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Aktuelle Nachrichten | Keßler, Bettina | 20.07.2021 – 17.08.2021

"Lieben lernt ich unter den Blumen"

Hölderlin-Biograf Rüdiger Safranski und Timo Brunke mit der Hölderlin Spoken Word Band beim Lauffener Kultursommer

Der Philosoph und Hölderlin-Biograf Rüdiger Safranski (Foto: Ulrike Kieser-Hess)

Philosoph und Hölderlin-Biograf Rüdiger Safranski zeigte spannende Stationen auf Hölderlins Lebensweg auf. (Foto: Ulrike Kieser-Hess)

 

In Lauffen gibt es einen Panoramaweg namens „Hölderlin & Wein“, in Nürtingen einen Wanderweg „In Hölderlins Landschaft“  und von Bad Homburg kann man nach Frankfurt auf dem „Hölderlinpfad“ laufen. Die Gäste beim Lauffener Kultursommer haben zusammen mit Rüdiger Safranski und Timo Brunke ihren Weg gewählt, um diesem Dichter nahe oder wenigstens näher zu kommen.

 

Der Philosoph und Autor Rüdiger Safranski hat Leben und Werk Hölderlins miteinander verwoben, ist ihm, unterstützt von dessen Briefen, auf dem Weg zu einem „gelingenden Leben, auf der Suche nahe bei sich zu sein“, gefolgt. Timo Brunke hat die Gedichte in den Vordergrund gestellt, unterstützt von den Musikern der „Spoken Word Band“ (Andreas Krennerich, Boris Kischkat, Peter Perfido) mit jazzigen, sanften bis zupackenden Klängen rezitierte er Hölderlingedichte. Mal leise und eindringlich, mal eher theatralisch, immer mit spürbarer Begeisterung, will er Hölderlins Poetik weitertragen, schmackhaft machen: „intensiv, existentiell und nah“. „Wunderbar vorgetragen“ freute sich auch Rüdiger Safranski „eine unnachahmliche Beflügelung“.

 

Timo Brunke (li.) und die Hölderlin Spoken Word Band beim Lauffener Kultursommer 2021 (Foto: Bettina Keßler)Hölderlin-Interpret Timo Brunke (li.) und die Hölderlin Spoken Word Band: an den Tasten Boris Kischkat, am Saxophon Andreas Krennerich, am Schlagzeug Peter Perfido (v.l.n.r.). (Foto: Bettina Keßler)

 

Mit dem Autor Safranski tauchte man tief ein in Hölderlins Leben und Werk, von der Kindheit in Lauffen bis zum letzten Lebensabschnitt im Tübinger Turm führte der literarische Weg, auf dem es für den Dichter viel zu bewältigen gab,  fast zu viel, das aber auch zu besonderer, faszinierender, die Zeiten überdauernder Poesie führte.

Manchmal im lässigen Plauderton, manchmal philosophisch tiefgründig, zeigte der Biograf in Buch und Vortrag Wege auf, sich einem suchenden Menschen entlang seines Schaffens zu nähern.

 

Unter anderem die Liebe zur Natur „lieben lernt ich unter den Blumen“, so Hölderlin, die familiären Bande und Forderungen „er war immer auf der Flucht vor dem für ihn geplanten Pfarrerberuf“, der Einfluss der Französischen Revolution „ er wollte ein politisches Reich Gottes gründen“, die ersten Entwürfe seines Romans „Hyperion“, „er ist ein einziges Gedicht, für einen Roman ist er zu schön“ und seiner  Zuneigung zu Susette Gontard „Hölderlin liebte das Verliebtsein“.

 

Bis zu den Jahren im Tübinger Turm führte Rüdiger Safranskis Hölderlin-Weg in Lauffen, eine Wanderung durch ein Leben, in dem immer wieder auch Hoffnung ihren Platz hatte „es wird gut werden in der Welt“. Wie eine Spieluhr, die immer  weiter läuft, so beschreibt er Hölderlins poetisches Schaffen in seinen späten Jahren und zeigt beeindruckend auf, wie ein Gedicht aus einem anderen entsteht, wie neben der Klage „weh mir“ Hölderlins bekanntestes Gedicht „Hälfte des Lebens“ wächst, „das schönste Gedicht in deutscher Sprache“, so Rüdiger Safranski.

 

Text: Ulrike Kieser-Hess