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Aktuelle Nachrichten | Keßler, Bettina | 19.07.2021 – 17.08.2021

Glanz für den Einzelnen und Perfektion im Team

Die Saxophonisten Klaus Graf und Jakob Manz gastierten mit ihren Formationen beim Kultursommer 2021

Jazz vom Feinsten mit einem Publikum, das ein Ambiente vom Feinsten genießt: im Klostergarten zwischen Zaberufer und historischem Klosterhof-Gebäude (Foto: Bettina Keßler)

Jazz vom Feinsten mit einem Publikum, das ein Ambiente vom Feinsten genießt: im Klostergarten zwischen Zaberufer und historischem Klosterhof-Gebäude (Foto: Bettina Keßler)

 

„Es war als hätt` der Himmel“: so beginnt ein Gedicht von Joseph von Eichendorff. Genau die gleichen Worte passen zum Open air Konzert der Altsaxophonisten Klaus Graf und Jakob Manz beim Lauffener Kultursommer. Es war, als hätt`der Himmel gebannt diesem tollen Ausnahmeevent zugehört, denn genau nach dem letzten verklungenen Ton hat es angefangen zu regnen.

 

Zuvor kamen die zahlreichen Zuhörerinnen und Zuhörer in den Genuss eines außergewöhnlichen Konzertes. Außergewöhnlich, weil es Jazzgeschichte und Jazzzukunft auf phänomenale Weise hörbar machte, interpretiert und umgesetzt von zwei Saxophon-Ausnahmetalenten mit ihren Bands. Klaus Graf perfekt unterstützt von den Musikern des NUE Quartetts aus Nürnberg: Julian Fau am Schlagzeug, Max Leis am Bass und dem Pianisten Andi Feith machten den Anfang. Den Kompositionen des Jazzgrande Duke Ellington und seines Komponisten Billy Strayhorn gaben die Vier ein neu arrangiertes Gesicht: Das war keine Evergreen Hitparade, sondern ein tiefer Einblick, ein neuer Zugang in eine mitreißende Musik, die auch nach Jahrzehnten nichts von ihrer Faszination verloren hat. Eine Musik, die Individuen Platz einräumt, aber Harmonien einfordert.

 

Wenn dann noch einer wie Klaus Graf diese Memories zum Leben erweckt, bleibt nichts zu wünschen übrig. Seine Verneigung vor dem Großen ist ein Ohrenschmaus. Graf kann`s einfach. Seinem Altsaxophon entlockt er Töne aller Schattierungen, mal intoniert er ganz weich erzählend Balladen, mal fordert er temporeich alles von seinem Instrument,  reizt alle Tonlagen aus. Das ist Musik die nie kalt lässt. Immer gelingt es den Vier das Publikum mitzureißen.

 

Mitreißen: Das können auch die vier ganz jungen Musiker des Jakob Manz Project, die den zweiten Teil des Abends gestalten. Sie haben  von den Altmeistern gelernt, doch ihre eigenen Komposition und Interpretationen sind erlebnisreiche Abenteuerspielplätze.

Auf denen spielen Paul Albrecht am Schlagzeug, am Piano - absolut spitze - Hannes Stollsteimer, Frieder Kleins am Bass und natürlich Jakob Manz mit seinem Altsaxophon und der Flöte.

 

Da wird eine Musikrichtung dynamisch, schon ausgedrückt in der Körperhaltung von Jakob Manz, rhythmusbetont, funky, vermischt mit technischen Raffinessen mitreißend lebendig. Das Ausnahmetalent, der erst zwanzigjährige Jakob Manz, für den Klaus Graf das große Vorbild ist, nimmt sein Publikum besonders durch seine weichen, gefühlvollen Tonfolgen für sich ein. Ein satter Sound, der nahe geht, der auch für die Zukunft Zugabe fordert. Jazz für Neugierige hat man Manz` Repertoire einmal genannt, und tatsächlich durfte man in Lauffen gespannt eintauchen in die „Zukunft des Jazz“.

 

Klaus Graf (li.) und Jakob Manz (re.), beide am Altsaxophon (Foto: Ulrike Kieser-Hess)

 

Manz und Graf zeigten eindrucksvoll, welche Möglichkeiten Altsaxophone bieten, welche Ausdrucksvielfalt ihnen entlockt werden kann, wenn man damit Musik macht, die von Herzen kommt. Beide sind glanzvolle, überzeugende Botschafter ihrer Instrumente, ihrer Musik. Was sie beide darüber hinaus auszeichnet, ist eine absolute Teamfähigkeit. Klar: Manz und Graf sind die Chefs im musikalischen Ring, die Stars, aber sie lassen ihren Bands und den Fähigkeiten der Einzelnen viel  Raum, können auch zurücktreten, sich am Können der anderen freuen und das freut auch das Publikum, denn das ist musikalische Vielfalt pur.

 

Text und Foto: Ulrike Kieser-Hess