Virtueller Lauffener Bote

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Aktuelle Nachrichten | Kast, Ingrid | 02.11.2020

Mit virtuosen Flötentönen auf neuen Hörwegen

Die klassische Band Spark – fünf Vollblutmusiker - gastierte in der Stadthalle

Jemandem Flötentöne beibringen bedeutete bis zum Auftritt der „klassischen Band Sparks“ in der Lauffener Stadthalle: „ jemanden auf energische, nachdrückliche Art lehren, wie er sich zu verhalten hat“. Jetzt denken viele, hätte mir doch auch mal jemand solche Flötentöne beigebracht, wie sie die beiden Flötisten Daniel Koschitzki und Andrea Ritter ihren Instrumenten entlockten. Alle die, die es schon im Kindergarten und der Grundschule mit ihrer Blockflöte bis zur Weihnachtsliederreife gebracht haben, staunten nicht schlecht darüber, was man so alles flötengleich von Bach über Berio bis zu den Beatles intonieren kann.

 

Sparks

Dabei hätte man in Lauffen die Chance gehabt, es soweit zu bringen, wie man gleich zu Konzertbeginn erfuhr, denn der Kopf des Quintetts, Daniel Koschitzki hat seine Flötenlaufbahn in der hiesigen Musikschule begonnen, sein erstes Konzert mit dem Brandenburgischen Konzert Nr. 4 in der Stadthalle absolviert. Die klassische Band aus Karlsruhe, der neben den beiden Flötenakrobaten auch noch der Pianist Christian Fritz, der Celist Viktor Plumettaz und der Geiger Stefan Balazsovics angehören, hat es sich zur Aufgabe gemacht, „Klassik neu zu denken“. Was bei ihrem Gedankenspiel herausgekommen ist, ist beeindruckend und spannend. Kaum hat man eine klassische Melodie im Ohr, verlassen die Fünf den gewohnten Hörweg, leiten die Musikgedanken mal schrill, mal leise, auf ungewohnte Pfade, brechen Melodien auf und ab, verlangen dem Publikum einiges ab bei diesen Neuinterpretationen. Man muss schon gute musikalische Wanderschuhe anhaben, um die teilweise steilen Töne mitzugehen. Bei altbekannten Beatles-Songs darf man zwischendurch immer wieder ausruhen, musikalisch ein wenig aufs gewohnte Bänkle sitzen.

Beeindruckend vom ersten bis zum letzten Ton ist die Fingerfertigkeit, die Ausdrucksstärke, die Vielfalt, die Klangfülle der Flötisten. Das liegt nicht nur an den  vielen verschiedenen Flöten, die sie  immer wieder neu einsetzen, sondern auch an den Personen, die sich ihrer Musik, ihren Instrumenten ganz offensichtlich und hörbar verschrieben haben und das zeigen, was sie in Aussicht stellen: „wir geben alles“.

 

Da konnte man nach dem Erinnern an eigene kindliche Pfeiftöne Erstaunliches erleben, zum Flötenfan werden. Denn die Energie, die spürbar wurde, die Freude am Klang des Instrumentes am variablen Einsatz, war immer spürbar. Da wurden keine Stücke heruntergespielt, sondern Musik im wahrsten Sinne mit Leib und Seele interpretiert und mit viel Engagement präsentiert. Nicht nur von den Flötisten, sondern mit der gleichen Virtuosität, Experimentierfreude und Können von den anderen Vollblutmusikern. Bei Sparks wird Gemeinsamkeit groß geschrieben, spielt man miteinander, gibt sich gegenseitig das Stichwort. Klassik neu zu denken und entdecken, das ist der Gruppe gelungen, auch wenn die Interpretationswege manchmal etwas steil waren und nur für Profis bequem begehbar.

 

Text u. Foto: Ulrike Kieser-Hess