Virtueller Lauffener Bote

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Aktuelle Nachrichten | Kast, Ingrid | 12.04.2021

Er kann zu jedem Baum etwas sagen und plant mit 5000 Sommerblumen

Seit 25 Jahren sorgt sich Uwe Tiedemann um das Lauffener Grün – Seit 2001 als Abteilungsleiter der Stadtgärtner

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Zwölf Lauffener

 

Auch im Jahr 2021 stellt der Lauffener Bote jeden Monat jeweils Menschen vor, die in Lauffen a.N. aktiv sind. Dieses Jahr geht es um Personen, die sich mit ihrer Arbeit, ihrem Einsatz, ihrem Engagement  und ihrer Kreativität für Lauffen und seine Bürgerinnen und Bürger einsetzen.Ulrike Kieser-Hess führt hierzu zwölf Interviews. Lesen Sie in diesem Boten das vierte Porträt des Jahres 2021.

12 Lauffener: Uwe Tiedemann Stadtgärtner

 

Von der Natur kann Uwe Tiedemann gar nicht genug bekommen. Er lacht: „Das liegt sicherlich auch daran, dass meine drei Geschwister und ich in der Natur aufgewachsen sind. Dort hatten wir jede Menge Spielzeug“. Aufgewachsen ist der 1962 in Marbach geborene Uwe Tiedemann in Neckarsulm. Seit 25 Jahren ist er in Lauffen tätig, erst als Sportplatzwart, heute als Chef der Stadtgärtner. Seine Erinnerungen in Sachen Natur, haben sowohl etwas mit einem Familienschrebergarten zu tun, wie mit den Hasen und Hühnern hinterm Haus, „Hasenfutter zu holen war ebenso Freude wie Pflicht“ und mit dem Geruch von Holunder, „unter einem Holunderbusch haben wir Kinder uns immer ein Lager gebaut“.  Nach dem Realschulabschluss folgte eine kaufmännische Lehre und dann spielte der Zufall eine große Rolle in Uwe Tiedemanns Leben. Durch eben diesen Zufall konnte er ein Praktikum bei einem Landschaftsgärtner in Heilbronn machen und schnell war klar: „Das Arbeiten draußen hat mir extrem gefehlt. Im Büro fühlte ich mich eher wie eingesperrt und das Gärtnern hat mir richtig Spaß gemacht, es war einfach perfekt.“ Nach dem Zivildienst bei der AWO und seiner Arbeit mit Schwerstbehinderten, „eine Zeit die mich sehr bereichert hat“, folgte eine Zeit der Selbstständigkeit und beim „Gartenservice Tiedemann“ entdeckte er eines seiner bis heute geltenden Steckenpferde: die Baumpflege.

Ein Spezialgebiet, das den 3000 Bäumen in Lauffen zu Gute kommt. Ständig werden Spitzahorn, Birken, Platanen, Zierkirschen und andere Baumarten vom Team der Stadtgärtner gehegt und gepflegt: geht eine Gefahr vom Baum aus, zum Beispiel durch herabfallende Äste, besteht eine Fäulnis, sollten Schnittmaßnahmen durchgeführt werden. Die jungen Bäume müssen „erzogen“ werden, gestutzt, geschnitten, gegossen, „damit sie fürs Alter bereitgemacht sind“. Bei den Bäumen ist es für den zertifizierten Baumkontrolleur Tiedemann wie bei dem Sprichwort, was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr. Er kennt jeden Baum in Lauffen, „ich kann zu jedem Baum etwas sagen“ und er ist auch froh um jeden Baum. „Bäume sorgen durch ihren abgegebenen Sauerstoff für Lebensqualität, das Klima verbessert sich, ohne Bäume hätten wir sicherlich ein bis zwei Grad höhere Temperaturen und nicht zu vergessen, Bäume spenden im Sommer Schatten“.

Seit zwei Jahren gibt es in Lauffen auch japanische Seidenbäume, auch Schlafbaum genannt, die sich hier wohlfühlen, die heimischen Gehölze tun sich mit den klimatischen Veränderungen zunehmend schwer.

 

Auf Gartenschauen holt sich Uwe Tiedemann Anregungen, aber auch im regionalen Umfeld, „mit offenen Augen durch die Welt gehen, bringt so viele Ideen, Tipps und Anstöße“.

Seine erste Tätigkeit in Lauffen als Sportplatzwart für das perfekte Sportplatzgrün zu sorgen, liegt heute noch im Aufgabenbereich der Stadtgärtner und ihrem Teamleiter besonders am Herzen. Dass die Sportler eine angenehme Umgebung haben ist für ihn wichtig, aber auch die alten Bäume die es am Sportplatz noch gibt, erfreuen Uwe Tiedemann. Aber nicht nur Bäume bestimmen das gärtnerische Bild von Lauffen, sondern auch der Wechselflor. Die bunte Blumenpracht, die jedes Jahr Grünflächen, das Rathaus, die alte Neckarbrücke, den Postplatz und viele andere Orte prägt. „Ein Jahr im voraus überlegen wir die Gestaltung, von der Farbe, den Blumensorten und den Formen der Bepflanzung“. Im Herbst werden bereits bis zu 15.000 Blumenzwiebeln gesteckt und im Frühjahr geht es so richtig los mit den Stiefmütterchen, den pensées, wie die Stadtgärtner sagen. 5000 von ihnen sind die ersten, die die Blumenvielfalt einläuten. Ebenfalls bis zu 5000 Sommerblumen folgen, „Geranien sind der Grundstock, aber auch alle anderen Sommerblumen, Gräser und Stauden kommen zu Einsatz“. Zehn Mitarbeiter bilden das Team der Stadtgärtner. Im Jahr pflanzen sie 30 bis 50 neue Bäume, bepflanzen und versorgen unzählige Blumenkästen, Kübel und Flächen, sorgen den ganzen Sommer für ausreichend Wasser. Unkraut mal da mal dort kann Uwe Tiedemann gut sehen, „wir nennen es auch etwas netter Beikraut, oder spontane Vegetation“, meint er lächelnd. Wenn Uwe Tiedemann nicht mit Bäumen und Blumen beschäftigt ist, hat der Vater von zwei erwachsenen Kindern auch noch private Steckenpferde, die Mitgliedschaft bei dem MC Heilbronn -den Motorsportlern - zum Beispiel, das Grillen und seine Leidenschaft fürs Motorradfahren. Er ist gerne am Neckar unterwegs, ist begeistert vom Fotografieren und schenkt auch gerne seiner Frau Blumen, „natürlich vom Blumenfachhändler“.

 

Text und Foto: Ulrike Kieser-Hess