Virtueller Lauffener Bote

Aktuelle Nachrichten

Aktuelle Nachrichten | Keßler, Bettina | 12.07.2021

Ausgezeichnete Wortfinder der kurzen Form

Beim „Heilbronner Poetry Slam“ im Rahmen des „Lauffener Kultursommers“ entschied der Applaus

Die drei Finalisten des Lauffener Poetry Slams (zwei junge Männer, rechts eine junge Frau); Foto: Ulrike Kieser-Hess

Sie überzeugte das Publikum mit ihren zwei eindrucksvollen Texten: Veronika Rieger (re.) gewann den Lauffener Poetry Slam.

 

Schon 500 vor Christus gab es ihn, den Dichterwettstreit. Schon damals entschied das Publikum mit seinem Applaus über den Sieger auf dem Gebiet der Wortkunst und heute ist das nicht anders. So erlebt beim Lauffener Kultursommer auf dem Gelände vor dem Klosterhof: Der Heilbronner Poetry Slam war zu Gast bei Hölderlin im Rahmen des städtischen Kulturprogramms "bühne frei...".

 

Natürlich gibt es 2021 anders als in der Antike auch Dichterinnen, die ihre Texte vorstellen, in Lauffen hieß das: Drei Frauen und drei Männer, die wohlformuliert, mal heiter, mal kritisch, mal politisch, mal melancholisch, mal witzig, mal ironisch aber immer reflektierend und sehr persönlich ihre eigenen Texte zu Gehör brachten. Sechs Minuten hatte jeder Zeit, seine wortreichen Gedanken dem Publikum nahezubringen, von Erinnerungen zu berichten, die Gesellschaft zu beleuchten, Mut zu fordern, „Feuer zu entfachen“ wie Moderator Philipp Herold formulierte, „immer auf der Grundlage 'respect the poets'“.

 

Aus Leipzig oder Esslingen, Heidelberg oder Karlsruhe waren die Poetinnen und Poeten der kurzen Form zum Wettstreit open air nach Lauffen gereist, Nils Salsflausen, Kaleb Erdmann, Leah Kratschmann, Natalie Friedrich, Marius Loy und Veronika Rieger. Text pur war gefordert. Requisite oder Verkleidung verboten, aber die Mimik und den Sprachduktus durften sie mitbringen und einsetzen und das mit Erfolg. Da steckte so manches Lachen an, entführte ein spitzbübisches Grinsen in die Zeit der Jugendabenteuer auf dem Land, forderte ein nach oben gerecktes Kinn Mut sich selbst im "So sein" anzunehmen, nahm man leise aber eindringlich Abschied von einer Beziehung oder ließ eine selbstbewusste Körperhaltung gepaart mit einer festen Stimme nachdenken über gesellschaftliches Fehlverhalten.

Sie hatten es drauf, die Poetinnen und Poeten, der Applaus bestätigte es ihnen. Leer ging da keiner aus. Jeder hatte seine Fans und am Ende hatte Veronika Rieger die meisten.

 

Heilbronner Poetry Slam zu Gast bei Hölderlin: Die special guests, das Duo Mackefisch. (Foto: Ulrike Kieser-Hess)

Abb. 2: Das Duo Mackefisch, Lucie Mackert und Peter Fischer, begeisterte u. a. mit seinem brandneuen Titel "Mein potenzieller Enkel".

 

Die Veranstaltung Poetry Slam, die der DJ Gorealla musikalisch begleitet hat, präsentiert auch immer einen Special Guest, dieses Mal war es das Mannheimer Duo „Mackefisch“, in diesem Jahr ausgezeichnet mit dem Kleinkunstpreis des Landes Baden-Württemberg. Lucie Mackert  und Peter Fischer brachten Wortkunst und Musik auf äußerst unterhaltsame Weise zusammen, verpackten in eingängige Melodien griffige, pfiffige, poetische von aktuellen Situationen und Problemen beeinflusste Texte. Nach der Lauffener Applausintensität war das ganz klar Platz eins der Special Guests.

 

Text und Fotos: Ulrike Kieser-Hess