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Aktuelle Nachrichten | Rutz, Gerald | 02.11.2021

lauffen will es wissen! - Wildbienen und das Bienensterben

 

 

Logo der Firma Schunk Weiße Druckschrift auf blauem GrundAm vergangenen Donnerstagabend freute sich Bürgermeister Klaus-Peter Waldenberger das erste Mal, seit rund eineinhalb Jahren Pandemie, die anwesenden Gäste und alle Beteiligten, des langjährigen Lauffener Wissenschaftstalks, „lauffen will es wissen!“ wieder in der Stadthalle zu begrüßen.

 

lauffen will es wissen - Kuppler 28.10.21

 

 

 

Auch durfte der Initiator der langjährigen Veranstaltungsreihe, Wolfgang Hess, die von der Firma SCHUNK Spann- und Greiftechnik freundlich unterstützte wird, endlich wieder vor rund 150 interessierten Besuchern moderieren.

 


lauffen will es wissen

Zu Gast war ein Kind der Stadt Lauffen am Neckar: Dr. Jonas Kuppler. Im Jahr 2004 machte Dr. Kuppler in Lauffen sein Abitur, jetzt mit 36 Jahren, ist er der jüngste Referent der „lauffen will es wissen!“- Reihe. Der ehemalige Lauffener, Dr. Jonas Kuppler, ist mittlerweile Ökologe und Dozent und arbeitet als Wissenschaftler an der Universität Ulm. Zu seinem Fachgebiet gehören Bienen, insbesondere Wildbienen, und vor allem die Ökosysteme in denen sie Leben.

 

lauffen will es wissen

Rund 550 Wildbienenarten gibt es in Deutschland. 460 davon sind alleine schon in Baden-Württemberg heimisch und rund 150 Wildbienenarten kennt Dr. Jonas Kuppler beim Namen. Seine Lieblingsbiene ist übrigens die Maskenbiene – sie ist für ihn die hübscheste aller Wildbienen.

 

Dr. Kupplers Vortrag war gespickt mit vielen interessanten Details rund um Bienen. Zum Beispiel sind rund 33 Prozent der Wild

bienenarten auf ein ganz bestimmtes Futterangebot angewiesen – sie sind „schlekig“. Außerdem ist eine Biene gerade mal zwischen 4-6 Wochen wirklich aktiv und hat einen Aktionsradius von gerade mal 300- 500 Metern. Auch gibt es Wildbienenarten, wie die Mauerbiene, die wesentlich effizienter Pflanzen bestäuben als zum Beispiel Honigbienen. Und ja, Hummeln sind auch Wildbienen!

Aber Dr. Kupplers Arbeit geht weit über Bienen im Allgemeinen hinaus. Seine Forschungsfragen erstrecken sich insbesondere auch auf die Lebensräume der Tiere. Ihn interessiert, wie sich zum Beispiel Veränderungen der Landschaft auf die Gesundheit und die Population der Tiere auswirken. Eines der Ergebnisse seiner Forschung ist: je homogener die Lebensräume der Tiere werden, desto stärker leidet natürlich auch die Vielfalt der Bienenarten. Je homogener die Landschaft, desto eintöniger das Nahrungsangebot sowie die Nistmöglichkeiten der Tiere. Das bedeutet aber auch je heterogener und kleinteiliger die Landschaft, umso besser für die Tiere. Sie haben dann ein breiteres Nahrungsangebot und viel mehr Möglichkeiten einen geeigneten Nistplatz zu finden. Oder überspitzt formuliert: Man muss sich nicht wundern, wenn die Artenvielfalt leidet wenn in allen Gärten Rollrasen liegt.

 

lauffen will es wissen - Kuppler 28.10.21

Foto: v.l.n.r. Wolfgang Hess, Dr. Jonas Kuppler, Julia Reichardt, Klaus Moser

 

 

Gleiches gilt selbstverständlich für die Landwirtschaft. Kleinteilige Felder, Hecken, Blühstreifen begünstigen die Artenvielfalt. Große Felder mit Randstreifen aus Rasenflächen sind für ein Vielfältiges Nahrungs- und Nistangebot nicht förderlich. Wildbienen die in einer eintönigen Landschaft leben sind daher weniger resilient gegenüber Pestiziden und Spritzmitteln, die in der modernen Landwirtschaft oft unumgänglich geworden sind. Für Kuppler macht es keinen Sinn Landwirten Pestizide und Spritzmittel pauschal zu verbieten um Bienen zu schützen. Vielmehr ist es laut Kuppler wichtig, Wildbienen und andere Bestäubern ein breites Nahrungs- und Nistangebot anzubieten, damit sie gesund genug sind, um solche Einflüsse von außen besser wegzustecken.

 

Nach Kupplers Vortrag, weiß Diskutantin Julia Reichhardt, Lehrerin an der Hölderlin- Realschule für Biologie, Sport und im Schulgarten für drei Bienenvölker zuständig, dass sie einen sehr wildbienenfreundlichen Garten zuhause hat. Während der zweite Diskutant, Klaus Moser,  Landwirt, Winzer und Vorsitzender der Lauffener Ortsgruppe des Bauernverbands, von Dr. Jonas Kupplers Vortrag so begeistert ist, das er direkt mit Kuppler auf Vortragstour gehen möchte. Ein Komplettverbot von Pestiziden wie Neonikotinoiden sieht Kuppler nämlich als nicht sinnvoll an. Viel wichtiger sei es, weniger davon einzusetzen, so Kuppler. Fragwürdig ist auch Blühstreifen neben Feldern anzulegen, die dann nach 5 Jahren umgebrochen werden müssen, da so ganze Habitate zerstört werden.

 

Auf die Frage aus dem Publikum, ob sich der Klimawandel schon auf die Wildbienen auswirkt, antwortet Kuppler, dass es dafür natürlich schon Anzeichen gibt. Hummeln zum Beispiel wandern weiter in nördliche, kühlere Gefilde und gleichzeitig werden hier vermehrt Wildbienenarten aus dem mediterranen Raum aufgefunden. Auch die Frage, ob die Varoamilbe für Wildbienen gefährlich ist, ließ Kuppler nicht unbeantwortet. Für Wildbienen ist die Milbe wohl keine wirkliche Gefahr, aber es gibt laut Kuppler wohl Hinweise darauf, dass sie eine Krankheitsüberträgerin ist.

 

Wolfgang Hess konstatiert Dr. Jonas Kuppler am Ende der Veranstaltung ein richtig guter Wissenschaftler zu sein. Wir alle, so Hess, sollten viel mehr auf die Wissenschaft hören!