassen. Dies hatte zur Folge, dass wir einen Mengenmäßig kleinen, aber kerngesunden Jahrgang in den Keller bekommen haben. Damit sind wir sehr glücklich. Ich möchte aber nicht verhehlen, dass wir gerne noch die eine oder andere Traube vom Stock geschnitten hätten. Aber so ist das, wenn man in und mit der Natur arbeitet.

 

2.    Wie hoch war der Frostschaden im Vergleich zu den Vorjahren?

Glücklicher Weise haben wir nicht jedes Jahr Frostschäden, sie werden allerdings häufiger. Mit den wärmeren Frühjahren treiben die Reben auch früher aus und sind dann länger der kritischen Spätfrostphase ausgesetzt.

 

3.    War es ein guter Jahrgang?

Von den Jungweinen sind wir sehr angetan. Sie zeigen sich sehr fruchtig und haben einen ausgeprägten Sortencharakter. Das sind Dinge, die man im Keller nicht „herstellen“ kann, das muss der Jahrgang, der Weinberg bringen.

 

4.    Wie erfolgte die Umsetzung der Weinlese in Zeiten von Corona?

Wir sind, nicht nur während der Lese sehr sorgsam mit der Pandemie-Eindämmung umgegangen. Natürlich hatten wir größten Respekt vor Infektionen, die unser Lesepersonal, uns Wengerter oder unsere Kellermannschaft befallen können. Es herrschte deshalb auch strickte Maskenpflicht an den Annahmestellen. Im Weinberg hatten wir die Lesegruppen, wo möglich, in kleinere Trupps aufgeteilt, um im Fall der Fälle nicht den kompletten Betrieb in Quarantäne schicken zu müssen. Wir sind wirklich sehr glücklich, dass wir so gesund über den Herbst gekommen sind.

 

Weinlese Steillagen

 

5.    Gibt es besondere Vermarktungsstrategien in dieser Zeit?

Das Einkaufsverhalten hat sich natürlich stark verändert. Während unsere Produkte nach wie vor im Lebensmittelhandel gekauft werden können, fallen Feste und der gastronomische Verzehr sehr stark zurück und waren aktuell aber wieder auf dem Weg der Normalisierung. Das sieht aktuell natürlich wieder anders aus. Der Bereich online nahm in diesem Jahr zu.

 

6.    Wie wird damit umgegangen, dass es dieses Jahr keine Weinfeste gibt?

Das ist natürlich sehr bedauerlich, da es zu unserem Lebensstil, zu unserer Region gehört wie die Wurzel zu Rebstock. Wir hoffen alle, dass nächstes Jahr wieder alle Veranstaltungen stattfinden können. Derzeit verlagert sich auch dieses Thema in den digitalen Bereich. Online-Weinproben. Ich hätte nicht gedacht, dass das funktioniert. Es ist anders, aber es funktioniert. Am Freitagabend ist die nächste. Man ordert das Weinpaket, trifft sich mit Freunden und genießt dann, wo immer man möchte, die Probe. Die „Probenleitung“ kommt dabei digital über den Computer.

 

7.    Gibt es auf Grund der aktuellen Situation Einschränkungen im Betrieb?

Natürlich gibt es nach wie vor Dinge, die noch nicht angesagt sind. Wir müssen beispielsweise darauf achten, dass unser Verkaufsraum nicht zu voll wird. So sind einfach die Vorgaben. Das ist manchmal schwierig, weil die Kunden einfach da sind. Dass die Masken zur Verkostung abgenommen werden versteht sich natürlich auch, sonst wird, wie überall auch beim Einkauf, beim Kontakt zu anderen Personen, auf Abstand und Maske geachtet.

 

8.    Gehen Sie von viel Verlust in diesem Jahr aus?

Für das Geschäftsjahr 2020 gehen wir aktuell von einer schwarzen Null aus, aber da sind wir noch stark im Bereich der Prognose. Das Weinjahr betrachten wir mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Wir sehen schon, dass wir rund 25 % weniger geerntet haben, sehen aber auch das tolle Ergebnis das derzeit in unseren Kellern reift, und das lässt uns nicht mit Wehmut sondern mit Freunde auf das Jahr blicken. Schließlich sind wir alle auch Wein-Genießer.

 

Lauffener Weingärtner

Bildunterschrift:  Die Württemberger Weinkönigin Tamara Elbl legt sowohl bei der Ernte im Weinberg als auch bei der Vinifikation im Labor der LVWO Hand an. Von links: Dr. Götz Reustle, Felsengartenkellerei, Weinkönigin Tamara Elbl, Dietrich Rembold, Lauffener Weingärtner und Weingärtner Bernd Mittenmayer. Foto U. Ostarhild

 

 

Damit die Weinliebhaber und die Bürger sich einen Eindruck von dem Projekt „Steile Weine“ verschaffen können, wurden Hinweistafeln an den Projektweinbergen mit Informationen zu den alternativen Rebsorten und Projektinhalten aufgestellt. Durch einen QR-Code kann man sich weitere Informationen über den jeweiligen Standort und den Bewirtschafter auf das Smartphone holen.

 

Abschließend kann man sagen, dass die Winzer im Jahr 2020 unter erschwerten Bedingungen hervorragende Arbeit geleistet haben.