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Aktuelle Nachrichten | Kast, Ingrid | 09.02.2021

Auswirkungen fetthaltiger Abwasser auf Kanal und Kläranlage

Vorgaben der Abwassersatzung müssen beachtet werden!

Der Eigenbetrieb Abwasserbeseitigung der Stadt Lauffen am Neckar hat  zunehmend Probleme mit Fettablagerungen im Kanalnetz und auf der Kläranlage. Das Thema „Fetthaltiges Abwasser“ hat für die öffentliche Abwasserbeseitigung aufgrund zurückgehender Abwassermengen eine  verstärkter Geruchsbildung und Ablagerungen zufolge. Im Abwasser trennt sich das Fett aus den Essensresten vom Wasser. Dann kommt es zu Verseifung und zur Bildung von Säuren. Säuren wiederum greifen die Betonkanäle und Betonbecken an und führen langfristig zu Schäden.

 

§6 der städtischen Abwassersatzung schließt u.a. im Westlichen aus:

 

1.

Stoffe - auch im zerkleinerten Zustand - , die zu Ablagerungen oder Verstopfungen in den öffentlichen Abwasseranlagen führen können (z.B. Kehricht, Schutt, Asche, Zellstoffe, Mist, Schlamm, Sand, Glas, Kunststoffe, Textilien, Küchenabfälle, Schlachtabfälle, Haut- und Lederabfälle, Tierkörper, Panseninhalt, Schlempe, Trub, Trester und hefehaltige Rückstände);

2.

feuergefährliche, explosive, giftige, fett- oder ölhaltige Stoffe (z.B. Benzin, Heizöl, Karbid, Phenole, Öle und Fette, Öl-/Wasseremulsionen, Säuren, Laugen, Salze, Reste von Pflanzenschutzmitteln oder vergleichbaren Chemikalien, Blut aus Schlachtungen, mit Krankheitskeimen behaftete oder radioaktive Stoffe) sowie Arzneimittel;

3.

Jauche, Gülle, Abgänge aus Tierhaltungen, Silosickersaft und Molke;

4.

faulendes und sonst übelriechendes Abwasser (z.B. milchsaure Konzentrate, Krautwasser);

Im kommunalen Abwasser stammen Fette hauptsächlich aus der Reinigung des Haushaltsgeschirrs. Fette und Öle können im Abwasser in emulgierter oder direkt abscheidbarer Form vorkommen.

 

Fetthaltige Abwässer können im Kanal wie beschrieben zu Geruchsbelästigung, zu Rückstau, zum Zuwachsen bis zur Verstopfung sowie zum korrosiven Angriff durch Fettsäuren führen und gefährden damit den ordnungsgemäßen Kanalbetrieb. Fette lagern sich an den Innenwänden der Kanalrohre ab und bilden eine Sielhaut, unter der sich ein anaerobes (sauerstofffreies) Klima entwickelt. Darin produzieren anaerobe Bakterien Schwefelwasserstoff, ein giftiges Gas, das an turbulenten Stellen ausgasen kann. Schwefelbakterien können aus Schwefelwasserstoff über mehrere Zwischenschritte Schwefelsäure bilden, welche zu Korrosion sogar an Edelstahlleitungen führt.

Auch massive Fettanlagerungen an den Wandungen von Pumpwerken und Becken sind die Folge,  die Anlagerungen bilden mit mineralischen Bestandteilen wie Sand in biochemischen Prozessen teils steinharte Ablagerungen, welche händisch unter großem Aufwand entfernt werden müssen!

 

Fett im Abwasser Foto: Kläranlage

In Pumpwerken und Fettfängen der Kläranlage bilden sich durch  fetthaltige Abwässer starke Schwimmdecken, die zu Geruchsbelästigung und Betriebserschwernissen führen und aufwändig abgesaugt werden müssen. Stabile Emulsionen führen zwar zu keinen Problemen in der Kanalisation, die Probleme im Kläranlagenbetrieb sind jedoch die gleichen wie bei der Einleitung abscheidbarer Fette. In der Kläranlage verursachen fetthaltige Abwässer erhöhte Betriebskosten infolge eines hohen Sauerstoffverbrauches für den Fettabbau. Fett hemmt die Abbauaktivität der Kleinlebewesen und deren Sauerstoffaufnahme, begünstigt die Bildung zäher Schäume und Schwimmdecken sowie das Wachstum fadenbildender Organismen. Der Schlamm setzt sich schlecht ab (hoher Schlammindex) und treibt im schlimmsten Fall in das Gewässer ab. Rohrleitungen, Pumpen, BHKW und Messeinrichtungen können ebenfalls beeinträchtigt werden.

Damit es erst gar nicht zum Fettberg kommt: Fett und Essensreste gehören niemals in den Abfluss, sondern immer in die Tonne!

 

 

Bildunterschrift: Schwimmdecke aus Fettresten im Vorklärbecken Mitte Januar 2021