Virtueller Lauffener Bote

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Aktuelle Nachrichten | Kast, Ingrid | 09.11.2021

Man sollte sich nie selbst in der Vordergrund stellen

Lore Fahrbach organisierte die Nachbarschaftshilfe in Lauffen und leitet seit vielen Jahren den Hospiz-Dienst

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Zwölf Lauffener

 

Auch im Jahr 2021 stellt der Lauffener Bote jeden Monat jeweils Menschen vor, die in Lauffen a.N. aktiv sind. Dieses Jahr geht es um Personen, die sich mit ihrer Arbeit, ihrem Einsatz, ihrem Engagement  und ihrer Kreativität für Lauffen und seine Bürgerinnen und Bürger einsetzen.Ulrike Kieser-Hess führt hierzu zwölf Interviews. Lesen Sie in diesem Boten das 11. Porträt des Jahres 2021.

 

Eine lange Zeit ihres Lebens hat sich Lore Fahrbach um die Jüngeren im Leben gekümmert, war als Erzieherin in der Kinderheimat Kleingartach tätig und hat ihre eigenen drei Söhne ins Leben begleitet. Seit vielen Jahren kümmert sie sich um die Älteren, lange als Leiterin der Lauffener Nachbarschaftshilfe und seit über 25 Jahren in der Leitungsfunktion des hiesigen Hospizdienstes. Kinder und Jugendliche stützen, ihnen Wurzeln schaffen, aber sie auch immer wachsen lassen, das war für die gebürtige Hohenloherin, die im Fröbel Seminar in Stuttgart ihre Ausbildung absolvierte, Leitmotiv.

12 Lauffener: Lore Fahrbach, Foto: Ulrike Kieser-Hess

Ihre eigenen Wurzeln hat sie im landwirtschaftlichen Betrieb ihrer Eltern. Gemeinsam mit zwei Schwestern hieß es schon früh für sie mit anzupacken, zumal ihre Mutter durch eine schwere rheumatische Krankheit pflegebedürftig war. „Damals habe ich gelernt, wie wichtig es ist, für jemanden da zu sein und wie entscheidend der Faktor Familie im Leben ist“.

In schwierigen Situationen begleiten, immer Ansprechpartner sein, das war auch in Arbeit in der Kinderheimat ihr Credo. „Den oft verhaltensauffälligen Kindern dort Geborgenheit zu geben, gemeinsam auch mit den Eltern einen Weg zu finden, das ist so wichtig“.

Nach der Familienphase hat Lore Fahrbach „Augen und Ohren aufgesperrt“ und ihre Fühler in Richtung „wo kann ich helfen“ ausgestreckt. Da kam 1990 das Angebot der damaligen Leiterin des Pflegedienstes der Diakonie Uta Rensch, in Lauffen eine Nachbarschaftshilfe zu organisieren, gerade richtig. Eine Person, nämlich Lore Fahrbach hat dann den Anfang gewagt, „ als ich aufgehört habe, waren wir 26 Mitarbeiterinnen und die Nachbarschaftshilfe gibt es heute noch“. „In unseren Teamsitzungen gab es immer einen regen Austausch , jedem Menschen gerecht zu werden, alle wertzuschätzen, auch die, die uns nicht immer freundlich gesinnt und begegnet waren, das war unser Ziel.“ 1995 kam noch der Hospizdienst als Aufgabe dazu. 15 Teilnehmer wurden ein Jahr geschult. „Wir mussten uns auch mit uns selbst auseinandersetzen, unsere Motivation prüfen, was kann ich geben“.

Wichtig war und ist für die erfahrene Begleiterin, „man darf sich in der Situation mit einem Sterbenden nie in den Vordergrund stellen, zuhören, dem anderen eine Chance geben etwas zu sagen, verbal oder nonverbal, das hat oberste Priorität. Dabei ist es für Lore Fahrbach klar, „das gelingt natürlich besser, wenn man mit sich selbst im Einklang ist“. Mit sich selbst im Einklang ist Lore Fahrbach auch durch ihren Glauben. Allerdings ist es ihr wichtig, dass „man den Glauben einem Sterbenden nicht aufdrückt, manche finden Trost im gemeinsamen Gebet, manche wollen das nicht“. Manchmal findet man auch einen Zugang zum Sterbenden durch Lieder, „da habe ich schon wirklich berührende Situationen erlebt“.

Demütig geht die Sterbebegleiterin in die Gespräche in die Zeit, die sie mit Sterbenden verbringt, eine Zeit, in der man oft um die richtigen Worte ringt, dem Patienten vermittelt „du bist nicht allein“ und vor allem „nicht die Angehörigen vergessen darf, denn denen muss man auch den Rücken stärken“. Eine positive Grundeinstellung hilft beim Umgang mit Sterbenden, da ist sich Lore Fahrbach ganz sicher, aber auch„wenn man noch Lebenserfahrung mitbringt, auch schon mal selbst erlebt hat, dass das Leben nicht immer rund läuft“. Ob Sterbebegleitung die Angst vor dem Tod vergessen lässt?

„Wenn man die oft sehr entspannten Gesichter der Gestorbenen sieht hilft das schon“.

Manchmal ist Lore Fahrbach durch ihre Aufgabe auch „ganz schon ausgepowert“. Da zieht sie Kraft aus ihrer Familie „meine sechs Enkelkinder erfreuen mich“ und aus der Natur „Gartenarbeit entspannt mich, generell die Freude an der Natur, an jedem Pflänzchen“. Lore Fahrbach lacht, das tut sie übrigens gern, „da wären wir wieder beim Thema wachsen lassen“.

 

Text und Foto: Ulrike Kieser-Hess