Virtueller Lauffener Bote

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Aktuelle Nachrichten | Kast, Ingrid | 08.03.2021

Menschen helfen, die sich in einer Notphase befinden

Seit vielen Jahren engagiert sich der Lauffener Pfarrer Gunter Bareis in der Notfallseelsorge

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Zwölf Lauffener

 

Auch im Jahr 2021 stellt der Lauffener Bote jeden Monat jeweils Menschen vor, die in Lauffen a.N. aktiv sind. Dieses Jahr geht es um Personen, die sich mit ihrer Arbeit, ihrem Einsatz, ihrem Engagement  und ihrer Kreativität für Lauffen und seine Bürgerinnen und Bürger einsetzen.Ulrike Kieser-Hess führt hierzu zwölf Interviews. Lesen Sie in diesem Boten das dritte Porträt des Jahres 2021.

 

12 Lauffener: Notfallseelsorger Pfarrer Gunter Bareis Foto: Ulrike Kieser-Hess

„Es gibt schon erschütternde Bilder, die einen ganz schön mitnehmen können“, berichtet Pfarrer Gunter Bareis von seiner Tätigkeit als Notfallseelsorger, aber „erstens lernen wir, wie man mit so was umgeht, und zweitens ist das Gefühl helfen zu können viel dominanter“. Gunter Bareis ist Geschäftsführender Pfarrer, sprich ein Seelsorger mit Verwaltungsaufgaben, der Gemeinden Lauffen und Neckarwestheim, mit 6500 Gemeindemitgliedern und drei Pfarrstellen. Seit 2008 lebt und arbeitet  er „sehr zufrieden“ in Lauffen, wohnt gleich neben der Kirche im Pfarrhaus mit traumhaftem Garten, „ein Juwel für uns“. Seit über 20 Jahren arbeitet er ehrenamtlich für die Notfallseelsorge.

 

Gunter Bareis wurde 1963 in Öhringen geboren. Und obwohl der Vater Religionslehrer war, liebäugelte der Bruder von vier Geschwistern mit der Technik. Lachend erinnert er sich „ich habe immer gesagt, Vater du brauchst ein Auto das fährt, ich ein Fahrzeug zum Schrauben“. Ein Moped war dann das erste Objekt der Schrauber-Begierde und noch heute kann man in der Bareisschen Garage Fahrbares mit zwei Rädern entdecken.

Ein Jugendpfarrer, die Mitwirkung in der kirchlichen Jugendarbeit, zwei Jahre als musisch kultureller Bildungsreferent im Landesjugendpfarramt Württemberg haben dann seinen Weg zum Pfarrberuf mitgeprägt. Nach dem Studium folgten Stationen in Neuenstadt und Heubach und schließlich Lauffen. Für die Menschen da sein, ist für Gunter Bareis Lebens- und Arbeitsmaxime. In der Pandemie ein wichtiges Moment und der Seelsorger bedauert, dass so viele kirchlichen Aktivitäten zur Zeit gestoppt sind, „fast  alles von dem was wir haben, vom Posaunenchor bis zum Kindergarten, vom Spielkreis bis Frauenkreis lebt von der Gemeinschaft“. Die Notfallseelsorge ist für Gunter Bareis ein Element seine vielfältigen Tätigkeiten, ein wichtiges, eines das besonders fordert, das ihm am Herzen liegt.

Als Begleiter der Polizei fungieren die ehrenamtlichen Helfer in enger Zusammenarbeit mit dem Roten Kreuz, wenn es gilt Todesnachrichten oder Nachrichten von schweren Unfällen den Angehörigen zu überbringen, sie aufzufangen, zu trösten, oder auch Lokführer nach Suizidunfällen zu betreuen. Generell gilt es: „Menschen zu helfen, die sich in einer akuten Notphase befinden“. Viel Sensibilität ist bei solchen Einsätzen gefragt, aber auch Zeit, bei den Betroffenen zu bleiben, bis ihr soziales Netz greift. Rund um die Uhr sind die ehrenamtlichen Helfer aus verschiedenen Konfessionen und Religionen einsatzbereit, um bei „sehr belastenden Ereignissen“ für die Menschen da zu sein. „Früher waren wir zu zweit immer wochenweise in Alarmbereitschaft“ erinnert er sich, heute sind zirka 100 Ehrenamtlich mit Meldern bereit. Gunter Bareis, den man immer gut gelaunt in Lauffen trifft, ist nicht nur Pfarrer, Familienmensch, Vater von vier Kindern, Mitglied im Posaunenchor, sondern auch Feuerwehrmann. Als man dort erfahren hat, dass er sich in der Notfallseelsorge engagiert, hatte man schnell noch eine neue Hilfeaufgabe für ihn entdeckt: Die Einsatzkräftenachsorge. Der immer Hilfsbereite hat sich dann auch dieser Aufgabe gerne gewidmet, passt sie doch in sein ,wie man heute sagt, Portfolio: „Menschen zu helfen“. „Viele Feuerwehrmitglieder oder Polizisten belasten ihre heftigen Einsätze, zum Beispiel bei Schusswaffengebrauch, Unfällen oder Bränden, vor allem wenn ein Kind, ein Bekannter oder gar Verwandter betroffen ist“. Zwar können Einsatzkräfte in der Regel recht gut mit Stresssituationen umgehen, aber auch hierbei gibt es Grenzen der Belastbarkeit. In besonders schweren Fällen gilt es für die Helfer Stressreaktionen zu mindern, das Team zu stärken, das persönliche Leben der Betroffenen zu entlasten. „Wir sind alle nur Menschen“, weiß der Pfarrer und Notseelsorger. Wichtig für die Hilfe ist immer die zeitliche Nähe zum Ereignis und die Vertraulichkeit.

 

Bei beiden Hilfsangeboten ist es für Gunter Bareis wichtig zu vermitteln „ich bin für dich da und biete dir meine Unterstützung an in dieser aktuell sehr schweren Situation“.

Reifer haben ihn seine Aufgaben gemacht, resümiert er,  er hat gelernt sich „auf das Leid anderer einzulassen“. Er selbst schöpft Kraft aus seinem festen Glauben, aus seiner „tollen Familie“, aus der Ruhe und Stille, wenn er mit seinem Boot auf dem Neckar unterwegs ist, aus der Musik und dabei helfen Gitarre und Posaune.

 

Text und Foto: Ulrike Kieser-Hess