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Orgelförderverein Regiswindiskirche e.V.

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Orgelförderverein Regiswindiskirche e.V. | Buchholz, Tobias | 06.04.2021

„Regiswindiskirche all inclusive – oder eine geheime Kirchführung unter besten Freunden“

Als Abkömmlinge kirchlichen Personals kannten wir die speziellen Zugänge zu Glockenturm, Orgeln und anderen interessanten Örtlichkeiten in der Regiswindiskirche, die wir hin und wieder, natürlich völlig unerlaubt und verboten, heimlich aufsuchten. Allerbeste Freunde kamen ebenfalls in diesen Genuss, aber erst nachdem sie den Schwur des Stillschweigens abgelegt hatten. Zunächst galt es, in einem unbeobachteten Augenblick in das Innere der Kirche zu gelangen. Der Schlüssel zum Turm war nicht schwer zu finden, da er für die sonntäglichen Turmbläser leicht auffindbar sein musste und deshalb am Turmaufgang abgelegt war. Weitaus schwieriger war der große Schlüssel für die Tür zur Wendeltreppe zu finden, die wir für die Rückkehr vom Turm vorgesehen hatten, was die Spannung der Führung erhöhen sollte. Die erste Etappe ging zunächst die steile Turmtreppe hinauf, wobei es sein konnte, dass ein aufgeschreckter Taubenschwarm um die Ohren der Eindringlinge flog. Auf dem unteren Dachboden konnte man allerlei interessante Gegenstände wie die Weihnachtskrippe, alte dreibeinige Stühle und anderes Kircheninventar entdecken. Auf der Treppe nach weiter oben hörte man schon lautes Ticken und Rasseln, denn nun näherte man sich dem großen Glasschrank, in dem die Mechanik für die Kirchturmuhr untergebracht ist. Dort musste man unbedingt länger verweilen, um dem Ineinandergreifen der vielen Zahnräder und dem Schwingen des Pendels zuzusehen. Nach dem Erklimmen einer weiteren Holztreppe musste man sich durch einen steinernen Durchgang in den Turm zwängen und stand direkt vor der größten der vier Glocken, über dem Kopf die drei kleineren. Die Versuchung, die große Glocke zu berühren, war groß, durfte aber wegen der Heimlichkeit des Unternehmens nicht stattfinden. Eine Art Hühnerleiter führte auf zwei Turmseiten zu den Balkonen, deren schwere Eisentüren zuvor mit dem Riegel geöffnet werden mussten.  Am Höhepunkt der Führung angekommen, betrat man mit dem Gast, der ob der schwindelnden Höhe und der grandiosen Aussicht immer sehr beeindruckt war, zuerst den Südostbalkon, anschließend den nach Nordwesten gehenden. Es durfte nur geflüstert werden, damit niemand der unten sich aufhaltenden Menschen auf den Gedanken kam, einen Blick auf den Kirchturm zu werfen, denn das hätte böse Folgen für uns haben können. Ein besonderer Nervenkitzel war es, wenn der schwere Eisenhammer den Viertelstundenschlag ausführte. Noch wirkungsvoller war der volle Stundenschlag oder gar das Drei-Uhr-Läuten! Der ganze Turm und mit ihm wir zitterte und bebte. Der Abgang nunmehr über die Wendeltreppe war nicht ganz risikolos und recht gruselig, da einige der hölzernen Stufen beschädigt waren oder ganz fehlten. Auch musste man meistens noch über Reste dahingeschiedener Vögel steigen. Da war es gut, wenn man den festen Sandsteinboden des Kirchenschiffs wieder erreicht hatte. Der krönende Abschluss der Führung war jedoch, noch kurz die Chororgel zum Klingen zu bringen, auch wenn es nur mit dem Flohwalzer war! 

Vielleicht gehört ja der/die eine oder andere Leser/in zu den besten Freunden von damals?