Virtueller Lauffener Bote

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Aktuelle Nachrichten | Kast, Ingrid | 07.06.2021

Ein interessanter Job mit einem breiten Spektrum

Thomas Hammer ist Leiter der Lauffener Kläranlage

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Zwölf Lauffener

 

Auch im Jahr 2021 stellt der Lauffener Bote jeden Monat jeweils Menschen vor, die in Lauffen a.N. aktiv sind. Dieses Jahr geht es um Personen, die sich mit ihrer Arbeit, ihrem Einsatz, ihrem Engagement  und ihrer Kreativität für Lauffen und seine Bürgerinnen und Bürger einsetzen.Ulrike Kieser-Hess führt hierzu zwölf Interviews. Lesen Sie in diesem Boten das sechste Porträt des Jahres 2021.

 

 

Lauffener Bote KW 23-2021

 

In einem großen Wasserbecken zieht ein Entenpärchen seine Bahnen,  schnappt nach kleinen Mücken, klares Wasser plätschert über die Fliesen am Rand, die Hochstammrosen sind kurz vor dem Aufblühen,  Vogelgezwitscher ist die Geräuschkulisse. Man könnte meinen, in einem Naherholungsgebiet gelandet zu sein. Doch dann fällt der Blick auf die vielen großen zylinderförmigen Behälter aus Beton oder Stahl, auf ein hochtechnisiertes Ambiente: Man ist in der Lauffener Kläranlage im Gärtlesweg, in einer von 950 solcher Anlagen in Baden-Württemberg. Seit März ist Thomas Hammer hier der Chef und hat einen „interessanten Job mit einem breiten Aufgabenspektrum“.

 

1992 in Heilbronn geboren, war es für den Sohn aus einer Handwerkerfamilie nach dem Realschulabschluss klar: „was Praktisches soll es sein, denn eine reine Bürotätigkeit ist nichts für mich“. Eine Ausbildung als Mechatroniker stand dann oben auf seiner Wunschliste, bis das Praktikum in der Kläranlage Heilbronn zum Wegweiser wurde. Da ging es lang mit dem Ziel  Fachkraft für Abwassertechnik und Meistertitel. Die Vielfalt lockte den Auszubildenden. „Steuer- und Prozesstechnik gehören ebenso zu meinem Berufsbild wie Labortätigkeiten. Maschinenwartung, Verfahrenstechnik und Elektronik“. Dass der Beruf auch noch eine gute Mischung aus Arbeit drinnen und draußen bot, machte ihn noch attraktiver. Ausbildungsplatz war die Kläranlage in Heilbronn, 2018 folgte die Meisterprüfung.

Um sieben Uhr morgens ist für Thomas Hammer Arbeitsbeginn. „Allerdings gibt es auch eine 24stündige Rufbereitschaft für den Störfall, denn Probleme haben ja keine Bürozeiten“.

Proben aus Zu- und Ablauf werden entnommen und im Labor nach der „Eigenkontrollverordnung“ untersucht. Pro Sekunde kommen aus dem Pumpwerk in der Kneipstrasse bei Trockenwetter 20 bis 25 Liter Mischwasser in der Kläranlage an, Regenwasser und Schmutzwasser gilt zu reinigen, bevor es in den Neckar eingeleitet wird. Viele Schritte werden durchlaufen: Zuerst wird mit einem Rechen das Abwasser mechanisch gereinigt, „da bleiben dann zum Beispiel Klopapierreste hängen“, dann werden Sand und Fett aus dem Wasser aufgefangen und in einem Vorklärbecken kann sich der Schlamm absetzen, der danach in den Faulturm kommt. Jetzt nutzt man in der Kläranlage den „Dreck“ für die Energiegewinnung, denn das Biogas, das sich im Faulturm entwickelt, wird im eigenen Blockheizkraftwerk zu Strom umgewandelt, „wir erzeugen 25 Prozent unseres Stromes selber“ berichtet Thomas Hammer stolz und wir „brauchen sehr viel Strom“.

Anschließend kommt das Abwasser in die biologische Abwasserreinigung dort werden mit Hilfe von Bakterien Kohlenstoff- und Stickstoffverbindungen, die ansonsten zur Sauerstoffzerrung und Düngung des Neckars führen würden, abgebaut. Zudem findet noch eine chemische Fällung statt, in dieser wird mit Eisen³Chlorid Säure Phosphat herausgefiltert, das sonst Schaumbildung und extremen Pflanzenwachstum im Fluss zur Folge hätte.

 

Drei Mitarbeiter sind in der Kläranlage beschäftigt und sie alle haben Dinge, die sie gar nicht leiden können. Speisereste, Fette und feuchte Toiletten- oder Pflegetücher stehen da ganz oben auf der „gehört nie in die Toilette – Liste“ und werden ergänzt von Hefe.

Auch die Kanalreinigung und Kanalüberwachung gehört zum Arbeitsfeld des Kläranlagen-Teams. Besonders in Trockenphasen, wenn wenig Wasser läuft, bleibt so einiges im Kanalsystem hängen, wasTiere anlocken kann und ein hohes Potenzial für Verstopfungen bietet. Wenn Thomas Hammer nicht mit Abwasser zu tun hat, zieht es ihn trotzdem immer ans Wasser, denn Angeln ist für ihn das beliebteste Freizeitvergnügen. Ansonsten fühlt er sich zu Hause besonders wohl, „denn ich bin ein absoluter Familienmensch mit Heimwerkerleidenschaft“.

 

Text und Foto: Ulrike Kieser-Hess